Stolperstein-Aktion am 9. September 2021

Gunter Demnig

Am Donnerstag, 9. September 2021, findet die    8. Aktion Stolpersteine in Frankenthal statt. Die Steine erinnern an das Schicksal von Juden, die in Frankenthal gelebt haben. Dafür wurden in den zurückliegenden Jahren 87 Stolpersteinen vor ehemaligen Wohnhäusern von Juden verlegt. Jetzt kommen 11 weitere Steine hinzu.

 

Der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig verlegt Steine in der Bahnhofstraße 2-4 vor dem ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Familie Nachmann, in der Sterngasse 2 für den politisch Verfolgten Karl Huber und im Neumayerring 34 für die Familie Pfeifer.

 

Ein Stein kostet 120 Euro. Zurzeit liegen 5 Spenden vor. Weitere Unterstützer werden gesucht.

Die Familie Nachmann

Familie Nachmann Bahnhofstraße 2-4

In der Bahnhofstraße 2-4 lebte bis zu ihrer Vertreibung die Familie Nachmann. Sie besaß ein großes und bekanntes Kaufhaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Beschriftung der Stolpersteine lautet:

 

HIER WOHNTE

MORITZ NACHMANN

JG. 1862

DEPORTIERT 1942

THERESIENSTADT

ERMORDET 27.12.1943

 

HIER WOHNTE

META NACHMANN

GEB.ROSENMEYER

JG. 1875

DEPORTIERT 1942

THERESIENSTADT

ERMORDET 28.4.1944

 

HIER WOHNTE

LUDWIG NACHMANN

JG. 1899

FLUCHT 1937

ITALIEN

FRANKREICH

1940 USA

 

HIER WOHNTE

KURT SIEGFRIED

NACHMANN

JG: 1902

 FLUCHT 1937

 ITALIEN

USA

 

HIER WOHNTE

IRENE IRMA

NACHMANN

JG. 1904

UNFREIWILLIG VERZOGEN

1936 MÜNCHEN

DEPORTIERT

 AUSCHWITZ

RAVENSBRÜCK

BEFREIT

 

HIER WOHNTE

HANS ARTHUR

NACHMANN

JG. 1910

UNFREIWILLIG VERZOGEN

1937 MANNHEIM

FLUCHT 1938

USA

Das Kaufhaus Nachminn in der Bahnhofstraße 2-4 (rechts das 4. Haus)

 

Ältere Frankenthaler erinnern sich noch gerne daran: Das Kaufhaus Moritz Nachmann in der Bahnhofstraße war in seiner Blütezeit das bedeutendste der Stadt. Die jüdische Inhaberfamilie engagierte sich auch im gesellschaftlichen Leben. Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten führte zu einem Bruch: Das Haus wurde verkauft, die ihrer Freiheit beraubten Firmengründer starben in den 1940er-Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt.

 

In der „Frankenthaler Zeitung“ erschien am Samstag, 23. Oktober 1897, die Anzeige, dass der Kaufmann Moritz Nachmann abends „um 5 ½ Uhr“ in der Bahnhofstraße 24 „ein der Neuzeit entsprechendes größeres Geschäft, den Frankenthaler Bazar“, eröffne.

 

Nachmann, geboren am 20. November 1862 in Nordenstadt (Kreis Wiesbaden), war im September 1897 in Frankenthal zugezogen und wohnte in der Bahnhofstraße 24. Mit 36 Jahren, im Januar 1899, heiratete er in Mannheim die zwölf Jahre jüngere Meta Rosenmeyer.

 

Ab dem April 1906 wohnte die Familie Moritz Nachmann in der Bahnhofstraße 2-4, wohin auch das Geschäft verlegt wurde. Im Herbst 1913 kaufte Nachmann das Anwesen für 135.000 Mark von den Metznerschen Erben. Am 3. November 1915 eröffnete Nachmann zudem eine Filiale in Lambsheim in der Marktstraße. Wie lange diese bestand, lässt sich nicht mehr feststellen. 

 

Moritz Nachmann engagierte sich im jüdischen Gemeindeleben. Bei der Neuwahl des Synagogenrats für die Wahlperiode 1930-35 wurde er gewählt. Er blieb dann auch während der ersten Jahre der NS-Zeit ab 1933 Mitglied dieses Gremiums bis zu seinem Wegzug nach Mannheim am 28. Juni 1937. Bis dahin hatte seine Ehefrau Meta zwölf Jahre lang den Israelitischen Frauenverein in Frankenthal geleitetet. Sie legte das Amt erst wegen des Wegzugs nach Mannheim nieder.

