Urkunde der Grundsteinlegung vom 13. Februar 1884 erworben

Die Museumsstiftung Frankenthal hat die Urkunde von der Grundsteinlegung der Synagoge vom 13. Februar 1884 gekauft (hier die obere Hälfte).

 

Die Museumsstiftung Frankenthal, in der die Stadtverwaltung, die Fraktionen im Stadtrat und der Altertumsverein Mitglied sind, hat die Urkunde aus der Grundsteinlegung für die zweite Synagoge vom 13. Februar 1884 im Juli 2014 gekauft.

 

Zweimal innerhalb eines Jahres wurde dem Förderverein die Urkunde von der Grundsteinlegung zum Kauf angeboten. Ein Rabbiner, der jetzt in Jersualem lebt, hatte sie angeboten.

 

Hier der Text der oberen Hälfte:

 

Dies ist der Grundstein der Synagoge gewidmet zum ewigen Gedenken. (Hebräischer Text)

 

Frankenthal, 18 Shvat 5644 = 13 February 1884

 

Nachdem bereits während eines Jahrhunderts ein bescheidenes Synagogen-Gebäude der kleinen israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal ausreichend gedient hatte, erheischte das Wachsthum der Gemeinde ein größeres Gotteshaus. Solches zu errichten, traf Gemeinde opferwillig zusammen und so ward nun heute - den 13ten Februar 1884 - dieser Grundstein zu der nun zu erbauenden Synagoge in Gegenwart der Sxxxxktx- Verwaltungs-, städtische & geistlichen Behörden, sowie der Wortführer & Mitglieder der isr. Kultusgemeinde gelegt

 

– im 20. Jahr der Regierung Seiner Majestaet des Koenigs Ludwig II von Bayern, im 14. Jahre der Errichtung des deutschen Reiches durch Seine Majestaet den deutschen Kaiser Wilhelm I., Koenig von Preußen.

 

Präsident der kgl. bayer. Regierung der Pfalz ist gegenwärtig Seine Excellenz Staatsrath i. a. o. D. Paul von Braun;

Vorstand des kgl. bayer. Bezirksamts Frankenthal Rudolf Freiherr Loeffelholz, von Colberg,

Assessor daselbst Karl Krazeisen.

 

Die Vertreter der Stadt Frankenthal sind:

Heinrich Pohly, Bürgermeister

Ludwig Neumayer I. Adjunkt,

Jakob Gerhard, II. Adjunkt.

 

Die israelitische Kultusgemeinde zählt 304 Seelen, darunter 76 selbständige Mitglieder.

 

Vorsteher der isr. Kultusgemeinde sind: Marx Kaufmann, Synagogenvorstand, Jakob Mann & Jakob Kaufmann, Synagogen-Ausschuß-Mitglieder

 

Rabbiner: Dr. Adolf Salvendi mit dem Sitze in Dürkheim a(n)/ (der) H(aardt)

 

Lehrer und Vorbeter: Isaak Singer;

Synagogendiener: Lazarus Baer

 

Sekretär und Kultus-Einnehmer: Georg Klein (Bezirksamts-Oberschreiber)

 

Der Bauplan zur Synagoge wurde von dem Bezirksbauschaffner Johannes ......

 


Untere Hälfte der Urkunde

 

 

Vorsteher der isr. Kultusgemeinde sind: Marx Kaufmann, Synagogenvorstand, Jakob Mann & Jakob Kaufmann, Synagogen-Ausschuß-Mitglieder

 

Rabbiner: Dr. Adolf Salvendi mit dem Sitze in Dürkheim a(n)/ (der) H(aardt)

 

Lehrer und Vorbeter: Isaak Singer;

Synagogendiener: Lazarus Baer

 

Sekretär und Kultus-Einnehmer: Georg Klein (Bezirksamts-Oberschreiber)

 

Der Bauplan zur Synagoge wurde von dem Bezirksbauschaffner Johannes Lehner in Frankenthal gefertigt &

ist diesem auch ev. bei dessen Verhinderung seinem Assistenten Theodor Dilg die Leitung des Baus übertragen.

 

Bei der Ausführung des Baues wirken folgende Meister mit.

1.Bayer Georg, Schieferdecker in Frankenthal

2.Bennighoff Georg, Schreiner, daselbst

3.Disqué Phillip, Glaser daselbst

4.Gerolstein Phillip, Mauer in Obersülzen

5.Kilthau Jakob, Pflasterer in Frankenthal

6.Kopfmiller Heinrich, Maler daselbst

 

7. Langfritz Karl, Maler daselbst

 

8. Meyer Wilhelm, Zimmermann daselbst

 

9. Scherr Ludwig, Steinhauer in Eisenberg

 

10. Schnoeller Anton, Gypser in Frankenthal,

 

11. Zunn Martin II., Spengler daselbst

 

Diese Urkunde ist der Nachwelt mit dem Wunsche gewidmet, daß sie bei Auffindung derselben ebenso unserer gedenken mögen,

wie wir beim Abschiede vom alten Gotteshauses Jener gedachten, die längst der Vergangenheit angehören.

 

Möge der Bau rüstig fortschreiten, ohne Unfall vollendet werden und dies zu errichtende Gotteshaus stets seinem hohen Zwecke,

der Verehrung Gottes und der Erweckung und Förderung wahrer Menschenliebe dienen.

 


 

Die Herkunft der Urkunde ist nicht bekannt

In den Medien kann man immer wieder lesen, welche Auswirkungen vor allem der Zweite Weltkrieg auf den Bestand und die Eigentumsrechte vieler Kunstwerke und Dokumente hat.

 

Hier einige Aspekte zur Urkunde der Frankenthaler Synagoge:

 

Wurde die Urkunde im Zuge der NS-Verfolgung 1938-1940 ("Reichskristallnacht" am 9. November 1938; Deportation aller in Frankenthal lebenenden Juden am 22. Oktober 1940) oder zwischen 1940 -1945 aus der Synagoge entwendet, oder erst bei Abbruch der Ruine, die zwischen 1945-1952 im Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz war.

 

Bei Entwendung 1938-1940-1945 ist die Frage zu stellen, wie weit es sich bei dem Stück um geraubtes Kulturgut gemäß der Washingtoner Erklärung von 1998 handelt.

 

Wurde das Stück von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde entnommen, der evtl. emigrieren konnte? Wurde das Stück von der Gestapo oder anderen Repräsentanten des NS-Regimes gestohlen und dann verkauft? In dem zweiten Fall hätte die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz sogar bei Erwerb durch die öffentliche Hand einen Rechtsanspruch auf dieses Stück.

 

Bei Entnahme der Urkunde in der Zeit nach 1945 bestünde kein Rechtsanspruch der Jüdischen Gemeinde mehr, da sich die Ruine im Besitz der Rechtsnachfolgerin der Jüdischen Gemeinde von Frankenthal befand und dann wieder verkauft wurde.