Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal

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Vorstand und Beirat bestätigt

Mitgliederversammlung diskutiert 25jähriges Vereinsjubiläum 2018

DIE RHEINPFALZ vom 17. Mai 2017

 

Herbert Baum, seit 1999 im Amt, wurde für weitere zwei Jahre als Vorsitzender des Fördervereins für jüdisches Gedenken gewählt. Der Verein feiert 2018 sein 25-jähriges Bestehen.20 Mitglieder zählt der Förderverein, zehn von ihnen waren ins Dathenushaus gekommen. Baum stellte Überlegungen an, was mit dem Verein passieren könnte, wenn sich kein Vorstand mehr findet. Eine Alternative war für ihn die Mitarbeit im Altertumsverein. Doch darüber wollten die Mitglieder derzeit ebenso wenig diskutieren wie über die Stolpersteine, deren Verlegung Rudolf Walter schon mehrfach kritisiert hatte. Die Mehrheit der Mitglieder habe sich für eine weitere Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen, so Baum.

 

Ein Argument von Walter: Die Steine seien alles kleine Grabsteine, über die er „stolpere“. Gerhard Nestler widersprach. Für ihn seien die Stolpersteine eine Erinnerung an jüdisches Leben in Frankenthal. Alle zwei Jahre will der Verein am Freiwilligentag mitmachen und die Stolpersteine reinigen, so Baum.

 

Vera Hollfleder, die Leiterin des Erkenbert-Museums, regte an, zur Feier des Vereinsjubiläums eine Themenwoche zu veranstalten rund um den Gedenktag an die Reichspogromnacht am 9. November 2018. Ihr Vorschlag wurde begrüßt. Zur Organisation soll eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden. Zustimmung fand auch Gerhard Bruders Idee, dabei auch das aktuelle Leben der Juden in Deutschland zu thematisieren, denn Juden fühlten sich in Deutschland wieder zunehmend unsicher.

 

Nestler, seines Zeichens Stadtarchivar, sitzt derzeit an einer Dokumentation über die Opfer des Nationalsozialismus in Frankenthal. Ziel soll die Schaffung einer Gedenkstätte sein. Deren Form wird noch diskutiert.

 

Da an der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht immer weniger Menschen teilnähmen, muss sie laut Baum umgestaltet werden. Schwach sei auch der Kontakt zu Schulen. Ein Angebot im Lux-Kino sei nur von zwei Schulen genutzt worden, obwohl alle informiert worden seien. Gezeigt wurde der Film „Nebel im August“, der sich mit der NS-Psychiatrie auseinandersetzt. Nächster Termin ist am 27. Januar 2018. Auch die Vorträge des Vereins im Programm der Volkshochschule hätten oft nur wenige Zuhörer, sie sollen dennoch fortgeführt werden.

 

Unterschiedliche Ansichten gab es zur Sandsteinmauer rund um den jüdischen Friedhof im Hauptfriedhof. Baum meinte, eine kostspielige Sanierung sei unnötig. „Eine Hecke würde für mich ausreichen.“ Bernd Leidig widersprach: „Was der jüdischen Gemeinde angetan wurde, verlangt eine Wiedergutmachung.“

 

Zum europäischen Tag jüdischer Kultur am 3. September will der Verein Führungen anbieten. Am 8. November ist ein VHS-Vortrag geplant über Charlotte Salomon, Stieftochter der 1897 in Frankenthal als Paula Levi geborenen und später in Berlin unter dem Namen Paula Salomon-Lindberg bekannten Sängerin. Informationen finden sich im Internet unter www.juden-in-frankenthal.de.

 

Der Verein verzeichnete 2016 Einnahmen in Höhe von rund 3300 Euro und Ausgaben von 5200 Euro. nt

 

Vorstand

 

Vorsitzender Herbert Baum, Stellvertreter Rüdiger Stein, Kasse Werner Schäfer, Beirat: Sieglinde Ganz-Walther, Lothar Limburg, Jeanne Petermann.

 

Quelle

Ausgabe          Die Rheinpfalz - Frankenthaler Zeitung - Nr. 114

Datum             Mittwoch, den 17. Mai 2017

Seite    16

 

 

Mitgliederversammlung mit Wahlen am 11. Mai 2017

Paula Lindberg

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal lädt ein zu seiner Mitgliederversammlung am Donnerstag, 11. Mai, 19 Uhr, im Dathenushaus, Kanalstraße 6.

 

Auf der Tagesordnung stehen der Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre und Neuwahlen.

 

Das 25jährige Bestehen im kommenden Jahr nimmt der Verein zum Anlass, auch über seine Zukunft zu diskutieren.

 

Informationen gibt es über die geplanten Aktivitäten in den nächsten Monaten. Der Förderverein schlägt vor, dass die 1897 in Frankenthal geborene Tochter des Kantors Lazarus Levi, Paula Levi, für ihre Leistungen als Sängerin (Paula Lindberg) und für ihren Widerstand gegen das nationalsozialistische System geehrt wird.