 

Moritz Nachmann war auch ein Förderer des Fußballvereins Frankenthal 1900/02, der ihn auf der Weihnachtsfeier am 25. Dezember 1932 für 25-jährige Mitgliedschaft ehrte. Auch seine beiden Söhne Ludwig und Siegfried Kurt engagierten sich dort.

 

Am 22. November 1899 wurde der Sohn Ludwig geboren, Siegfried Kurt 1902, Irma 1904 und Hans Arthur im Jahr 1910.

 

Siegfried Kurt Nachmann, der als Kaufmann im väterlichen Geschäft arbeitete, war über viele Jahre Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballvereins. 1931 wurde er für seinen Einsatz vom Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverband ausgezeichnet.

 

Ludwig Nachmann hatte sich nach dem Abitur freiwillig zum Militär gemeldet und als Frontsoldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Nach dem Jurastudium in Heidelberg, das er mit der Promotion abschloss, schlug er die Laufbahn eines Rechtsanwalts ein. Ende 1926 eröffnete er in der Frankenthaler Bahnhofstraße 34 seine Kanzlei. 1927 heiratete er in Mannheim-Feudenheim die 22-jährige Thekla Sohn. Die Familie, die in Frankenthal zuletzt in der Luitpoldstraße 3 (heute: Friedrich-Ebert-Straße) wohnte, bekam zwei Töchter.

 

Auch Ludwig setzte sich für den Fußballverein ein: Bei der Meisterschaftsfeier im April 1929 hielt er die Festansprache. 1931 wurde er zum Vorsitzenden gewählt und blieb es bis zum 17. März 1933. Dann legte er „wegen der besonderen Verhältnisse“ – die Nazis hatten auch in Bayern die Macht übernommen – sein Amt nieder. Als Anwalt bekam er immer weniger Aufträge; im April 1937 gab er seine Zulassung zurück. Wie seine beiden Brüder wanderte er in die USA aus.

 

Siegfried Kurt war ledig, sein Bruder Hans Arthur verheiratet. Sie wanderten ebenfalls in die USA aus und ließen sich in Philadelphia nieder.

 

Das vierte Kind der Nachmann-Eltern, die Tochter Irene Irma, hatte 1930 in Frankenthal den evangelischen Kaufmann Rudolf Weynen geheiratet. Im Januar 1932 wurde ihre Tochter Irmgard geboren. Am 31. Oktober 1936 zog die Familie nach München. Irma Nachmann überlebte die Haft in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück.

Am Freitag, 29. November 1935, berichtete die „Frankenthaler Zeitung", dass „das Geschäft von M. Nachmann am Marktplatz durch Kauf in christliche Hände übergegangen ist und heute eröffnet wird“. Erfreulich sei, dass „der neue Inhaber, Herr Otto Hain aus Worms, das gesamte Personal mitübernommen hat, und damit kein Arbeitsplatz verloren gegangen ist“.

 

Moritz und Meta Nachmann wurden von den Nationalsozialisten am 21. August 1942 von Mannheim in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Moritz Nachmann starb dort, 81 Jahre alt, am 27. November 1943. Seine Ehefrau starb mit 69 Jahren ebenfalls in Theresienstadt am 28. April 1944. 

 

 

 

Karl Huber

In der Sterngasse 2 lebte der politisch Verfolgte Karl Huber.

Karl Huber wurde am 23. Juni 1904 in Frankenthal geboren. Er starb am 9. Juni 1965 in Kaiserslautern.

 

Als engagierter Politiker der Arbeiterbewegung und Gewerkschafter wurde er als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus von 1935 bis 1945 eingesperrt, davon die letzten acht Jahre in verschie-denen Konzentrationslagern. In Rheinland-Pfalz war er nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Landessekretär der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Er starb an den Spätfolgen seiner KZ-Haft.

 

Huber besuchte die Volksschule in Frankenthal. Von 1919 bis 1923 lernte er bei der Frankenthaler Druckmaschinenfirma Albert & Co., heute Konzernteil von Koenig & Bauer, den Beruf des Maschinenschlossers. Von 1924 bis 1926 arbeitete er als Schlosser beim Städtischen Krankenhaus in Frankenthal, von 1927 bis 1928 beim Frankenthaler Pumpenhersteller Klein, Schanzlin & Becker, heute KSB.

