Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal

Die aktuellen Informationen stehen oben

 

Die jüdische Familie Sinsheimer aus Freinsheim

Vortrag mit Fotos am Mittwoch 23. November 2016  19 Uhr

VHS-Bildungszentrum Schlossergasse 10

Hans-Helmut Görtz

Im Rahmen der seit 2010 bestehenden Kooperation zwischen dem Förderverein für jüdisches Gedenken und der Volkshochschule Frankenthal informiert Hans-Helmut Görtz (Freinsheim) am Mittwoch, 23. November, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse10, mit zahlreichen Fotos über die jüdische Familie Sinsheimer aus Freinsheim. Der Eintritt ist frei.

 

Hermann Sinsheimers Geburtshaus in Freinsheim

In Freinsheim an seinem Geburtshaus und in Ludwigshafen an seiner ehemaligen Kanzlei in der Ludwigstraße erinnern Gedenktafeln an den jüdischen Juristen und Schriftsteller Hermann Sinsheimer (1883-1950), der 1938 vor dem Naziterror nach England floh und 1950 in London starb.

 

Da Hermann Sinsheimer seit 1983 von seiner Heimatstadt Freinsheim durch den inzwischen weithin bekannten Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik geehrt wird, ist sein Name und Schicksal vor dem Vergessen bewahrt. Kaum bekannt sind indes seine Geschwister, denen im dritten Reich ein ähnliches und teils noch schlimmeres Geschick widerfuhr.

Der Vortrag erinnert an alle Mitglieder der vielköpfigen Familie Sinsheimer und führt damit exemplarisch das Unbegreifliche von Judenhass und Judenverfolgung im Nationalsozialismus vor Augen. Indem er auch die in den USA lebenden Nachkommen der Familie einbezieht, schlägt er die Brücke zur Gegenwart.

 

Der Referent, Dr. Hans-Helmut Görtz, hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu historischen Themen veröffentlicht, unter anderem auch über Hermann Sinsheimer.

Gedenkveranstaltungen zur "Reichskristallnacht" in Frankenthal am 9. November 2016 im Rathaus

Die Frankenthaler Synagoge (links) um 1900 auf einer Postkarte.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal erinnert jedes Jahr am 9. November an die "Reichskristallnacht" in Frankenthal. Die Gedenkveranstaltung beginnt am Mittwochabend um 18 Uhr im Rathaus und endet um 19 Uhr am Gedenkstein für die Synagoge in der Glockengasse. In seiner Ansprache erinnert Oberbürgermeister Martin Hebich an die Gräueltaten der NS-Diktatur. Herbert Baum vom Förderverein informiert über "Jüdisches Leben heute – die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz".  Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz ist die Rechtsnachfolgerin aller Jüdischen Gemeinden der Pfalz bis 1945 und hat Gemeindehäuser in Speyer (Synagoge Beith-Shalom), Ludwigshafen und Kaiserslautern. Die Städtische Musikschule gestaltet das Rahmenprogramm. Am Gedenkstein in der Glockengasse spricht Werner Schäfer (Förderverein) ab 19 Uhr über den Ablauf der "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 morgens ab 6 Uhr.

 

Die Nacht vom 9. auf 10. November 1938 bleibt den Juden weltweit als "Reichskristallnacht" bis heute in Erinnerung. In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet und etwa 7500 Geschäfte geplündert.

 

Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November das Innern der Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Der Brand war allerdings nur der erste Teil der schrecklichen Tragödie. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Ihnen folgte wenig später die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die 23 Frankenthaler Juden in "Schutzhaft" nahm, unter anderem Julius Abraham und Carl Schweitzer. Sie wurden am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München überführt.

 

Zahlreiche Frankenthaler wurden Zeugen der Zerstörungen und Plünderungen, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerten. Die jüdischen Frauen und Kinder wurden auf Anordnung der NSDAP-Gauleitung noch am 10. November aus der Pfalz ausgewiesen.

Die Führer der Frankenthaler NSDAP

Bereits am Dienstag, 8. November, um 19 Uhr im VHS-Bildungszentrum Frankenthal, Schlossergasse 10, informiert Herbert Baum ausführlich und mit zahlreichen Dokumenten über die "Reichskristallnacht". Im Mittelpunkt stehen die Täter, die aktiven Mitglieder der NSDAP von 1922 bis 1945. Vom 26. bis 28. Juni 1950 fand am Landgericht Frankenthal der Prozess gegen 17 mutmaßliche Teilnehmer der Plünderungen und Zerstörungen in der "Reichskristallnacht" statt. Vier von ihnen wurden wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit verurteilt. Sieben wurden freigesprochen, gegen sechs wurde das Verfahren eingestellt. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

 

Jüdische Juristen in Frankenthal bis 1940

Vorträge am 11. November 2016 im Landgericht

Die Rechtsanwälte Richard und Friedrich Mann flohen nach England.

Richard Mann wurde am 22. Januar 1873 in Frankenthal geboren. Seine Eltern waren Benjamin Mann und Jeanette Mann, geborene Kahn.

 

Richard Mann und seine Frau Ida Mann wohnten ab dem 4. April 1913 in Frankenthal in der Westlichen Ringstraße 9. Er war Rechtsanwalt und erhielt später den Titel Justizrat.

