Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal

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Gedenkveranstaltung "Reichskristallnacht"

9. November 2015

Jeanne Petermann thematisierte am Gedenkplatz in der Glockengasse die Gedenkarbeit der französischen Regierungen. (FOTO: Klaus Bolte)
Gedenkveranstaltung im Foyer des Frankenthaler Rathauses. (FOTO: Klaus Bolte)

Der Förderverein erinnerte am

9. November 2015 an die "Reichskristallnacht" in Frankenthal. In seiner Begrüßung informierte der 1. Vorsitzende Herbert Baum über den Morgen vom 10. November 1938, als das im Innern der Synagoge brennende Material von der Feuerwehr gelöscht wurde.

 

Aus den Aufzeichnungen des zehnjährigen Hans Schweitzer las er einen Abschnitt vor: "Ich hatte ein Spielzimmer mit all den Sachen, die ein Junge so zum Spiele hat: eine Burg, eine von meinem Vater selbst gefertigte Nachbildung des neuen Stuttgarter Bahnhofs (…) für meine Märklin-Eisenbahn, einen Kaufladen, eine Tankstelle, französische und deutsche Soldaten (die sich bekämpften), Ludendorff, Hindenburg (mein Vater muss wohl Patriot gewesen sein). Nichts von allem blieb übrig."

 

Hans Schweitzer ist als letzter Zeitzeuge am 19. Oktober 2015 im Alter von 88 Jahren in seinem Haus bei New York gestorben.

 

Nicht zuletzt für seine Nachforschungen und Aufzeichnungen zur großen Familie Schweitzer erhielt Vorstandsmitglied Werner Schäfer eine Auszeichnung einer amerikanischen jüdischen Stiftung.

 

Oberbürgermeister Theo Wieder setzte sich mit dem Spruch "Jedem das Seine", der am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald steht, auseinander.

 

Er begann seine Rede mit den Worten: "Wie in jedem Jahr haben wir uns hier getroffen, um an Menschen zu erinnern, die als geachtete jüdische Mitbürger innerhalb kurzer Zeit rechtlos gestellt und später aus unserer Stadt vertrieben wurden, nur weil sie einer anderen Weltanschauung und Religion angehörten. Die sog. Reichspogromnacht war das Fanal, was mannigfaltige Unterdrückungen zuvor quasi zusammengefasst sichtbar machte und die eigentliche Vertreibung und Ermordung vieler Menschen einleitete."

 

Werner Schäfer stellt das neue Buch des Fördervereins über jüdische Familien vor, für die Stolpersteine verlegt wurden. Außerdem informierte er über das Leben der Familie Blum.

 

Die Querflötistinnen Elisabeth Hoffmann und Gerhilde Zuck von der Städtischen Musikschule gestalteten den musikalischen Rahmen.

 

Am Gedenkstein in der Glockengasse sprach Jeanne Petermann, Mitglied im Beirat des Fördervereins,  über Gedenkarbeit in Deutschland und Frankreich.

 

Am 22. Juli 2012 hielt der jetzige französische Präsident François Hollande im Wintervelodrom in Paris eine Rede zum Gedenken an die Massenfestnahme von Juden im Juli 1942:

 

"76.000 Juden aus Frankreich wurden in Vernichtungslager deportiert. Nur 2500 kehrten von dort zurück. Diese Frauen, Männer und Kinder konnten nicht mit dem rechnen, was auf sie zukommen sollte. Sie konnten es sich nicht einmal vorstellen. Sie hatten Vertrauen in Frankreich.

 

Sie glaubten, das Land der großen Revolution, die Stadt des Lichts biete Ihnen Schutz. Sie waren der Republik mit einer Leidenschaft zugetan, die in Dankbarkeit begründet war. Denn in Paris waren die Juden 1791, unter der verfassungsgebenden Versammlung, zum ersten Mal in Europa als vollwertige Bürger anerkannt worden. Später hatten andere in Frankreich Aufnahme, eine Lebenschance, das Versprechen auf Schutz gefunden.

 

Dieses Versprechen und dieses Vertrauen wurden vor 70 Jahren mit Füßen getreten…. Hier wird der Verrat offenbar (…)

 

Wir schulden den jüdischen Märtyrern des Wintervelodroms die Wahrheit über das, was vor 70 Jahren passiert ist.

Die Wahrheit ist, dass dieses Verbrechen in Frankreich durch Frankreich begangen wurde. Doch die Wahrheit ist auch, dass dieses Verbrechen gegen Frankreich gegen seine Werte, gegen seine Grundsätze, gegen sein Ideal begangen wurde."

 

Leider wird die Gedenkveranstaltung von immer weniger Menschen besucht. Der Förderverein muss sich überlegen, mit welchen Inhalten und Formen er mehr Menschen ansprechen kann.

 

Die Feuerwehr löschte den Brand im Innern der Synagoge. Das Gebäude wurde durch Bomben zerstört und 1952 abgerisssen.

Die Nacht vom 9. auf 10. November 1938 bleibt den Juden weltweit als "Reichskristallnacht" bis heute in Erinnerung. In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet und etwa 7500 Geschäfte geplündert.

 

Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November die   Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Der Brand der Synagoge war allerdings nur der erste Teil der schrecklichen Tragödie. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Ihnen folgte wenig später die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die 23 Frankenthaler Juden in "Schutzhaft" nahm, unter anderem Julius Abraham und Carl Schweitzer. Sie wurden am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München überführt.

 

Zahlreiche Frankenthaler wurden Zeugen der Zerstörungen und Plünderungen, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerten. Die jüdischen Frauen und Kinder wurden auf Anordnung der NSDAP-Gauleitung noch am 10. November aus der Pfalz ausgewiesen.