 

Von 1928 bis 1933 war er bei den Städtischen Gaswerken in Berlin beschäftigt. Wegen seiner politischen Einstellung und Betätigung wurde er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 entlassen und kehrte nach Frankenthal zurück. Dort vermittelte ihn das Arbeitsamt aus politischen Gründen nicht mehr in ein Arbeitsverhältnis.

 

Im Jahr 1919 wurde Huber Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Frankenthal. 1924 erfolgte sein Eintritt in die SPD, Ortsverein Frankenthal. Seit 1931 war er Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Berlin. Huber hatte verschiedene ehrenamtliche Funktionen inne, so war er Vorsitzender der SAJ in Frankenthal und Parteireferent der SPD sowie Bezirksführer des Reichsbanners in Berlin.

 

Huber trat am 1. Mai 1920 dem Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV) und dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) in Frankenthal bei. Er fungierte ehrenamtlich als Schulungsreferent des ADGB in Frankenthal.

Postkarte ab 1933

Während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus war Huber im Widerstand tätig und deswegen Verfolgungsmaßnah-men der Diktatur ausgesetzt. Bereits im März 1933 wurde er von der Frankenthaler SS für einige Tage in Gewahrsam genommen und nach einer „strengen Verwarnung“, sich nicht mehr politisch oder gewerkschaftlich zu betätigen, freigelassen. Trotzdem schloss er sich im Sommer 1933 der illegalen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Bezirk Baden-Pfalz, an.

 

Zusammen mit einigen ehemaligen Frankenthaler Mitgliedern von SPD und KPD gründete er im Jahr 1934 einen losen politischen Zirkel. Der Gruppe gehörten neben Huber die sozialdemokratischen Brüder Walter und Rudolf Weynen sowie die Kommunisten Ludwig Westermann, Eugen Stroh und Georg Reffert an. Lose Kontakte bestanden zu dem ehemaligen SPD- und KPD-Reichstagsabgeordneten Gerhard Jacobshagen aus Ludwigshafen sowie zu emigrierten Sozialdemokraten und Kommunisten im Saargebiet.

 

Die Gruppe traf sich häufig in der Wohnung oder im Kiosk von Reffert am Frankenthaler Bahnhof und diskutierte über die aktuelle politische Lage. Zeugen sagten später aus, Huber habe sich in den Diskussionen entschieden für eine Einheitsfront von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen den Nationalsozialismus und die Gründung einer neuen Arbeiterpartei eingesetzt, da sowohl KPD als auch SPD und SAP bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten versagt hätten.

 

Die Gruppe verteilte im Juli 1934 im Frankenthaler Stadtgebiet mehrmals illegale Flugblätter über den Röhm-Putsch und den Reichstagsbrand. Ein SA-Mann aus Frankenthal, dem Huber in Verkennung von dessen politischer Einstellung ein Flugblatt übergeben hatte, zeigte ihn an; dies führte zu mehrmonatiger Überwachung Hubers durch die Kriminalpolizei Frankenthal.

Rathausplatz und Bahnhofstraße in Frankenthal

Am 9. März 1935 wurden schließlich er und Georg Reffert durch Beamte der Kriminalpolizei Frankenthal und der Gestapodienststelle Ludwigshafen am Rhein verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis Frankenthal eingesperrt. Huber wurde vor dem Sondergericht Frankenthal wegen Verstoßes gegen das sogenannte Heimtückegesetz angeklagt und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, wobei die zwei Monate Untersuchungshaft nicht angerechnet wurden. Der Rest der Gruppe wurde erst im Dezember 1935 enttarnt und verhaftet.

 

Im Mai 1936 wurden die Haftbefehle gegen die übrigen Mitglieder der Gruppe wieder aufgehoben, da die Beweise für eine Anklage wegen Hochverrats nicht ausreichten. Huber blieb in Haft und wurde im gleichen Monat vom Amtsgerichtsgefängnis Frankenthal ins Gefängnis München-Stadelheim überstellt.

"Kampf dem Faschismus" - Aktion der Arbeiterbewegung in der Neugasse

 

Am 21. Juli 1936 verurteilte ihn das Oberlandesgericht München wegen angeblicher „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu einem Jahr und fünf Monaten Gefängnis.