 

Zu seinem 60. Geburtstag gratulierte ihm die Lokalzeitung. Sie nennt ihn einen ruhigen Mann, der trotz seiner vielen Erfolge vor Gericht immer bescheiden geblieben ist. Er war Vorsitzender der Frankenthaler Anstaltskammer und Mitglied im Vorstand der Anwaltskammer des Oberlandesgerichtsbezirks Zweibrücken.

 

Am 11. August 1907 wurde Sohn Friedrich August Alexander Mann in Frankenthal geboren. Auch er wurde Rechtsanwalt.

 

Richard Mann flüchtete 1938 nach England. Er starb am 15. September 1953 in Oxford.

 

Friedrich Mann studierte in Genf, München und Berlin Rechtswissenschaften. Er promovierte 1931 in Berlin. Vermutlich 1934 floh er mit seiner Frau, der Juristin Eleonore Ehrlich (1907–1980), nach London. Er erhielt 1981 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Das Landgericht Frankenthal (rechts) nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.

Beim Tag der offenen Tür zum 200jährigen Jubiläum des Landgerichts Frankenthal informiert Herbert Baum vom Förderverein am Freitag, 11.  November 2016, um 13 Uhr und 15 Uhr über das Schicksal jüdischer Juristen in Frankenthal.

 

Neben dem Schicksal von Richard und Friedrich Mann geht es um weitere Anwälte und um die Richter Emil Dosenheimer und Emil Rosenberg.

 

 

Wir schaffen was

Freiwilligentag am 17. September 2016

78 Stolpersteine gereinigt

Täter und Opfer in der NS-Zeit

Führungen, Ausstellungen und Vorträge

Förderverein organisiert mehrere Veranstaltungen

In Frankenthal wurden bisher 78 Stolpersteine verlegt.

Mit Führungen, Vorträgen und einer Ausstellung erinnert der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal an Täter und Opfer in der NS-Zeit.

 

Im Rahmen des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur am Sonntag, 4. September 2016, informiert ab 11 Uhr Rüdiger Stein über die 78 Stolpersteine, die in Frankenthal bisher für jüdische Frauen und Männer  verlegt wurden. Treffpunkt ist vor der Zwölf-Apostel-Kirche, Carl-Theodor-Straße.

 

Über die beiden Jüdischen Friedhöfe in Frankenthal führt nachmittags Werner Schäfer ab 15 Uhr. Treffpunkt ist vor der Trauerhalle des Städtischen Friedhofs, Eingang Wormser Straße. Bei Dauerregen gibt es einen Bild-Vortrag in der Trauerhalle. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1826.

 

Bei einer Führung durch die Innenstadt informiert Herbert Baum um 17 Uhr vor den wichtigsten Stationen mit Fotos über die Geschichte der Juden in Frankenthal. Treffpunkt Gedenkplatz (Spielplatz) Glockengasse. Die Führungen sind kostenlos. Bei Dauerregen fallen sie aus.

 

Ein Patient der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster.

Vom 9. bis 25. September 2016 informiert die Wanderausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“ im Erkenbertmuseum über Täter und Opfer der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gesundheitspolitik. Sechzehn Ausstellungstafeln erläutern und veranschaulichen am Beispiel der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ Klingenmünster die Durchführung von Zwangssterilisationen ab 1934 und die staatlich organisierten, heimlich durchgeführten Krankenmord von 1940 bis 1941.

 

„Am 22. Oktober 1940 wurden aus der Anstalt sechs jüdische Frauen und vier jüdische Männer in das Internierungslager Gurs in Südwest-Frankreich deportiert“, erinnert Herbert Baum vom Förderverein an die Ereignisse in Frankenthal. Clementine Adler starb dort bereits am 25. Oktober 1940, Veronika Fraenkel aus Roxheim am 14. Januar 1943.

 

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 8. September 2016, 19 Uhr, eröffnet. Der Arzt Michael Brünger vom Ausschuss für Gedenkarbeit im Pfalzklinikum Klingenmünster, gibt eine Einführung. Der Eintritt ist frei.

 

Ein Gedenkstein im Hof der Augustin-Violet-Schule in Frankenthal erinnert an die Ereignisse zwischen 1933 u nd 1945.

Am Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr, informiert Michael Brünger in seinem Vortrag im Erkenbert-Museum ausführlich über die „NS-Psychiatrie in der Pfalz“.

 

Seit 1811 wurde das Armenhaus in Frankenthal als „erste öffentliche Anstalt zur Verwahrung“ der psychisch kranken Menschen in der Pfalz genutzt. 1932 war die "Kreis-Kranken- und Pflegeanstalt" mit 642 Patienten, darunter zirka 130 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 21 Jahren, voll belegt.

 

In einem Vortrag am 20. Oktober 2016, 19 Uhr, im Erkenbert-Museum, informieren Bernd Leidig vom Altertumsverein über die Baugeschichte, Herbert Baum über die jüdischen Patienten und Rüdiger Stein über die Nutzung der Anstalt als Lazarett für Kriegsgefangene.

 

Der Eintritt für beide Vorträge ist frei.