 

Rede des Oberbürgermeistes Theo Wieder bei der

Gedenkveranstaltung 2015 zur "Reichskristallnacht"

Oberbürgermeister Theo Wieder

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

wie jedes Jahr haben wir uns heute hier zusammen gefunden, um an den 9. November 1938 zu erinnern. Wie in vielen anderen Städten wurde in dieser Nacht auch in Frankenthal als Ausdruck nationalsozialistischen Rassenwahns die Synagoge niedergebrannt. Auch hier in unserer Stadt zogen Menschen vor die jüdischen Geschäfte und Wohnungen und zerstörten Einrichtungsgegenstände und Mobiliar.

 

Wie in jedem Jahr haben wir uns hier getroffen, um an Menschen zu erinnern, die als geachtete jüdische Mitbürger innerhalb kurzer Zeit rechtlos gestellt und später aus unserer Stadt vertrieben wurden, nur weil sie einer anderen Weltanschauung und Religion angehörten. Die sog. Reichspogromnacht war das Fanal, was mannigfaltige Unterdrückungen zuvor quasi zusammengefasst sichtbar machte und die eigentliche Vertreibung und Ermordung vieler Menschen einleitete.

 

Dem gedanklichen Entzug der Menschenwürde folgten die Ausgrenzung aus gemeinschaftlichen Konventionen, der Ausschluss aus der für alle gleich geltenden Rechtsordnung, die öffentliche Ausgrenzung aus der Gemeinschaft und schließlich der Entzug des Existenz- und Lebensrechts als Teile der gleichen Grundeinstellung.  

 

Über die Bedeutung des Erinnern auch heute, fast acht Jahrzehnte nach diesen Ereignissen für uns und unsere Zukunft habe ich oft an dieser Stelle gesprochen. Heute will ich vor dem Hintergrund meiner Lebensbiographie einmal auf ein Detail hinweisen, dass jeder kennt und das in seiner Bedeutung doch den meisten eher fremd sein dürfte. Angeregt dazu wurde ich durch die Lektüre eines Kapitels in dem lesenswerten Buch "Deutschland – Erinnerungen einer Nation" von Neil McGregor, dem Direktor der British Library in London. 

 

Das Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar.

 

Wir alle kennen die Inschriften über den Eingangstoren der Konzentrationslager. "Arbeit macht frei" in Auschwitz oder "Jedem das Seine" in Buchenwald.

 

Von 1993 bis 1995 lebte und arbeitete ich knapp zwei Jahre in der Gerichtsverwaltung des Landes Thüringen in Weimar.

 

Weimar ist heute eine wunderschöne Stadt und bei Touristen sehr beliebt. Sorgfältig wurden die Kriegsschäden an den Gebäuden behoben. Die Besucher kommen in großen Zahlen, um Goethe und Schiller in ihren jeweiligen Wohnhäusern die Ehre zu erweisen, hier zu tagen oder sich in der wunderschönen Natur außerhalb der Stadt zu erholen.

 

Rund 10 Kilometer von Weimar entfernt liegt die freundliche Landschaft des Ettersbergs mit seinen weit ausgreifenden Buchenwäldern.  Dort, in den ruhigen Wäldern und sanften Hügeln, ist schon Goethe gerne spazieren gegangen.

 

Wer heute dorthin kommt, sucht zumeist nicht nach literarischen Orten und Erinnerungen, sondern hat ein anderes Ziel. Auf einer Seite der Straße sieht man zwischen den Buchen die Reste eines Zauns, und was wie der Torbau eines großen Landguts wirkt, ist der Eingang zu dem Ort, den die Welt als Buchenwald kennt.

Es ist, geradezu idyllisch in den Wäldern gelegen, ein Ort nationaler Scham und internationaler Betrachtung. Denn dort wurden die edelsten humanistischen Traditionen der deutschen Kultur – der Literatur und des Rechts, der Ethik und der Musik – zunichte gemacht. Die Grausamkeit und das Unrecht, die hier verübt wurden, gehörten zu einem Geschehen, das vom Atlantik bis zum Ural in der Zerstörung ganzer Städte und Gesellschaften endete, in Vernichtungslagern wie Auschwitz, in der systematischen Ermordung der europäischen Juden, im gewaltsamen Tod von Millionen Menschen. Buchenwald war kein Vernichtungslager, dennoch starben hier 56.000 Gefangene, und es war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Hitlers „Endlösung“ und den Vernichtungslagern.

Das Eingangstor zu Buchenwald, das wir hier sehen, verdient nähere Betrachtung: Es erzählt von einer besonderen Art der Perversion und Brutalität und von geistigem Sadismus.

 

Es reicht nicht aus, nur in das Lager hinein zu schauen. Man muss eintreten, durch dieses Tor hindurch, dann stehen bleiben, zurückblicken und das in schweren Eisenbuchstaben geschriebene Motto lesen, das alle Gefangenen, die in Buchenwald ankamen, nicht übersehen konnten, wenn sie zurückblickten in die Welt, aus der sie nun zwangsweise für lange Zeit weggeschafft worden waren:

 

Jedem das Seine.

 

Unter denen, die zurückblickten und diese Worte lasen, waren die Schriftsteller und späteren Nobelpreisträger Elie Wiesel und Imre Kertész; Ernst Thälmann, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Jorge Semprún, der spanische kommunistische Widerstandskämpfer und Schriftsteller, zwei Premierminister Frankreichs, Léon Blum und Paul Reynaud; Bruno Bettelheim, der Kinderpsychologe; und Dietrich Bonhoeffer, ein führender protestantischer Theologe und ein wichtiges Mitglied des Widerstands gegen Hitler. Sie alle lasen die Worte im eisernen Tor: Jedem das Seine.

