Aktion am 18. August 2014

Vor dem Haus Gartenstraße 11 wurden sechs Stolpersteine für die Familie Schottland verlegt. Oberbürgermeister Theo Wieder bedankte sich für das Engagement des Fördervereins.

 

Am 18. August 2014 verlegte Gunter Demnig in Frankenthal weitere elf Stolperseine für jüdische Männer, Frauen und Kinder. Damit hat der Initiator der erfolgreichen Aktion bei fünf Terminen (April 2005, April 2006, November 2006 und November 2013) hier bisher 61 Steine verlegt. Auch die elf Steine am 18. August wurden von Bürgerinnen und Bürgern gespendet. Ein Stolperstein kostet zurzeit 120 Euro.

 

Weitere Informationen zu den Familien im Kapitel "Familien".

 

Familie Rahlson Foltzring 15

Ernst Rahlson

Für den Augenarzt Ernst Rahlson, seine Frau Anna Rahlson und seinen Sohn Erich Rahlson wurden drei Steine verlegt. Der geachtete Bürger erhielt 1938 Berufsverbot. Er wurde im Januar 1944 im Konzentrationslager (KZ) Theresienstadt im Alter von 73 Jahren ermordet. Am Städtischen Klinikum wurde eine Straße nach ihm benannt.

 

Seine katholische Frau Anna starb im Oktober 1939 im Alter von 51 Jahren an den Folgen der ständigen Demütigungen.

Erich Rahlson

Erich Rahlson, 1913 geboren, absolvierte nach dem Abitur in Karlsruher erfolgreich ein Ingenieursstudium an der Mannheimer Ingenieursschule. 1939 floh er rechtzeitig in die USA. Nach 1945 besuchte er mehrmals Frankenthal und traf sich hier mit Gertrud Wetzel, mit der er zeitweise in der gleichen Schulklasse war. Die engagierte Politikerin verfasste 1971 und 1976 zwei Texten in der Zeitschrift „Frankenthal – Einst und jetzt“ über das Leben der Familie Rahlson.

 

 

Familie Schottland Gartenstraße 11

Die Familie Schottland 1930 (hinten von links): Alexander Eduard, Gertrude und Edwin Schottland; (vorn von links): Heinrich Schottland, Tochter Hannah und Eugenie Schottland geborene Löb.

Als Heinrich Schottland im April 1938 in die USA flüchtete, schrieb das "Jüdischen Gemeindeblatt für die Rheinpfalz": "Schmerzbewegt sieht die jüdische Gemeinde Frankenthal ihren Beamten Schottland, der ihr nahezu 18 Jahre hindurch Lehrer, Kantor und Prediger gewesen und der so oft in der Synagoge seine Zuhörer durch Gesang und Wort zu erbauen verstand, aus ihrer Mitte scheiden."

 

 

 

 

 

 

 

Familie Mann Westliche Ringstraße 9

Richard (links) und Friedrich Mann

Richard und Anna Mann wohnten ab dem 4. April 1913 in Frankenthal in der Westlichen Ringstraße 9. Er war Rechtsanwalt und erhielt später den Titel Justizrat. Zu seinem 60. Geburtstag gratulierte ihm die Lokal- zeitung. Sie nennt ihn einen ruhigen Mann, der trotz seiner vielen Erfolge vor Gericht Richard und Friedrich Mann immer bescheiden geblieben ist. Er war Vor- sitzender der Frankenthaler Anstaltskammer und Mitglied im Vorstand der Anwaltskammer des Oberlandesgerichtsbezirks Zweibrücken. 1936 erhielt er Berufsverbot und flüchtete 1938 nach England. Seine Frau starb bereits im April 1936.

 

Der Sohn Friedrich Mann, 1907 geboren, studierte Jura in Genf, München und Berlin. Er flüchtete mit seiner Frau Eleonore 1933 nach England. Sie hatten drei Kinder: Richard David, Jessica und Nicola.

 

Aus England kamen Richard Thomas (Mitte), Enkel von Friedrich Mann, und Tochter Laura. Links Gunter Demnig.

Die Stolpersteine sollen gedanklich zum Stolpern, Haltmachen, Nachdenken und Erinnern anregen. Und zwar, so Oberbürgermeister Theo Wieder, an Familien, die zum Teil über viele Generationen hier gelebt und gearbeitet, das Leben der Stadt mitgestaltet hatten und allein wegen ihrer Religion vertrieben wurden. Wieder erinnerte an Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Dies sollte im Alltag gelebt und nicht relativiert werden, sagte er mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Flüchtlinge. Wer gedanklich anderen Menschen Würde abspreche, der sei schon dabei, den nächsten Schritt vorzubereiten und sei "nicht weit weg von den Prozessen, die dazu geführt haben", in Deutschland eine Schreckensherrschaft zu errichten.