 

 

Herbert Baum, Erster Vorsitzender des Fördervereins

Am 9. September 2016 nimmt Herbert Baum - Gründungsmitglied des Fördervereins 1993, Zweiter Vorsitzender ab 1995 und Vorsitzender seit 1999 - am Bürgerfest des Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin teil. Es sind rund 4000 Bürgerinnen und Bürger zu Gast, die „das Ehrenamt in herausragender Weise mit Leben erfüllen und mit ihrem Engagement dem Gemeinwohl dienen.“

Am Samstag, 17. September 2016, beteiligt sich der Förderverein am Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar.

 

Unter dem Motto „Wir schaffen was!“ sollen ab 11 Uhr die 78 Stolpersteine in Frankenthal gereinigt werden.

 

Die Aufschrift, die an jüdische Menschen erinnert, wird mit der Zeit unleserlich. Treffpunkt ist vor dem Dathenushaus in der Kanalstraße 6. Anmeldungen sind erwünscht. Mit zuletzt 6.000 Teilnehmern in 300 Projekten ist der Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar die bundesweit größte Veranstaltung dieser Art.

 

Die Synagoge in der heutigen Glockengasse auf einer Postkarte um 1900. Rechts das jüdische Gemeindehaus.

Ein Vortrag mit Fotos am Dienstag, 8. November 2016, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse 6-8, erinnert an die Nacht vom 9. auf 10. November 1938. Sie bleibt den Juden weltweit als „Reichskristallnacht“ bis heute in Erinnerung.

 

In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet und etwa 7500 Geschäfte geplündert.

 

Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November die  Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) nahm 23 Frankenthaler Juden in "Schutzhaft". Sie kamen am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München. Die jüdischen Frauen und Kinder wurden auf Anordnung der NSDAP-Gauleitung noch am 10. November aus der Pfalz ausgewiesen. Zahlreiche Frankenthaler wurden Zeugen der Zerstörungen und Plünderungen, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerten.

 

Der Referent Herbert Baum stellt die Täter in den Mittelpunkt des Vortrags. Im Juni 1950 wurde gegen 17 mutmaßliche Teilnehmer der Plünderungen und Zerstörungen Anklage erhoben. Vier von ihnen wurden wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit verurteilt. Sieben wurden freigesprochen, gegen sechs wurde das Verfahren eingestellt.

 

 

 

Der Förderverein erinnert am 9. November 2016 an die „Reichskristallnacht“ in Frankenthal. Die Gedenkveranstaltung beginnt um 18 Uhr im Rathaus und endet am Gedenkstein für die Synagoge in der Glockengasse.

 

In einem Vortrag mit Fotos informiert der Referent Hans-Helmut Görtz (Freinsheim) am Mittwoch, 23. November 2016, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse 8-10, über die jüdische Familie Sinsheimer aus Freinsheim und führt damit exemplarisch das Unbegreifliche von Judenhass und Judenverfolgung im Nationalsozialismus vor Augen.

 

Indem er auch die in den USA lebenden Nachkommen der Familie einbezieht, schlägt er die Brücke zur Gegenwart. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

 

 

Diskussion über Stolperstein-Verlegung

Mitgliederversammlung 2016 unterstützt weitere Aktionen

Die Mitgliederversammlung 2016 beschloss, dass auch künftig Stolperstein-Aktionen für Opfer des Nationalsozialismus unterstützt werden.

Der Förderverein für jüdisches Gedenken hat in seiner Mitglieder- versammlung am 23. Mai 2016 beschlossen, weitere Stolperstein-Aktionen zu unterstützen. Werner Schäfer soll auflisten, an welche jüdischen Frauen, Männer und Kinder im Bereich des Rathausplatzes und der Bahnhofstraße erinnert werden soll.

 

Der Erste Vorsitende Herbert Baum gab einen Rückblick auf die Aktionen im vergangenen Jahr. Er bedauerte, dass immer weniger Menschen zu den Vorträgen, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen kommen. Alle weiterführenden Schulen erhalten rechtzeitig Informationen. Es kommen aber sehr selten junge Menschen zu den Veranstaltungen. "Es macht keinen Sinn, gezielt Klassen anzusprechen, damit sie vielleicht bei Gedenkveranstaltungen, die in der Regel von älteren Menschen besucht werden, Teile des Programms übernehmen", stellte Herbert Baum fest. Besser sei es, wenn Klassen oder Arbeitsgruppen im Rahmen des Lernplans der Schule kleinere Projekte selbst organisieren. "Hier kann unser Förderverein mit seinem Wissen über die lokalen Entwicklungen helfen", betonte Baum.

 

Die Finanzen des Fördervereins wurden geprüft. Für den Druck des Buches "Gegen das Vergessen!" entstand eine größere Ausgabe. Auch für die Stolperstein-Verlegung am 16. April 2016 gab es wieder zahlreiche Spenden.

 

Der Vorstand des Fördervereins, Herbert Baum, Rüdiger Stein und Werner Schäfer, wurden einstimmig entlastet.