 

Die Worte verkünden ein Ideal der Gerechtigkeit, die ihre Wurzeln im römischen Recht hat. Sie sind die deutsche Übersetzung der römischen Rechtsmaxime Suum Cuique, die nicht nur Eingang fand  in das deutsche Recht, sondern in Rechtssysteme in ganz Europa.

 

Die Worte fanden Nachhall auch anderswo. 1701, am Tag vor seiner Krönung, hat sie der erste König in Preußen als Motto des Schwarzen Adlerordens übernommen, den er noch als Kurfürst von Preußen als Ritterorden seiner neuen Monarchie gestiftet hatte. Er ließ Suum Cuique als Motto auf seine Münzen setzen, um die Norm eines ehrenhaften aristokratischen Verhaltens festzuhalten, dem der preußische Staat nachstrebte. Johann Sebastian Bach vertonte diese Worte, in ihrer deutschen Form, in seiner Kantate für den 23. Sonntag nach Trinitatis (BWV 163): Jedem das Seine wurde  zum ersten Mal aufgeführt im November 1715, wenige Kilometer von Buchenwald entfernt, in der Schlosskirche zu Weimar.

Denkmal für Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in Weimar.

Jedem das Seine – drei deutsche Worte mit ehrenwerter Abkunft. Worte, die ein höheres künstlerisches, politisches und geistiges Streben und Vollbringen ausdrücken, an einem Ort der wie kein anderer für Hochkultur, Humanismus, Toleranz und Gedankenfreiheit steht ?

 

Doch stehen eben diese Worte an einem solchen Ort. Am Tor von Buchenwald, nur wenige Kilometer von Weimar, stellt sich in besonderes bedrängender Weise die zentrale Frage der deutschen Zeitgeschichte: Wie lassen sich diese unterschiedlichen Komponenten der deutschen Geschichte zusammenbringen? Wie konnten alle humanen Traditionen derart zusammenbrechen?

 

"Jedem das Seine" ist ein Satz, der viele Interpretationen ermöglicht. Klassischerweise war es eine Bejahung des Prinzips der Gerechtigkeit. Für die Lagerinsassen kann es nur Hohn gewesen sein, ein böser Scherz, der demütigen sollte. Jeden Tag, an dem sie das Lager auf dem Weg zu den Rüstungsfabriken verließen, bewacht von SS-Leuten, lasen sie auf diesem Tor Jedem das Seine, denn diese Worte waren nur von Innen aus lesbar. Nicht derjenige, der das Lager betrat, wurde damit empfangen sondern diejenigen, die hinter dem Stacheldrahtzaun eingesperrt oder es auf dem Weg zur sog. Vernichtung durch Arbeit verlassen mussten, wurden damit konfrontiert.

 

Die den Insassen zugewandte Seite, die man tatsächlich lesen konnte, wurde alljährlich neu gestrichen – acht Mal in den acht Jahren, die das Lager bestand, jedes Mal wieder rot gestrichen, um sicherzugehen, dass es auch von allen Gefangenen gesehen wurde; die Außenseite dagegen, die Seite, die man sieht, wenn man das Lager betritt, wurde nur einmal gestrichen.

Den Schriftzug Arbeit macht frei in Auschwitz, Dachau oder Sachsenhausen bekommt man hingegen nur zu sehen, wenn man ins Lager kommt. Er galt den Ankommenden. Hier aber waren die Gefangenen gemeint, jeden Tag sollten sie das lesen.

 

Opfer aller Kategorien, die im Laufe der Zeit inhaftiert und im Lagersystem umgebracht wurden: deutsche Dissidenten aus dem Reich (in seinen Grenzen von 1939), Deutsche von außerhalb des Reichs, Sinti und Roma, Slawen, Homosexuelle, Obdachlose, psychisch Kranke, Zeugen Jehovas und Juden, die nach Zahlen weitaus größte Gruppe. Jedem das Seine hieß hier  Sklavenarbeit, Folter, Mord, unsägliche medizinische Experimente und Judenvernichtung.

 

Die Typographie des Mottos Jedem das Seine hat etwas Verwirrendes. Der Schriftzug steht auf Augenhöhe und ist ein ohne Zweifel ästhetischer Entwurf, jeder Buchstabe sorgfältig ausgearbeitet und im richtigen Abstand gesetzt – ein gutes Beispiel für die Bauhaus-Typographie, die im nahen Weimar entwickelt und von dort in die Welt getragen wurde. Das Motto behauptet bewusst das Recht der SS, jeden nach eigenem Gutdünken zu quälen und zu ermorden. Doch die Verwendung dieser Typographie, vom Bauhaus inspiriert, das die Nationalsozialisten als links und kosmopolitisch verfolgten, war ein subtiler, kodierter Protest gegen diese monströse Anmaßung.

 

Entworfen hat den Schriftzug der überzeugte Kommunist Franz Ehrlich, der am Bauhaus bei Klee, Kandinsky und Gropius studiert hatte. Er wurde schon 1934 wegen Verschwörung zum Hochverrat verhaftet und nach Buchenwald geschickt, kurz nachdem das Lager eröffnet worden war. Ein Jahr später gab ihm die SS, der das Lager unterstand, den Befehl, die Inschrift zu entwerfen. Er liebte sein Handwerk. Vielleicht wollte er deshalb selbst unter diesen schrecklichen Umständen etwas schaffen, auf das er stolz sein konnte; vielleicht war es auch ein Akt subtilen Widerstands, wenn er sich entschloss, seine Buchstaben in charakteristischer Bauhausschrift zu gestalten. Der SS fiel das offensichtlich weder auf, noch begriff sie diese Implikationen, mit denen ein Unterdrückter mit seinen ihm noch gegebenen Möglichkeiten aufstand und seinen Unterdrückern im Stillen entgegen schrie: Mein Humanismus, meine Kunst, meine Lebensideale werdet ihr nicht vernichten, was immer ihr auch mit mir machen werdet.