 

Noch vor Beendigung dieser Haftstrafe erhielt Huber durch die Gestapostelle Ludwigshafen einen sogenannten Schutzhaftbefehl.

 

Am 6. Februar 1937 wurde er als „politischer Schutzhäftling“ in das KZ Dachau bei München eingeliefert und erhielt dort die Häftlingsnummer 11.412.

 

Am 27. September 1939 wurde er in das KZ Mauthausen bei Linz (Oberösterreich) verlegt.

Über 600 000 Menschen besuchen heute jedes Jahr die Gedenkstätte KZ Buchenwald bei Weimar.

 

Von dort erfolgte am 9. November 1942 die Überführung in das KZ Buchenwald bei Weimar, wo er unter der Häftlingsnummer 3850 registriert wurde. Er schloss sich dem illegalen kommunistischen Lagerwiderstand an. Er war Kapo der Bauleitung. Aus dem KZ sind Briefe an die Verwandtschaft in Frankenthal erhalten. Inhaftiert blieb er bis zur Befreiung des Lagers am 11. April 1945 durch die US-Armee.

 

Sogleich nach der Befreiung, aber noch vom KZ-Gelände, aus arbeitete Huber in der Leitung des KPD-Bezirks Baden-Pfalz mit und unterstützte das dortige Volksfront-Komitee. Ende Mai 1945 kehrte er nach Frankenthal zurück. Als Mitglied des Frankenthaler Bürgerrats vertrat er von Juni bis Dezember 1945 die Interessen und Anliegen der Arbeitnehmer und gestaltete den Wiederaufbau der Stadt mit.

 

Ende 1945 wurde Huber Mitglied der pfälzischen Bezirksleitung der KPD. Von 1946 bis 1948 fungierte er als Vorsitzender der Ortsgruppe der KPD Frankenthal, im gleichen Zeitraum war er Mitglied des Frankenthaler Stadtrats. 1946 war er zudem Mitglied der Zentralen Säuberungskommission beim Oberregierungspräsidium Hessen-Pfalz in Neustadt an der Weinstraße und 1947 Öffentlicher Ankläger bei der Spruchkammer in Landau.

 

Nach der Gründung der VVN Rheinland-Pfalz wurde Huber 1947 zu ihrem ersten Landessekretär gewählt. 1948 wurde er Leiter der Betreuungsstelle für die Opfer des Faschismus bei der Bezirksregierung in Neustadt.

 

Literatur

 

Klaus J. Becker: Die KPD in Rheinland-Pfalz 1946–1956. S. 453: Kurzbiographie über Karl Huber. Verlag v. Hase & Koehler, Mainz 2001. ISBN 3-7758-1393-4[3]

 

Gerhard Nestler: Verfolgung, Widerstand, Resistenz und Verweigerung. In: Frankenthal unterm Hakenkreuz – Eine pfälzische Stadt in der NS-Zeit. 2004Verlag Pro Message, Ludwigshafen ISBN 3-934845-20-7

 

HIER WOHNTE

KARL HUBER

JG. 1904

IM WIDERSTAND

VERHAFTET APRIL 1935

FLUGBLÄTTER VERTEILT

INHAFTIERT IN MEHREREN

GEFÄNGNISSEN, KZ

1942 BUCHENWALD

BEFREIT

 

Die Familie Pfeifer

Neumayerring 34

Am 7. Mai 1919 heiratete Berthold Pfeifer, geboren am 18. März 1895 in Mannheim, die am 7. Januar 1896 in Mutterstadt geborene Toni Dellheim. Sie stammte aus einer jüdischen Pferdehänd-lerfamilie. Nach der Hochzeit zog die junge Familie nach Frankenthal und wohnte zuerst im Haus der Gastwirt-schaft Breyer in der Speyerer straße. Berthold Pfeifer hatte dort mit Salomon Dellehim, genannt Sally, dem Bruder seiner Ehefrau, die Pferdehandlung Pfeifer & Dellheim, eine offene Handelsgesellschaft, gegründet. Die Geschäftspartner waren zur Ansicht gelangt, dass Mutterstadt zu klein war und somit eine neue Pferdehandlung dort nicht bestehen konnte. Nach dem Kauf des Anwesens Neumayerring 34, mit einem mehrstöckigen Wohnhaus, wurde dieses Geschäfts- und Wohnsitz der Familie. In Frankenthal wurden am 14. März 1920 der Sohn Robert David und am 23. Juni 1922 die Tochter Paula geboren.