 

Veranstaltungen:

 

23. Juni, 19 Uhr: Führung Stolpersteine für eine evangelische Frauengruppe

25. Juni, 10 Uhr: Tagung der Landeszentrale für politische Bildung im NS-Dokumentationszentrum Gedenkstätte KZ Osthofen

4. September: Europäischer Tag der jüdischen Kultur. Führungen Stolpersteine 11 Uhr mit Rüdiger Stein, Führung Jüdische Friedhöfe 15 Uhr umit Werner Schäfer, Stadtrundgang 17 Uhr mit Herbert Baum

17. September 11 Uhr: Wir schaffen was; Freiwilligentag der Metropolregion. Stolpersteine reinigen

Oktober: Ausstellung "NS-Psychiatrie in der Pfalz"

22. Oktober: Gedenktag Deportation der pfälzischen, badischen und saarländischen Juden nach Gurs

8. November, 19 Uhr: VHS-Vortrag "Die Täter in der Reichskristallnacht“

9. November, 18 Uhr: Gedenkveranstaltung "Reichskristallnacht“ im Rathaus

23. November, 19 Uhr: VHS-Vortrag mit Hans-Helmut Görtz (Freinsheim); "Hermann Sinsheimer"

27. Januar 2017: Nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus: Filmveranstaltung für Schulen

März 2017: Woche der Brüderlichkeit; VHS-Vortrag

 

SS-Mann als Vorbild für junge Menschen?

Adolf Metzner und die Adolf-Metzner-Stiftung

Vortrag am Montag 18. April 2016

DIE RHEINPFALZ vom 14. Mai 2010

Ein Vortrag mit Fotos informiert am Montag, 18. April 2016, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum Frankenthal, Schlossergasse  6-8, über „SS-Mann als Vorbild für junge Menschen? Adolf Metzner und die Adolf-Metzner-Stiftung“. Referenten sind Rüdiger Stein und Herbert Baum.

 

Seit 2009 problematisiert der Förderverein für jüdisches Gedenken das Leben Adolf Metzners.

"Adolf Metzner: Arzt, Leichtathlet, Weltenbummler und Mäzen" war der Titel eines Artikels in einem Frankenthaler Stadtmagazin im Sommer 2009. Die Statue des Läufers mit Staffelholz im Adolf-Metzner-Park erinnere an den Sohn der Stadt, der dieser sein ganzes Leben lang verbunden geblieben sei.

 

Zufällig entdeckte der Förderverein für jüdisches Gedenken einige Wochen später bei der Durchsicht von Dokumenten den Hinweis, dass Adolf Metzner, ein erfolgreicher Leichtathlet in den 1930er Jahren, am 1. September 1933 in die Schutzstaffel (SS) der NSDAP eingetreten ist. Nachforschungen des Fördervereins brachten weitere Informationen. Am 4. Juli 1937 beantragte Metzner in Frankenthal die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Er erhielt die Mitgliedsnummer 4929068.

Ein erfolgreicher Leichtathlet: Adolf Metzner

Adolf Metzner war in den 1930er Jahren vor allem als Leichtathlet bekannt. Er war zunächst Mitglied beim FV Frankenthal, wechselte 1929 mit Beginn seines Studiums zu Eintracht Frankfurt und schloss sich während seiner Münchener Zeit dem Deutschen Sportverein München an. Er wurde zwischen 1930 und 1937 dreizehnmal in die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft berufen, war mehrfach Deutscher Meister im 400m-Lauf und im 4x100m-Lauf und wurde 1934 Europameister im 400m-Lauf und 4x400m-Lauf. 1932 und 1936 nahm er an den Olympischen Spielen in Los Angeles und Berlin teil, kam beide Male aber nicht über die 400m-Zwischenläufe hinaus. (Frankenthaler Zeitung vom 6.8.1932 (Kampf um die 400 Meter) und 7.8.1936 (Die 400-Mtr.-Läufe. Metzner-Frankenthal ausgeschieden).

Entnazifizierungsverfahren in Hessen: "Mitläufer" zahlt 500 Reichsmark

 

Am 7. Oktober 1939 wurde Metzner als SS-Untersturmführer in die Waffen-SS einberufen, am 1. August 1940 zum SS-Obersturmführer und am 9. November 1942 zum SS-Hauptsturmführer befördert. In der Wehrmacht entsprach dieser Titel dem Rang eines Hauptmanns. Vom 7. Oktober 1939 bis Kriegsende war Metzner in verschiedenen Einheiten und Einrichtungen der Waffen-SS tätig.

 

Die NSDAP hatte bei Kriegsende im Mai 1945 rund 7,5 Millionen Mitglieder. In ihren Zonen führten die Besatzungsmächte USA, England und Frankreich nach der Befreiung Deutschlands sogenannte Entnazifizierungsverfahren durch. Diese sollten ein erster Schritt sein zur strafrechtlichen Aufarbeitung der NS-Zeit. Dazu wurden die Angeklagten in "Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer und Nichtbelastete" eingeteilt.

 

Die Spruchkammer in Fritzlar (Hessen) reihte Adolf Metzner am 7. März 1949 "in die Gruppe der Mitläufer" ein. Er musste eine "Geldsühne" von 50 Mark zahlen.