 

Franz Ehrlich kam vom Bauhaus, und er wählte für seinen Entwurf diese wirklich künstlerische, schöne, fast schwebende Schrift, mit deutlichem Bauhaus-Anklang. Aus der Sicht der Nationalsozialisten war das entartete Kunst, genau das Zeug, das sie gerade verboten hatten. In gewisser Weise brachte Ehrlich, indem er diese Type wählte, zum Ausdruck: Es gibt ein anderes Deutschland, eine andere Tradition. Wir werden durchhalten. Unser Geist lebt trotz alledem.

 

Franz Ehrlich überlebte Buchenwald. Nach dem Krieg lebte und arbeitete er als Künstler in der DDR und kultivierte den Bauhausstil weiter. Doch als nach 1990 die Stasi-Archive zugänglich gemacht wurden, stellte sich heraus, dass Franz Ehrlich viele Jahre lang aktiver Informant der Stasi gewesen ist und seine Mitbürger bespitzelt hat.

 

Tor zum Stammlager I in Auschwitz: Arbeit macht frei

Jedem das Seine:

 

Der Widerspruch am Eingangstor von Buchenwald wurde so auch zum widersprüchlichen Schicksal des Schöpfers der Inschrift.

 

Das Tor von Buchenwald und seine Inschrift, das praktisch in Sichtweite von Weimar und von allem, wofür diese Stadt steht, errichtet wurde, zwingt nunmehr uns, die wir dieses Tor als Objekt der Deutschen Geschichte besuchen, auf die unbeantwortete, vielleicht unbeantwortbare Frage zurück, wie das alles hat geschehen können. Wieso haben die großen, humanisierenden Traditionen der deutschen Geschichte – Dürer, Lutherbibel, Bach, die Aufklärung, Goethes Faust, das Bauhaus und sehr, sehr viele mehr – nicht diesen totalen moralischen Zusammenbruch verhindern können, der zu millionenfachem Morden führte und in eine nationale Katastrophe? Das sind die Fragen, mit denen sich heute jeder Deutsche auseinandersetzen muss. Das Tor und auch der Mann, der es entworfen hat, entlassen uns mit der Frage:

 

Was hätten wir getan, wenn wir damals hätten leben müssen?

 

Rede von Jeanne Petermann bei der

Gedenkveranstaltung 2015 zur "Reichskristallnacht"

Jeanne Petermann sprach bei der Gedenkveranstaltung in der Glockengasse.

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich empfinde es als eine große Ehre, heute an diesem Ort das Wort ergreifen zu dürfen. Bereits in jungen Jahren in Frankreich habe ich mich für die jüdische Geschichte interessiert. Ich kann nicht genau erklären warum. Mein Deutschland-Bild war damals - in den 60er und 70er Jahren - von den Nachkriegsfilmen geprägt, die im französischen Staatsfernsehen gezeigt wurden und in denen die Deutschen als befehlsbellende Nazis dargestellt wurden. Die ersten deutschen Wörter, die ich gelernt  habe, waren "schnell, schnell, alles raus hier"! Sie kamen oft in diesen Nachkriegsfilmen im Originalton vor. Als ich zum ersten Mal auf einem deutschen Bahngleis stand, war es mir irgendwie unwohl zumute. Der Anblick von Güterzügen beschwor düstere Bilder herauf.

 

Das Bild vom bösen Deutschen hat mich lange verfolgt und als ich Ende 1977 nach Deutschland kam, vermutete ich einen alten Nazi in jedem 60- oder 70-jährigen Deutschen. Vor allem als ich zum Beispiel einen dieser alten Herren traf, der zu mir sagte: "Ah, Paris, herrlich! Damals floss der Champagner!" (hab ich tatsächlich erlebt…) Gott sei dank, scheinen die alten Feindbilder ausgedient zu haben. Was den Judenmord betrifft, haben die Deutschen in den Nachkriegsgenerationen gute Gedenkarbeit geleistet. Wie ist es aber  in Frankreich um die Gedenkarbeit bestellt? Die Frage einer möglichen Mitschuld der Franzosen an der Judenverfolgung war sehr lange ein Tabuthema.

 

Das Vélodrome d'Hiver in Paris 1907

Welches Schicksal ereilte damals die Juden im von den Deutschen besetzten Frankreich (im Zeitraum 1940-1944)?

 

1940 wurde Nordfrankreich von der deutschen Wehrmacht besetzt. Frankreich wurde so zweigeteilt (bis November 1942). Im Süden herrschte die Vichy-Regierung unter Maréchal Pétain, dem Sieger von Verdun im Ersten Weltkrieg. Diese sogenannte Vichy-Regierung, der die Polizei von ganz Frankreich unterstand, kollaborierte mit den deutschen Besatzern. Im September 1940 wurde in Paris eine Volkszählung durchgeführt, um die Zahl der dort lebenden Juden festzustellen: Es ergab sich eine Gesamtzahl von ungefähr 150 000 Juden, darunter zirka  64 000 ausländische Juden.

