Zerstörung und Abriss der Synagoge

Die Frankenthaler Innenstadt bei Kriegsende 1945. Rechts oben die am 23. September 1943 durch Bomben zerstörte Synagoge.

 

Die Beschädigungen Synagoge in der "Reichskristallnacht" und die weiteren Schäden durch den Bombenangriff vom 23. September 1943 sind weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist aber, was nach dem Kriegsende geschah. Die Synagoge war zwar schwer beschädigt und im Innern zerstört, das Dach war eingefallen, aber die beiden Außenwände und die zwei Giebelseiten standen noch größtenteils. Dies kann man aus den vorhandenen Fotos schließen. Nur das Bethaus Synagogengasse Nr. 12 war vollständig zerstört.

 



Der Rathausplatz nach Kriegsende 1945. Im Hintergrund rechts oben die zerstörte Synagoge.

Drei Jahre nach Kriegsende, am 13. August 1948, bean- tragte Johanna Roth in Frankenthal die Rück- übertragung des früheren Vermögens der jetzt nicht mehr existierenden früheren Israelitischen Kultus- gemeinde Franken- thals unter Bezug- nahme auf Verordnung 120, dem Wiedergut- machungsgesetz.

 

Johanna Roth, 1889 geboren (ihre Mutter ist auf dem alten Jüdischen Friedhof begraben), und verheiratet mit dem Frankenthaler evangelischen Kaufmann Emil Roth, konnte vermutlich als so genannter "Judenmischling" in Frankenthal überleben. Sie war Weißzeugnäherin und Inhaberin eines Wäschegeschäftes in der Westlichen Ringstraße. Das Geschäft wurde nach der "Reichskristallnacht" geschlossen, obwohl ihr Mann "Arier" war.

 

Ihr Haus wurde nach dem Kriege anscheinend zur Anlaufstelle für zurückkehrende Frankenthaler Juden, worin unter anderem auch die Überlebende Frieda Plaut, die vor dem Krieg einen kleinen Kolonialladen in der Sterngasse führte, für einige Jahre wohnte. Sie wurde 1957 auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankenthal begraben, Johanna Roth zwei Jahre vorher in einem Doppelgrab neben ihr. Alte Frankenthaler Bürger erinnern sich oft noch an die beiden Frauen.

 

Als eine der wenigen überlebenden Juden wurde Johanna Roth von der Israelitischen Kultusvereinigung Rheinpfalz in Landau als Vertreterin in jüdischen Angelegenheiten gegenüber der Stadt Frankenthal eingesetzt. Sie handelte in deren Auftrag als Rechtsnachfolgerin der früheren Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal.

 

Die Rückübertragung des Jüdischen Vermögens bezog sich in diesem Falle auf die Rückgabe der beiden im Krieg zerstörten Grundstücke Glockengasse 10 und 12, der Synagoge und des danebenliegenden Bethauses. Was mit dem restlichen Barvermögen der ehemaligen Jüdischen Gemeinde Frankenthal geschah, zum Beispiel mit den Guthaben der beiden Krankenunterstützungsvereine, die im Dezember 1938 noch 2784 Reichsmark betrugen, wissen wir noch nicht.

 

Der Haupt - und Finanzausschuss der Stadt Frankenthal beschäftigte sich mit Johanna Roths Antrag in seiner Sitzung am 17. September 1948 und stimmte der offiziellen Rückgabe zu, empfahl aber gleichzeitig den dann rechtmäßigen Erwerb der beiden Grundstücke durch die Stadt. Wie schon vor dem Krieg wollte man die Häuser in der Glockengasse "sanieren" und neu aufbauen. Das war jedoch nur möglich, weil die Israelitische Kultusvereinigung Rheinpfalz in ihrem Antrag signalisiert hatte, dass sie einen Wiederaufbau der Synagoge oder des Bethauses nicht beabsichtige und bereit sei, die beiden Grundstücke der Stadt zu einem angemessenen Preis zu verkaufen.

 

Es lebten kaum noch Juden in der Stadt und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann das jüdische Leben in Frankenthal erlosch. Man brauchte, wie in vielen deutschen Kleinstädten, deshalb keine Synagoge mehr.

 

So wurde die "Rückübertragung" der schon vor dem Kriege den Juden faktisch abgenommenen Grundstücke und Gebäude in einer späteren Stadtratssitzung vom 1. Oktober 1948 beschlossen. Der Wert der noch vorhandenen Mauerwerke der Ruinen von Synagoge und Bethaus wurden durch einen amtlichen Sachverständigen durch Schätzung festgelegt, der Bodenpreis für die Grundstücke betrug nach damaligem Wert zwölf beziehungsweise acht Mark pro Quadratmeter. Die Stadt übergab so das Grundstück mit Ruine am 16. Oktober 1948 wieder der Jüdischen Kultusvereinigung der Rheinpfalz. 

 

Die Jüdischen Kultusvereinigung der Rheinpfalz verkaufte das Gelände nach vier Jahren am 27. Oktober 1952 an die Stadt Frankenthal. Nachdem die Reste der Synagoge beseitigt waren, entstanden auf dem Grundstück die Capitol-Lichtspiele. Sie wurden am 25. Dezember 1953 eröffnet.

 

Nach dem Verkauf 1952 wurden die Grenzen der Grundstücke verändert, so dass heute nur noch schwer zu erkennen ist, wo genau die Synagoge stand.

 

Die erst nach dem Krieg angelegte Schustergasse, nach 1960 in Synagogengasse umbenannt, wurde zur Hälfte über das Gelände des ehemaligen Bethauses geführt.

 

In den 70er Jahren wurde das Capitol abgerissen. Es entstand ein modernes Gebäude mit Geschäften, Büros und Wohnungen.

 

Der Gedenkstein für die Jüdische Gemeinde, der 1977 errichtet wurde, erinnert seither an die über 200 Jahre währende Geschichte der Jüdischen Gemeinde. Allerdings stimmt der Ort des Gedenkens nicht genau mit dem ehemaligen Standort der Synagoge überein.

 

 

Zeichnung von Emil Szymannsky

 

Der Frankenthaler Maler und Grafiker Emil Szymannsky hat die Synagoge gezeichnet. Das Werk kann gekauft werden.

 

Informationen: Förderverein für jüdisches Gedenken