 

Seit 1. April 1953 arbeitete Metzner als Sport- arzt und Dozent am Institut für Leibesübungen der Universität Hamburg. Bei seiner Bewerbung verschwieg er seine Mitgliedschaft in der SS und seinen Einsatz in den verschiedenen SS-Regimentern und SS-Einrichtungen. In seinem handgeschriebenen Lebenslauf vom 8. März 1953 heißt es: "7. Okt. 39 bis Kriegsende Soldat, bzw. Sanitätsoffizier" und in seinen Personalbogen trug er ein: "7.X.39 ‑ 6.I.46: Wehrmacht, San.Offizier".

 

Gemeinsam mit seinem Kollegen Ernst Gadermann entwickelte Metzner in Hamburg die Grundlagen der telemetrischen EKG-Messung. 1971 erhielt Metzner eine Professur am Institut, musste aber schon ein Jahr später ‑ wohl aus gesundheitlichen Gründen ‑ in den Ruhestand gehen.

 

Ab 1961 hatte Metzner mitgeholfen, den Sportteil der Wochenzeitung DIE ZEIT aufzubauen, den er bis Ende 1975 auch betreute.

 

Adolf Metzner starb am 4. März 1978 in Hamburg und wurde in Frankenthal beerdigt.

 

DIE RHEINPFALZ vom 27. Januar 2011

Als letztes Mitglied der Familie Metzner besaß Adolf Metzner das gesam- te Familienvermögen. Damit gründete er die Adolf-Metzner-Stiftung. Mit dem Adolf-Metzner-Wettbewerb unterstützt die Stiftung seit Jahren talen- tierte Schülerinnen und Schüler der Frankenthaler Musikschule.

 

Weder auf den Internetseiten der Musikschule noch bei der Preisverleihung wird das Leben Metzners in den Jahren von 1933 bis 1949 thematisiert.

 

"Uns interessiert, warum ein Medizinstudent mit 23 Jahren in die SS und als Arzt mit 27 Jahren in die NSDAP eintritt", begründet Herbert Baum, Vorsitzender des Fördervereins, das Interesse an einer Diskussion vor allem auch mit jungen Menschen: „Als Vorbild kann man Metzner nicht bezeichnen."

 

Stolpersteine erinnern an jüdische Frauen und Männer

5. Verleg-Aktion am 16. März 2016

 

Die 5. Stolpersteinverlegung des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal findet am Mittwoch, 16. März 2016, statt. Als erste Schule in Frankenthal verlegte das Karolinen-Gymnasium am 7. November 2013 Stolpersteine für fünf ehemalige jüdische Schülerinnen und eine jüdische Lehrerin.

 

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehsteig einlässt. Inzwischen liegen rund 50.000 Stolpersteine in zirka 1100 Orten in Deutschland und in zwanzig Ländern Europas. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Demnig einen jüdischen Text.

 

Am Mittwoch werden um 9 Uhr in der Speyerer Straße 48 vier Steine für die Familie Meisel verlegen. Ernst Meisel, von Beruf Kaufmann, kam am 28. Juni 1938 für zirka sechs Wochen in das Konzentrationslager Dachau und von dort in das Konzentrationslager Buchenwald. Nach seiner Entlassung flüchtete er am 16. August 1939 nach England und von dort in die USA.

 

In der Vierlingstraße 13 werden ab 10 Uhr vier Steine für die Familien Brunner, Rosenberg und für Ria Gümpel verlegt. Dr. Emil Rosenberg zog 1919 von Landau nach Frankenthal, war zunächst Staatsanwalt, dann Richter beim Amtsgericht Frankenthal, schließlich bis zu seiner Entlassung 1933 Richter am Landgericht. Anna Rosenberg war Vorsitzende des Vereins für Fraueninteressen. Vor diesem Haus spricht Bürgermeister Andreas Schwarz für die Stadt Frankenthal. Mitglieder des Fördervereins informieren über das Leben der jüdischen Frauen und Männer.

In der Vierlingstraße verlegt Gunter Demnig 13 Steine vor den Häusern Nummer 13, 15 und 17.

Margot Hirschler wohnte in der Vierlingstraße15. Sie überlebte die Verfolgung durch ihre Flucht in die Schweiz. Für ihre Eltern wurden bereits 2005 Steine verlegt.

 

An die Familien Leva und Bodenheimer erinnern vor dem Haus Vierlingstraße 17 künftig acht Stolpersteine.

 

David Leva, mit der Französin Jeanne Wallach aus Mulhouse (Mülhausen) verheiratet, zog mit seinen drei Söhnen 1912 von Ruchheim nach Frankenthal. Wie sein Vater und mehrere Brüder war er Viehhändler. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 begann auch in Frankenthal die systematische Ausgrenzung und Isolierung der Juden.

 

Die beiden jüngsten Söhne Max und Alfred flüchteten  nach Mulhouse und überlebten in Frankreich. David Leva starb 1939 in Laferte-sur-Amance in Frankreich, Jeanne Leva wurde Anfang 1944 dort verhaftet und im Februar 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Nach 1945 kamen Alfred und Max Leva nach Frankenthal zurück, um über das frühere Eigentum der Familie zu verhandeln. Max Leva starb 1980, Alfred Leva 1983 in Mulhouse. Robert Leva, der Sohn von Max Leva, nimmt am Mittwoch an der Verlegung der Stolpersteine für seine Familie teil.