 

1942 liefen die Vorbereitungen für eine von deutscher und französischer Seite geplante Massenfestnahme in Paris. Diese Massenfestnahme ging in die Geschichte ein als "Rafle du Vel D’Hiv" (Razzia des Wintervelodroms/Vélodrome d’Hiver). Das Wintervelodrom war  eine überdachte Bahn, die zum Laufen und Radfahren benutzt wurde.

 

Das Foto soll das Vélodrome im Juli 1942 zeigen. Es gibt allerdings im Internet ein ähnliches Foto, das die mit Nazi-Deutschland zusammenarbeitenden Franzosen zeigt, die nach der Befreiung von Paris dort eingesperrt wurden.

Am 16. und 17. Juli 1942 war es soweit: Ungefähr 13 000 Pariser Juden - unter ihnen über 4000 Kinder - wurden von der Pariser Polizei aus ihren Wohnungen geholt. Kein Deutscher hat an der Aktion teilgenommen. Die Befehle wurden in französischer Sprache gegeben. Es sollten staatenlose und ausländische Juden zwischen 16 und 60 Jahren verhaftet werden. Es handelte sich vornehmlich um Juden aus Osteuropa, Deutschland, Österreich und aus der Tschechoslowakei. Nur ein Viertel der Juden, die vor Ausbruch des Krieges in Paris lebten, waren in Frankreich geboren. Es muss hinzugefügt werden, dass mehr als 10 000 Juden sich retten konnte. Sie waren von französischen Polizeibeamten gewarnt worden.

 

Die Alleinstehenden und die kinderlosen Ehepaare wurden per Bus ins Lager von Drancy, im Norden von Paris, transportiert

 

Die Familien mit Kindern wurden im Vélodrome d’Hiver untergebracht. Die Kinder waren in der Überzahl. Es herrschten katastrophale Verhältnisse: Keine Toiletten, unerträgliche Hitze, kaum etwas zu essen und zu trinken. Nach fünf Tagen wurden die Familien in das Lager Beaune-La-Rolande et Pithiviers (zirka 50 km südlich von Paris) transportiert. Im August wurden die Mütter von den Kindern getrennt und in die Vernichtungslager in Polen transportiert. Herzzerreißende  Szenen haben sich abgespielt. 3000 Kleinkinder wurden so zurückgelassen, bevor sie über das Lager Drancy deportiert wurden. Keines dieser Kinder überlebte.

 

Das Velodrom wurde 1959 abgerissen. Heute stehen dort Wohnblocks. Seit 1994 erinnert ein Gedenkstein an den Sommer 1942.

Die Gedenkarbeit hat in Frankreich vor relativ kurzer Zeit eingesetzt. Als erster Präsident von Frankreich sprach Jacques  Chirac am 16. Juli 1995 im Velodrom von der Verantwortung des Staates  für die Verfolgungen in den Jahren 1940 bis 1944.

 

Bis dahin herrschte die Meinung, dass die Vichy-Regierung keine Legitimität besaß, Frankreich zu repräsentieren und nicht mit Frankreich gleichzusetzen wäre. Und dies, obgleich Marechal Pétain - der Sieger von Verdun - von der Nationalversammlung bevollmächtigt wurde.

 

Aber erst am 70. Jahrestag der "Rafle du Val d’Hiv" bekennt sich Frankreich zu seiner Geschichte. Am 22. Juli 2012 hielt der jetzige französische Präsident François Hollande im Wintervelodrom eine Rede zum Gedenken an die Massenfestnahme von Juli 1942. Ich zitiere:  "Wir schulden den jüdischen Märtyrern des Wintervelodroms die Wahrheit über das, was vor 70 Jahren passiert ist. Die Wahrheit ist, dass dieses Verbrechen in Frankreich durch Frankreich begangen wurde."

Der franösische Staat errichte 1994 auf dem Gelände des früheren Deporationslagers Gurs eine Gedenkstätte. Die Betonfläche, der Stacheldrahtzaun und die Lampen symbolisieren ein deutsches Konzentrationslager.

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

erlauben Sie mir noch kurz auf  das Schicksal der Frankenthaler Juden zurückblicken: Die Festnahme und der Abtransport der letzten in Frankenthal lebenden Juden nach Gurs ereigneten sich 1940, also vor der Festnahme und dem Zusammenpferchen der Pariser Juden im Wintervelodrom im Jahre 1942. Frankreich soll mit der Deportation der deutschen Juden nach Gurs überrumpelt gewesen sein. Durch das Waffenstillstandsabkommen von 1940 wurde dem besetzten Frankreich auferlegt, jüdische Personen aus besetzten Departements ins Landesinnere zu "übernehmen". Die Aufnahme deutscher Juden aus Baden und Saarpfalz war nicht vorgesehen. Die Franzosen wurden vor vollendeter Tatsache gestellt, wehrten sich aber später gegen die von den Deutschen geplante Deportation nach Frankreich von Juden aus dem deutschen Protektorat Böhmen/Moravien.

 

Jüdische Kinder mit dem "Judenstern"

Diese tragischen Ereignisse liegen jetzt relativ weit zurück. Rassismus weilt jedoch weiterhin unter uns. In Europa ist kein Land davor gefeit. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe dafür zu sorgen, dass auch in sehr schwierigen Zeiten die Menschlichkeit siegt. Zivilcourage ist heute mehr denn je angesagt. Zum Abschluss möchte ich Ihnen ein Gedicht vorlesen. Geschrieben von einer 17-jährigen Jüdin, Trudy Rothschild, die nach Gurs deportiert wurde.

 

"In einer Stunde mussten wir Haus und Hof verlassen

Da alle die Juden so sehr hassen.

Weit fort ging es mit dem Zug.

Wohin schlägt uns das Schicksal, ein mancher frug.