 

Nachdem Salomon Dellheim mit seiner Familie am 28. August 1935 wieder nach Mutterstadt zog, wurde die offene Handelsgesellschaft aufgelöst und Berthold Pfeifer führte die Pferdehandlung als Einzelunternehmen weiter. Noch 1938 hatte Berthold Pfeifer eine Handelserlaubnis. 

Der Neumayerring mit Schulhaus (links), der heutigen Neumayerschule. Neumayerring 34 ist vermutlich das 2. Haus rechts an der Ecke zur heutigen Ackerstraße.

 

Robert David Pfeifer und seine Schwester Paula gingen in Frankenthal zur Schule. Nachdem Robert David die Schule beendet hatte begann er mit der Lehre. Er konnte diese allerdings nicht beenden, da er in drei jüdischen Unternehmen gearbeitet hatte, die alle wegen Arisierung das Lehrverhältnis lösen mussten. 

 

In der "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 wurde auch das Haus der Familie Pfeifer verwüstet. Berthold Pfeifer wurde verhaftet und kam ins Landgerichtsgefängnis. Robert David arbeitete an diesem Tage in Mannheim, doch seine Mutter wurde gezwungen, ihn anzurufen und ihn zu bitten, nach Frankenthal zu kommen, um Geschäftsunterlagen zu erklären. Hier wurde er jedoch verhaftet und ebenfalls im Landgerichtsgefängnis inhaftiert. Vater und Sohn kamen von hier aus in das Konzentrationslager Dachau bei München. Sie wurden nach sechs Wochen entlassen. Toni und Paula Pfeifer zogen am 10. November 1938 zu Verwandten nach Mannheim. Die Pferdehandlung wurde auf Grund der Reichs-Verordnung über die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 und der Durchführungs-Verordnung vom 23. November 1938 stillgelegt. Das Anwesen Neumayerring 34 war bereits am 15. August 1938 an Valentin Schwarz, der damals im Schlachthausweg 8 in Frankenthal wohnte, verkauft worden.

Paula Pfeifer (rechts) als Krankenschwester im Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich

Robert Pfeifer gelang im Mai 1940 mit einem Schiff von Genua die Flucht nach New York (USA).

 

Auf Grund der rigiden Einreisebestimmungen der USA war es ihm nicht möglich, rasch die Einreise-genehmigungen für seine Eltern und Schwester zu bekommen.

 

Paula Pfeifer arbeitete inzwischen als Kranken- schwester im Jüdischen Krankenhaus in Mannheim. 

 

Zusammen mit ihren Eltern wurde Paula Pfeifer am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich deportiert.

 

Robert Pfeifer gelang es, für Paula die Einreisegehmigung in die USA zu bekommen.

Mit einem Schiff konnte sie von Lissabon ausreisen und kam am 1. August 1942 in den USA an.

 

Berthold und Toni Pfeifer konnten nicht mehr ausreisen. Sie wurden am 28. August 1942 beziehungsweise am 10. August 1942 über das Lager Drancy in Paris in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert und dort ermordet.

 

Robert und Paula Pfeifer besuchten im Oktober 2002 auf Einladung der Stadtver-waltung die Stadt Frankenthal. Paula Pfeifer, verheiratete Carbonaro, starb am 9. Februar 2010 in den USA.

 

HIER WOHNTE

BERTHOLD PFEIFER

JG. 1895

„SCHUTZHAFT“ 1938

DACHAU

DEPORTIERT 1940

GURS

INTERNIERT DRANCY

1942 AUSCHWITZ

ERMORDET

 

 

HIER WOHNTE

TONI PFEIFER

GEBORENE DELLHEIM

JG. 1896

DEPORTIERT 1940

GURS

INTERNIERT DRANCY

1942 AUSCHWITZ

ERMORDET 31.8.1942

 

 

HIER WOHNTE

ROBERT DAVID

PFEIFER

JG. 1920

„SCHUTZHAFT“ 1938

DACHAU

UNFREIWILLIG VERZOGEN

1938 MANNHEIM

FLUCHT 1940

USA

 

 

HIER WOHNTE

PAULA PFEIFER

JG. 1922

DEPORTIERT 1940

GURS

FLUCHT MIT HILFE

1942 USA