 

Die Herstellung und Verlegung eines Steines kostet 120 Euro. Der Förderverein für jüdisches Gedenken freut sich über jede Spende: Sparkasse Rhein-Haardt – IBAN: DE27 5465 1240 0240 0247 78

 

Jüdische Gemeinde seit über 230 Jahren

Vortrag über Rabbiner und Kantoren in Frankenthal

Rabbiner Ernst Steckelmacher und seine Frau Wera. Er war Rabbiner im Rabbinatsbezirk Dürkheim - Frankenthal von 1910 bis 1940. Er wurde 1943 im KZ Lublin-Maidanek ermordet.

Um 1785 wurde in Frankenthal eine jüdische Gemeinde gegründet. Der erste Rabbiner war seit 1826 Aron Merz. In einem Vortrag mit zahlreichen Fotos informiert Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal am

 

Dienstag, 8. März 2016

19 Uhr

im VHS-Bildungszentrum

Schlossergasse 6 – 8

über die Rabbiner und Kantoren in Frankenthal.

Der Eintritt ist frei.

 

Die Rabbiner spielen in der jüdischen Religion eine wichtige Rolle. Über Jahrhunderte haben sie die Schriftrolle (Tora) studiert und ausgelegt sowie konkrete Verhaltensweise für den Alltag der Menschen vorgegeben.

 

Die Pfalz wurde 1828 in vier Rabbinatsbezirke aufgeteilt: Kaiserslautern, Landau, Zweibrücken und Frankenthal. Dessen Rabbiner hatten allerdings ihren Sitz immer in Bad Dürkheim. Nach dem Tod von Aron Merz 1866 folgte der aus Ungarn stammende Dr. Adolf Salvendi, der 43 Jahre lang bis 1909 dem Rabbinatsbezirk Frankenthal-Dürkheim vorstand. Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, in Mannheim aufgewachsen, war Rabbiner von 1910 bis 1940. Er wurde 1943 im Konzentrationslager  Lublin-Majdanek ermordet.

 

Die Frankenthaler Synagoge mit Gemeindehaus (rechts) um 1900.

Mit dem Wachsen der Jüdischen Gemeinde in Frankenthal gab es vor Ort zusätzlich Kantoren als Lehrer und Vorsänger. Bekannt sind Isaac Singer von 1853 bis 1896, Lazarus Levi von 1897 bis 1918 und Heinrich Schottland von 1920 bis 1937.

 

Im Vortrag werden die einzelnen Amtsträger vorgestellt, soweit Unterlagen vorhanden sind. Interessant sind unter anderem Konflikte zwischen liberalen und orthodoxen pfälzischen Gemeinden. Gerade die Amtszeit von Rabbiner Salvendi von 1866 bis 1909 zeigt, wie heftig innerhalb der jüdischen Rabbinate um die zeitgemäße Interpretation der jüdischen Religion gestritten wurde.

 

Der Referent geht auch auf die heutigen Entwicklungen ein. Seit 1950 ist die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz Rechtsnachfolgerin aller ehemaligen pfälzischen Kultusgemeinden. Der Sitz ist seit 2011 in Speyer. Die Gemeinde hat zurzeit 652 Mitglieder. Aktive Gruppen mit Synagoge oder Betraum gibt es in Speyer, Kaiserslautern und Ludwigshafen. In Frankenthal leben rund 30 gläubige Juden. Sie besuchen die Gottesdienste in den benachbarten Synagogen.

 

Der Vortrag findet im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit 2016 statt.

 

Die französische Regierung und die „Judenpolitik“

von 1940 bis 1944

"Kollaboration" unterstützte das NS-System

Jeanne Petermann, in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon geboren, informierte anhand zahlreicher Dokumente über die "Judenpolitik" der französischen Vichy-Regierung von 1940 bis 1944.

Die französische Regierung ("Vichy-Regierung") war maßgeblich an der Verfolgung und Deportation der Juden in den Jahren 1940 bis 1944 beteiligt.

 

Jeanne Petermann, in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren in Frankenthal und ist als Übersetzerin und Sprachdozentin tätig. Sie informierte in einem Vortrag mit Fotos am 27. Januar 2016 im Dathenushaus über "Die französische Regierung und die "Judenpolitik" von 1940 bis 1944".

 

Der französische Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus wurde 1894 durch ein Kriegsgericht in Paris wegen angeblichen Landesverrats zugunsten des Deutschen Kaiserreichs verurteilt. Die Verurteilung des aus dem Elsass stammenden jüdischen Offiziers basierte auf rechtswidrigen Beweisen und zweifelhaften Handschriftengutachten.

 

Der Justizirrtum weitete sich zum ganz Frankreich erschütternden Skandal aus. Höchste Kreise im Militär wollten die Rehabilitierung Dreyfus’ und die Verurteilung des tatsächlichen Verräters Major Ferdinand Walsin-Esterházy verhindern.

 

Am 12. Juli 1906 hob schließlich das zivile Oberste Berufungsgericht das Urteil gegen Dreyfus auf und rehabilitierte ihn vollständig. Dreyfus wurde wieder in die Armee aufgenommen, zum Major befördert und darüber hinaus zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.