Doch nur eine kurze Antwort konnte man uns geben

Ihr Juden werdet nun nicht mehr in Deutschland leben.

Auswandern dürft Ihr ohne Visen

Gott, sagten alle, wenn sie uns nur nach Amerika ließen.

 

Doch bald erfuhren wir, wohin es ging

Ein jeder dann zu jammern anfing.

Im Camp de Gurs sollen wir unsere Zukunft verbringen

Doch gegen Gottes Gesetz kann leider niemand ringen.

3 Tage ging es durch Frankreich mit der Bahn

Dann an einem Freitag kamen wir hier im Camp an.

Mit wehmütigem Herzen sahen wir uns um

Niemand konnte etwas reden, alle waren stumm.

 

Durch viele Baracken wurden wir geführt

Ein jeder war von diesem Elend gerührt.

Im Camp hausen, soweit haben wir es gebracht

Den ganzen Tag Finsternis, da glaube ich, dass kein Herz mehr lacht.

Alle 10 Plagen kommen hier zu Stande

In diesem schönen französischen Lande.

 

Dennoch dürfen wir nicht verzagen

Auch nicht in diesen schweren Tagen.

Bald schickt Gott eine schönere Zeit

Nach all diesem großen Leid.

Doch heute ist Chanukka, da wollen wir fröhlich sein

Essen und trinken ein gutes Glas Wein.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit 

 

(Jeanne Petermann ist im Beirat des Fördervereins)

 

Hier finden Sie in französischer Sprache einen Bericht mit zahlreichen Fotos über den Sommer 1942:

 

www.histoire-en-questions.fr/oppression-pendant-occupation.html

 

Gedenkveranstaltung zur "Reichskristallnacht"

Die Frankenthaler Synagoge wurde in der "Reichskristallnacht" nicht zerstört. Die Feuewehr löschte den Brand im Innenraum.

Der Förderverein erinnert am 9. November jedes Jahr an die "Reichskristallnacht" in Frankenthal. Die Gedenkveran- staltung beginnt um 18 Uhr im Rathaus und endet am Gedenkstein für die Synagoge in der Glockengasse. Nach der Begrüßung durch Herbert Baum erinnert Oberbürgermeister Theo Wieder an die Gräueltaten der NS-Diktatur. Werner Schäfer stellt das neue Buch des Fördervereins über jüdische Familien vor, für die Stolpersteine verlegt wurden. Die Städtische Musikschule gestaltet das Rahmenprogramm. Am Gedenkstein in der Glockengasse spricht Jeanne Petermann über Gedenkarbeit in Deutschland und Frankreich.

 

Die Nacht vom 9. auf 10. November 1938 bleibt den Juden weltweit als "Reichskristallnacht" bis heute in Erinnerung. In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet und etwa 7500 Geschäfte geplündert.

 

Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November die   Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Der Brand der Synagoge war allerdings nur der erste Teil der schrecklichen Tragödie. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Ihnen folgte wenig später die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die 23 Frankenthaler Juden in "Schutzhaft" nahm, unter anderem Julius Abraham und Carl Schweitzer. Sie wurden am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München überführt.

 

Zahlreiche Frankenthaler wurden Zeugen der Zerstörungen und Plünderungen, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerten. Die jüdischen Frauen und Kinder wurden auf Anordnung der NSDAP-Gauleitung noch am 10. November aus der Pfalz ausgewiesen.

 

Ausstellung "Juden in Frankenthal" wird bis

13. November 2015 verlängert

 

Die Ausstellung "Juden in Frankenthal" im Rathaus Frankenthal wird bis zum Freitag, 13. November 2015, verlängert.

 

 

"Es begann mitten in unseren Städten"

Montag  9. November 2015   18 Uhr   Rathaus

Ausstellung, Vortrag und Theater

zum 75. Jahrestag der Deportation der pfälzischen Juden

 nach Gurs in Südwest-Frankreich

Paula Pfeifer (2.v.r.) arbeitete im Lager Gurs als Krankenschwester. Sie konnte in die USA ausreisen.

 

"Es begann mitten in unseren Städten und endete in den Vernichtungslagern". Bei einer Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs in Südwest-Frankreich wies der Frankenthaler Oberbürgermeister Theo Wieder in seiner Funktion als Vorsitzender des Bezirkstages der Pfalz auf die Tatsache hin, dass jeder vor Ort wissen konnte, dass alle jüdische Frauen, Männer und Kinder am 22. Oktober 1940 innerhalb von wenigen Stunden aus dem Alltag verschwanden. Über 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland - vom Säugling bis zum 98-jährigen Greis - wurden auf Betreiben der Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel in das im unbesetzten Frankreich gelegene Internierungslager Gurs am Rande der Pyrenäen deportiert.

 

Mit seiner Ausstellung "Juden in Frankenthal", die am Donnerstag, 22. Oktober, 18.30 Uhr, im 2. Obergeschoss des Rathaus von OB Wieder eröffnet wird, erinnert der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal an die Deportation der 39 Menschen jüdischen Glaubens, die im Herbst 1940 noch in Frankenthal lebten.