 

Ein jüdisches Schicksal

Die Sängerin Paula Salomon-Lindberg

Vortrag in der Volkshochschule am 14. März 2017

Der Grabstein von Lazarus und Sophie Levi auf dem neuen jüdischen Friedhof in Frankenthal

In einem Vortrag mit Fotos, Schallplatten und einem Film informiert Herbert Baum am Dienstag, 14. März 2017, 19 Uhr,

im VHS-Bildungszentrum Frankenthal, Schlossergasse 10, über das Leben von Paula Levi. Der Eintritt ist frei.

 

Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal als Paula Levi geboren. Ihr Vater war der jüdische Religionslehrer und Kantor Lazarus Levi, der als Sänger einen besonderen Ruf weit über die Frankenthal hinaus hatte. Er wurde am 16. Juli 1862 in Eckardroth geboren und kam 1896 nach Frankenthal, das damals zu Bayern gehörte. Lazarus Levi starb am 17. November 1919, seine Ehefrau am 26. November 1930, beide in Frankenthal. Das Grab mit dem Grabstein ist heute auf dem neuen Judenfriedhof in Frankenthal noch erhalten.

 

Paula Salomon-Lindberg

Paula Levi erhielt ihre musikalische Ausbildung Anfang der 1929er Jahre in Mannheim und ab 1926 in Berlin. Von Berlin aus begann ihre Karriere als Sängerin Paula Lindberg. Am 4. September 1930 heiratete sie mit 32 Jahre in Frankenthal den Chirurgen Albert Salomon (1883–1976) und nannte sich Paula Lindberg-Salomon.

 

Nach Auftrittsverboten 1933 sang sie noch bis 1937 für den Jüdischen Kulturbund Berlin. 1939 floh sie mit ihrem Mann nach Amsterdam, wo beide 1943 im Konzentrationslager Westerbork interniert wurden, später aber flüchten und die Besatzungszeit bis 1944 versteckt überleben konnten.

 

Nach dem Krieg lebte Paula Lindberg-Salomon in den Niederlanden. Sie setzte dort ihre künstlerische Laufbahn mit großem Erfolg fort. Sie starb am 17. April 2000 in Amsterdam.

 

Ein Selbstporträt von Charlotte Salomon

Im Vortrag wird auch das Schicksal ihrer Stieftochter Charlotte Salomon vorgestellt. Ihre Mutter und ihre Großmutter hatten sich selbst getötet, außerdem sechs weitere Frauen in der Familie.

 

Charlotte Salomon verarbeitete diese Konflikte als Malerin. Ihre Werke werden heute noch gezeigt. Sie wurde am 10. Oktober 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

 

Im Herbst 2017 informiert der Förderverein in einem weiteren Vortrag über das Leben von Charlotte Salomon.

 

 

 

 

 

 

220 Schüler sahen den Film "Nebel im August"

Veranstaltung zum Nationalen Gedenktag

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zeigte der Förderverein für jüdisches Gedenken am 26. Januar 2017 im Lux-Kino den Film „Nebel im August“, der sich mit der NS-Psychiatrie auseinandersetzt.

 

Rund 220 Schülerinnen und Schüler vom Karolinen-Gymnasium und dem Pfalzinstitut (PIH) für Hören und Kommunikation waren beeindruckt. „Nebel im August“ ist ein bewegendes Drama über die grausamen Morde in der NS-Psychiatrie und gleichzeitig die authentische Geschichte von Ernst Lossa, der sich mutig gegen ein menschenverachtendes System wehrte. Zwischen 1939 und 1944 wurden in Folge der verschiedenen Euthanasie-Programme in den deutschen Nervenkliniken mehr als 200.000 Menschen ermordet.

 

Ein lange verdrängtes Kapitel der deutschen Geschichte, das in der Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus bisher nur am Rande vorkam. „Nebel im August“ entstand nach dem wahren Schicksal des 13-jährigen Jungen, der als „asozial“ eingestuft in einem bayerischen Klinikum eingesperrt und 1944 dort ermordet wurde.

 

Nationalsozialistische Psychiatrie in der Pfalz

Ausstellung, Katalog und Buch

2016 ist in vierter Auflage das Buch „Die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster“ von Karl Scherer, Otfried Line und Roland Paul erschienen.

Im Herbst 2016 wurde im Erkenbert-Museum in Frankenthal die Ausstellung "Nationalsozialis- tische Psychiatrie in der Pfalz" gezeigt.

 

NS-Psychiartie, das bedeutet: Zwangssterilisationen von Patientinnen und Patienten psychiatrischer Kliniken und von Bewohnerinnen und Bewohnern pfälzischer Dörfer und Städte ab 1934; staatlich organisierter, heimlich durchgeführter Kranken- mord von 1940 bis 1941; Deportation und Ermordung von »unerwünschten« Patienten- gruppen; Sterben in der Anstalt Klingenmünster aufgrund von bewusster Mangelversorgung in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges.