 

Nicht zuletzt aufgrund eines zunehmend offenen Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft stürzte die Affäre das Land in eine schwere politische und

moralische Krise. Insbesondere während des Kampfes um die Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens war die französische Gesellschaft bis in die Familien hinein tief gespalten.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg spielen jüdische Bürger in allen Bereichen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Gleichzeitig wuchs damit der Antisemitismus.

 

Léon Blum war der erste jüdische Premierminister Frankreichs: Vom 4. Juni 1936 bis 29. Juni 1937, vom 13. März bis 10. April 1938 und vom 16. Dezember 1946 bis 16. Januar 1947. Sein Amtsantritt 1936 sorgte für Empörung innerhalb der extremen Rechten im Parlament wie innerhalb der ihr zugehörigen Verbände. Dieser wiedererstarkte Antisemitismus entlud sich bei vielen Politikern und in Teilen der Bevölkerung unter der deutschen Besatzung ab 1940.

 

Nach dem Waffenstillstand am 22. Juni 1940 wurde der alternde Marschall Philippe Pétain ("Held von Verdun") Regierungschef  ("Chef de l’État") in dem von der deutschen Besatzungsmacht unbesetzten Teils Frankreichs. Die Macht des Vichy-Regimes war beschränkt. Parallel zur NS-Politik führte die Vichy-Regierung ab Oktober 1940 immer mehr antijüdische Maßnahmen durch.

 

Am 16. und 17. Juli 1942 wurden von den französischen Regierungsstellen 13.000 Pariser Juden verhaftet und in einem Radstadion interniert.

Am 16. und 17. Juli 1942 wurden von den französischen Regierungsstellen 13.000 Pariser Juden verhaftet und in einem Radstadion interniert. ("Rafle du Vel D’Hiv" - "Razzia des Wintervelodroms").

 

Nach der "Wannsee-Konferenz" im Januar 1942 unterstützte die Vichy-Regierung die deutsche Besatzungsmacht bei der Deportation der in Frankreich lebenden Juden in die Vernichtungslager im besetzten Polen.

 

1939 lebten in Frankreich zirka 300.000 Juden, etwa ein Viertel davon wurde ermordet. Diese Quote ist deutlich niedriger als die in anderen von Deutschland besetzten Ländern.

 

Die französische Regierung erkannte erst 1995 durch Staatspräsident Jacques Chirac offiziell die Verantwortung Frankreichs für die Durchführung der Verfolgungsmaßnahmen an. Zuvor waren Diskussionen über die „Kollaboration“ nicht erwünscht.

 

Jeanne Petermann beschrieb in Ihrem Vortag auch das Schicksal Frankenthaler Juden in Frankreich. Die Funktion des Internierungslagers Gurs sowie das Untertauchen und die Rettung einiger Frankenthaler Kinder, Frauen und Männer wurde ausführlich dargestellt.

 

"Der Staat gegen Fritz Bauer"

Rund 100 Jugendliche sahen Film über Nazi-Mörder

Christian Kaltenegger (Lux-Kinos), Lothar LImburg (Förderverein), Bürgermeister Andreas Schwarz und Rüdiger Stein (Förderverein) (v.l.n.r.) freuten sich über die gute Resonanz auf den Film "Der Staat gegen Fritz Bauer".

Am 27. Januar 2016, dem Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, zeigte der Förderverein im Lux-Kino in einer Veranstaltung für Schulen den Film "Der Staat gegen Fritz Bauer". Rund 100 Schülerinnen und Schüler sahen einen weiteren Film über wichtige Abschnitte im Leben des hessischen Generalstaatsanwaltes (1903 - 1968), der die juristische und publizistische Aufarbeitung der NS-Massenmorde gegen deutsche und europäische Juden (Shoah, Holocaust) im Nachkriegs-Deutschland wesentlich vorantrieb.

 

Zum ersten Mal nahm ein Vertreter des Stadtvorstandes an einer solchen Filmveranstaltung teil. Andreas Schwarz, seit 1. Januar 2016 Bürgermeister in Frankenthal, lobte die gute Zusammenarbeit des Fördervereins mit den Schulen: "Wir müssen die Geschichte immer wieder an die Jugend weitergeben."

 

Adolf Eichmann 1961 beim Prozess in Israel.

Der Film macht deutlich, wie große Teile der Justiz und der Politik bei der Vorbereitung des spektakulären Auschwitz-Prozesses gegen schließlich 22 Angeklagte immer wieder versucht haben, die Nachforschungen zu verhindern.

 

Die Handlung des Films setzt 1958 ein. Der Generalstaatsanwalt bekommt den Hinweis, dass Adolf Eichmann, der die Massendeportationen der Juden organisiert hatte, angeblich in Buenos Aires lebt. Während Bauer sich bemüht, diese Information zu verifizieren, sucht er gleichzeitig nach Möglichkeiten, Eichmann in Deutschland vor Gericht zu stellen. Er fürchtet, dass das mit ehemaligen Nazis durchsetzte Bundeskriminalamt den Verbrecher eher warnen, als bei seiner Festnahme helfen würde. Lediglich der junge Staatsanwalt Angermann (Ronald Zehrfeld) bietet Bauer seine Hilfe an und stellt den Kontakt zu einem zwielichtigen Journalisten her, der herausfinden soll, ob der Mann in Buenos Aires wirklich Eichmann ist.