 

Ausstellung vom 23.10. – 6.11.2015

 

Öffnungszeiten:

 

Montag - Mittwoch: 8.00 - 16.00 Uhr

Donnerstag: 8.00 - 18.00 Uhr

Freitag: 8.00 - 12.30 Uhr

 

"Für die Ausstellung haben wir zwei zusätzliche Banner gestaltet, mit denen das Lager Gurs und das Schicksal Frankenthaler Juden ausführlicher vorgestellt wird", informiert Herbert Baum vom Förderverein. Julius und Elsa Abraham wurden zum Beispiel aus Mannheim deportiert. Ludwig Adler und seine Tochter Lotte Eva waren bereits vorher nach Frankreich geflüchtet. Das Schicksal der drei Familien Abraham, Adler und Pfeifer zeigt außerdem, wie unterschiedlich deren Leben ab Oktober 1940 verlaufen ist. Elsa Abraham und andere Juden überlebten, Julius Abraham wurde im März 1943 Konzentrationslager Maidanek ermordet. Ein weiterer Banner informiert unter anderem  über die Organisation des Lagers, das man nicht als Konzentrationslager bezeichnen kann. "Auf unseren Internetseiten www.juden-in-frankenthal.de kann sich jeder ausführlich über die Deportation und deren Folgen informieren", betont Herbert Baum: "Wir haben viele Informationen über Einzelschicksale der Frankenthaler Juden veröffentlicht."

 

Hinweisschild auf das frühere Lager Gurs. in der Zeile "6500 Juifs Allemands fehlt der Hinweis auf die aus der Pfalz und dem Saarland deportierten Juden.

In einem Bild-Vortrag wird Herbert Baum am Donnerstag 5. November, 19 Uhr, im 2. Obergeschoss des Rathauses, über die Deportation ausführlich berichten. Der Eintritt ist frei.

 

Der Referent, der bereits zweimal die heutige Gedenkstätte in Gurs besucht hat, beschreibt vor allem auch die zum Teil schleppende Aufarbeitung der Deportation in der Pfalz. Während die badischen Städte bereits ab 1957 sich um die Erhaltung des Friedhofs mit über 1000 Gräbern gekümmert haben, hat sich der Bezirkstag der Pfalz erst nach 2000 mit einer angemessenen finanziellen Unterstützung an der Gedenk- und Erinnerungsarbeit in Gurs beteiligt. Seit 2007 wurde die Gedenkstätte Gurs kontinuierlich erweitert. Ein Gebäude dient als Treff- und Versammlungspunkt für Besucher. Nach innen und nach außen informieren Vitrinen, Fotos, Kunstwerke, Video und Computer über das Lager Gurs. Ein "Pfad der Erinnerung" führt zum früheren Lager und auf dem ehemaligen Lagergelände wurde eine Baracke originalgetreu aufgebaut. So kann man die Enge für 60 Menschen, die hier vor allem im Herbst und Winter 1940 auf engstem Raum untergebracht waren, nachempfinden. "So mühsam die Zusammenarbeit mit den verschiedenen französischen Stellen lange Zeit war: Inzwischen gibt es immer mehr gemeinsame Aktionen, vor allem mit jungen Menschen", freut sich Herbert Baum.

 

Das Chawwerusch-Theater

Im Theater Alte Werkstatt bringt das Chawwerusch-Theater Szenen  zum Thema Gurs am 30. Oktober, 19 Uhr. Eintritt 10 Euro. Theaterkasse Telefon (06233) 354 826. Die Gruppe vermittelt einen lebendigen Eindruck von den damaligen Ereignissen vom Vorabend der "Reichkristallnacht" am 9. November 1938 über die Deportation am 22. Oktober 1940 bis zum schlimmen Lageralltag in Gurs.

 

 

Vortrag am 8. Oktober 2015:

Zwischen Holocaust und Nahostkonflikt

50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen

Deutschland und Israel

Hannes Greiling

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal lädt ein zu einem Vortrag mit Diskussion zum Thema "Zwischen Holocaust und Nahostkonflikt - 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel" am Donnerstag, 8. Oktober 2015, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Schlossergasse 8-10. Der Eintritt ist frei. Referent ist Hannes Greiling, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, AG Rhein-Neckar.

 

Im Jahr 1965, 20 Jahre nach dem Holocaust, nahmen (West-) Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf. 2015, im 50. Jahr ihres Bestehens, pflegen beide Nationen enge Beziehungen auf politischer, wirtschaftlicher, zivilgesellschaftlicher und kulturelle Ebene. Während jedoch Deutschland in Israel höchstes Ansehen genießt und nach den USA als bester Freund in der Welt gilt, ist das Ansehen Israels in Deutschland seit einigen Jahren stark gesunken. Was sind die Gründe für diese Kluft? Welche Rolle spielt dabei die Politik der israelischen Regierung? Und wie werden sich die Beziehungen weiterentwickeln?

 

 

An die jüdische Geschichte erinnern

Förderverein führt drei Führungen durch

Der alte jüdische Friedhof. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1826 für Sarah Heymann.

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal erinnert im Rahmen des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur 2015 mit drei Führungen an die Geschichte der Juden in Frankenthal.

 

Eine Führung zum Thema Stolpersteine in Frankenthal bietet Rüdiger Stein am Sonntag, 6. September, 11 Uhr, an. Treffpunkt ist vor der Zwölf-Apostel-Kirche, Carl-Theodor-Straße.

 

In Frankenthal erinnern 61 Stolpersteine vor deren ehemaligen Häusern und Wohnungen an das Schicksal jüdischer Menschen. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, Initiator der erfolgreichen Aktion, hat bei fünf Terminen (April 2005, April 2006, November 2006 und November 2013) hier bisher 61 Steine verlegt. Alle Steine wurden von Bürgerinnen und Bürgern gespendet. Ein Stolperstein kostet zurzeit 120 Euro. Für das Jahr 2016 ist eine weitere Verlegung geplant.

 

Über die beiden Jüdischen Friedhöfe in Frankenthal informiert nachmittags Werner Schäfer ab 15 Uhr. Treffpunkt ist vor der Trauerhalle des Städtischen Friedhofs, Eingang Wormser Straße. Bei Dauerregen gibt es einen Bild-Vortrag in der Trauerhalle. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1826.