 

Sechzehn Ausstellungstafeln beleuchten diese Vorgänge, am Beispiel der pfälzischen Psychiatrie mit dem Schwerpunkt auf der damaligen »Heil- und Pflegeanstalt« Klingenmünster. Texte, historische Dokumente und Bilder erläutern und veranschaulichen die menschenverachtenden Konsequenzen, die die Unterscheidung zwischen vermeintlich »wertvollen« und »minderwertigen« Menschen in der NS-Psychiatrie hatte. Auch der Umgang mit der Vergangenheit nach 1945 ist Thema der Ausstellung.

 

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog.

 

www.ns-psychiatrie-pfalz.de/ausstellung/

 

Außerdem ist 2016 in vierter Auflage das Buch „Die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster“ von Karl Scherer, Otfried Line und Roland Paul erschienen.

 

NS-Psychiatrie in Frankenthal

Vortrag und Diskussion bei der Volkshochschule

Das 1886 bis 1887 erbaute Krankenhaus

 

In dem Vortrag „NS-Psychiatrie in Frankenthal“ informiert der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal mit vielen Fotos am Mittwoch, 8. Februar 2017, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse 10, über die Geschichte der Kreis-Kranken und Pflegeanstalt in Frankenthal. Referenten sind Bernd Leidig (Altertumsverein Frankenthal), Rüdiger Stein (Förderverein) und Herbert Baum (Förderverein). Der Eintritt ist frei.

 

Nationalsozialistische Psychiatrie, das bedeutete: Zwangssterilisationen von Patientinnen und Patienten in psychiatrischer Kliniken und von Bewohnerinnen und Bewohnern in Dörfer und Städte ab 1934; staatlich organisierter, heimlich durchgeführter Krankenmord von 1940 bis 1941; Deportation und Ermordung von „unerwünschten“ Patientengruppen; Sterben in den Anstalten aufgrund von bewusster Mangelversorgung in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges.

 

Der Förderverein stellt die Entwicklung der Kreis- Kranken- und Pflegeanstalt Frankenthal vor. Seit 1811 wurde das Armenhaus als „erste öffentliche Anstalt zur Verwahrung“ der psychisch kranken Menschen in der Pfalz genutzt. 1932 war die „Kreis-Kranken- und Pflegeanstalt“ mit 642 Patienten, darunter zirka 130 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 21 Jahren, voll belegt.

 

Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933

Zur Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 gab es in Frankenthal ab Ende März 1934 das Erbgesundheitsgericht Frankenthal. Bis Ende 1935 wurden 2043 Anträge auf Unfruchtbarmachung gestellt, 1728 Anträge wurden anerkannt.

 

Die Frankenthaler Anstalt ist in der Liste der Mordstätten für Kinder - der so genannten „Kinderaktion“ - nicht enthalten. Nachgewiesen ist die Ermordung von einem Kind aus Frankenthal in der „Kinderfachabteilung“ der Heil- und Pflege Anstalt Eichberg bei Wiesbaden.

 

Als nach dem Überfall der Wehrmacht auf Frankreich ein Teil der Gebäude als Lazarett genutzt wurde, verlegte man Patienten in andere Anstalten. Deshalb wurden auch Patienten aus der Frankenthaler Anstalt zu Opfern der „Aktion T4“ in den Jahren1940 und 1941. Am 22. Oktober 1940 wurden aus der Anstalt sechs jüdische Frauen und vier jüdische Männer in das Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich deportiert.

 

Bei dem Bombenangriff in der Nacht vom 23. auf 24. September 1943 wurde der größte Teil der Anstaltsgebäude zerstört.

Aufgrund eines Runderlasses des Reichministeriums des Innern vom 30. August 1940 forderte die Gesundheitsab- teilung des bayerischen Innenministeriums anfangs September 1940 alle bayerischen Heil- und Pflegeanstalten auf, bis zum 14. September 1940 ihre jüdischen Patienten in die als Sammelanstalt für „Volljuden“ ausgewählte Anstalt Eglfing-Haar bei München zu überführen. Von dort aus wurden sie in das „Polen-Generalgouvernement“ deportiert und dort ermordet.

 

Es ist nicht geklärt, warum die Juden aus der Frankenthaler Anstalt bei dieser Aktion „vergessen“ wurden.

 

Vier Wochen später, am 22. Oktober 1940, wurden aus der Anstalt Frankenthal sechs jüdische Frauen und vier jüdische Männer im Rahmen der „Bürckel-Wagner-Aktion“ zusammen mit allen anderen über 6500 jüdischen Frauen, Männern und Kinder aus der Pfalz, Baden und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich deportiert. Clementine Adler starb dort bereits am 25. Oktober 1940, Veronika Fraenkel aus Roxheim am 14. Januar 1943.

 

Da die schwerkranke Rosa Löb aus Eppstein nicht transportfähig war, wurde sie am 22. Oktober nicht nach Gurs deportiert. Um die Jahreswende 1940/41 entdeckte man in der Berliner Euthanasie-Zentrale das Fehlen der jüdischen Patienten aus Frankenthal beim Sammeltransport vom September 1940. Als letzte jüdische Patientin kam Rosa Löb am 29. Januar 1941 in die Anstalt in Heppenheim. Mit 66 jüdischen Kranken aus Baden wurde sie am 4. Februar nach Hadamar überführt und dort ermordet.