 

Bauer ist mittlerweile überzeugt davon, dass nur der israelische Geheimdienst Mossad in der Lage ist, Eichmann in Argentinien zu entführen. Ihn einzuschalten, würde allerdings Landesverrat und für Bauer und Angermann eine Haftstrafe bedeuten.

 

Im Mai 1960 wurde Adolf Eichmann von israelischen Agenten in Argentinien entführt und anschließend nach Israel gebracht, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Er wurde zum Tode verurteilt und im Mai 1962 hingerichtet.

 

Vorstandsmitglied Werner Schäfer erhielt den

Obermayer German Jewish Community History Award

Werner Schäfer (Mitte), Vorstandsmitglied des Fördervereins, ist einer der Preisträger des Obermayer German Jewish Community History Award im Jahr 2016. (FOTO: Landesarchiv Berlin)

Werner Schäfer, Vorstandsmitglied des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal, erhielt den Obermayer German Jewish Community History Award. Am 25. Januar wurde er und vier weitere Preisträger bei einer Feier im Berliner Abgeordnetenhaus geehrt.

 

Als Preisträger vorgeschlagen wurde Schäfer von Rabbi Peter Schweitzer aus New York. Der Kontakt zu ihm und seiner Familie besteht seit einigen Jahren. Der jüdische Amerikaner ist zunächst mit der Frage auf Schäfer zugekommen, "was seine deutschen Vorfahren hier gemacht haben."

 

2012 kamen Schweitzer und sein Sohn erstmals zu einem Besuch nach Deutschland. 2013 hat Werner Schäfer er dem Gast bei der Suche nach Vorfahren in Baden-Württemberg und Bayern geholfen. 2014 war Schäfer dann zum Gegenbesuch in die USA eingeladen – zur Bar-Mizwa (Feier der religiösen Mündigkeit) von Schweitzers Sohn. "Eine schöne Erfahrung", freut sich Werner Schäfer.

 

Der Obermayer German Jewish Community History Award wird seit dem Jahr 2000 jährlich im Zusammenhang mit dem internationalen Holocaust-Gedenktag (27. Januar) an fünf Preisträger vergeben: an nichtjüdische Deutsche, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit in besonderer Weise dazu beigetragen haben, "jüdische Geschichte, das jüdische Erbe und physische Erinnerungsstücke in ihrer Gemeinde" zu erforschen und zu bewahren.

 

Der im Alter von 84 Jahren vor einigen Tagen gestorbene Arthur S. Obermayer, amerikanischer Unternehmer aus Philadelphia mit deutschen Vorfahren, hat die Stiftung (Obermayer Foundation) gegründet, die den Preis vergibt. Die Entscheidung über die Preisträger trifft eine international besetzte Jury; als Sponsoren treten unter anderem der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland (SPD), und das Leo-Baeck-Institut auf.

 

Zu den Preisträgern gehört seit 2005 auch der Künstler Gunter Demnig, Initiator der Aktion "Stolpersteine".

 

Neues Buch über jüdische Familien

"Gegen das Vergessen!"

Stolpersteine erzählen Geschichte(n)

Der Förderverein verlegte gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig bisher 61 Stolpersteine für jüdische Männer, Frauen und Kinder. Das Buch "Gegen das Vergessen!" erzählt auf 230 Seiten die Geschichten zu den Stolpersteinen. Es wurde bei der Gedenkveranstaltung zur "Reichskristallnacht" am 9. November 2015 vorgestellt.

 

Das Buch kann zurzeit nur beim Förderverein und im Erkenbert-Museum gekauft werden. Es kostet 12 Euro (Einführungspreis).

 

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Neugasse 36

67227 Frankenthal

 

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Das Buch kann auch als digitale Version verschickt werden.

 

Kostenlose Führungen zur Geschichte der Juden

in Frankenthal

Die Frankenthaler Innenstadt vor der Zerstörung 1943

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert auf Anfrage kostenlose Führungen zu verschiedenen Themen: Geschichte der Juden in Frankenthal, Jüdische Geschäfte in der Innenstadt, Stolpersteine, Jüdische Friedhöfe, NS-Zeit in Frankenthal, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

 

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Die Jüdische Gemeinde Frankenthal wurde um 1785 gegründet. Am 28. August 1885 fand die Einweihung einer zweiten, neuen Synagoge in der Glockengasse 12 unter "reger Anteilnahme der Frankenthaler Bevölkerung" statt, wie die damalige Frankenthaler Zeitunge schrieb. Im Jahr 1900, als die aufstrebende Industriestadt 16.899 Einwohner hatte, lebten hier 371 Juden, das waren rund zwei Prozent. 1933 begann die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung auch in Frankenthal. Viele konnten rechtzeitig flüchten. Die meisten, die in Deutschland blieben, wurden später in den Vernichtungslagern ermordet. Mit der Deportation der 39 noch in Frankenthal lebenden Kinder, Frauen und Männer am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südwestfrankreich endete die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthals. Heute leben wieder Menschen jüdischen Glaubens aus der ehemaligen Sowjetunion in Frankenthal. Sie beteiligen sich am Leben der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz und besuchen die Synagoge in Ludwigshafen.