 

Bei einer Führung durch die Innenstadt informiert Herbert Baum um 17 Uhr vor den wichtigsten Stationen mit Fotos über die Geschichte der Juden in Frankenthal. Treffpunkt Gedenkplatz (Spielplatz) Glockengasse.

 

Die Führungen sind kostenlos. Bei Dauerregen fallen sie aus.

 

In Frankenthal erinnern 61 Stolpersteine an jüdische Bürgerinnen und Bürger. In der Gartenstraße 11 lebte der Kantor Heinrich Schottland mit seiner Familie.

Die Jüdische Gemeinde Frankenthal wurde um 1785 gegründet. Am 28. August 1885 fand die Einweihung einer zweiten, neuen Synagoge in der Glockengasse 12 unter „reger Anteilnahme der Frankenthaler Bevölkerung“ statt, wie die damalige Frankenthaler Zeitungen schrieb. Im Jahr 1900, als die aufstrebende Industriestadt 16.899 Einwohner hatte, lebten hier 371 Juden, das waren rund zwei Prozent.

 

1933 begann die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung auch in Frankenthal. Viele konnten rechtzeitig flüchten. Die meisten, die in Deutschland blieben, wurden später in den Vernichtungslagern ermordet. Mit der Deportation der 39 noch in Frankenthal lebenden Kinder, Frauen und Männer am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südwestfrankreich endete die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthals.

 

Heute leben wieder Menschen jüdischen Glaubens aus der ehemaligen Sowjetunion in Frankenthal. Sie beteiligen sich am Leben der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz und besuchen die Synagoge in Ludwigshafen.

 

Der Tag der jüdischen Kultur besteht seit 1999. Jüdische und nicht-jüdische Organisationen in fast 30 europäischen Ländern erinnern an das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche. Auf lokaler und regionaler Ebene finden Führungen zu Stätten jüdischer Kultur, Konzerte, Ausstellungen und Vorträge statt.

 

 

Mitgliederversammlung bestätigt Vorstand

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal bestätigte bei seiner Mitgliederver- sammlung am 21. Mai 2015 im Dathenushaus den bisherigen Vorstand. 1. Vorsitzender wurde Herbert Baum, 2. Vorsitzender Rüdiger Stein und Kassierer Werner Schäfer.

 

Für den Beirat wurden gewählt: Lothar Limburg, Sieglinde Ganz-Walther und Jeanne Petermann. Revisor/in sind Jutta Popitz und Rudolf Walter.

 

Bernd Leidig, 1. Vorsitzender des Altertumsvereins Frankenthal, stellte dessen Geschichte und seine derzeitigen Aktivitäten vor. Der Förderverein wird Mitglied im Altertumsverein.

 

Im zweiten Halbjahr finden folgende Veranstaltungen statt:

 

Europäischer Tag der jüdischen Kultur am 6. September 2015

 

5. Stolpersteinverlegung im Oktober 2015

 

50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen - Vortrag am 8. Oktober 2015

 

75. Jahrestag der Deportation nach Gurs am 22. Oktober 2015

 

- Ausstellung ab 22. Oktober 2015 im Rathaus Frankenthal.

- Das Chawwerusch-Theater aus Herxheim am Sand spielt Szenen zum Thema

   Nationalsozialismus am 30. Oktober 2015 im Theater Alte Werkstatt (TAW).

- Vortrag zum Thema "Die Deportation nach Gurs und die Gedenkarbeit nach 1945" am

   5. November 2015 im Rathaus.                                      

 

Gedenkveranstaltung "Reichskristallnacht" am 9. November 2015 im Rathaus und auf dem Gedenkplatz in der Glockengasse.

 

 

Ehrenamtspreis der Stadt Frankenthal erhält den Namen

des jüdischen Lehrers Nathan Nathan

Seit 1892 war Nathan Nathan (vorn, 2.v.l.) Lehrer am Privaten Reallehrinstitut Trautmann & Wehrle, dem Vorläufer der Realschule, aus der heraus sich das heutige Albert-Einstein-Gymnasium entwickelte hat.

 

Der Ehrenamtspreis der Stadt Frankenthal, der bis zu seiner Umwandlung im Dezember vergangenen Jahres als Vereinsförderpreis existiert hatte, wird nach dem jüdischen Lehrer Dr. Nathan Nathan benannt werden. Über diesen Vorschlag der Verwaltung hat der Stadtrat bei seiner Sitzung am Mittwoch, 13. Mai, im kleinen Saal des Congress-Forums abgestimmt.

 

Irritierend waren die Beiträge zweier Stadträte der FWG. Gerhard Meissel bezweifelte, ob es sinnvoll sei, den Preis nach einer Person zu benennen, mit der kein Bezug zum Ehrenamt hergestellt werde. Carl Hezel kritisierte den Namen für den Preis als "nicht griffig". Der Förderverein für jüdisches Gedenken bezweifelt, dass die beiden Stadträte in den vergangenen 25 Jahren etwas von der jüdischen Geschichte Frankenthals begriffen haben.

 

Nathan Nathan, geboren am 18. April 1863 in Altenstadt in Hessen studierte in Straßburg Neuere Sprachen und Germanistik, wo er 1886 promovierte. 1887 erwarb er das Lehramtsexamen für Englisch, Französisch und Deutsch. Direkt an das Studium schloss sich für ihn - als "ordentlichen Staatsbürger" - 1887/88 der Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Darmstadt an. 1888 wurde er Lehrer an der Gewerbe- und Handelschule in Bad Dürkheim. 1892 kam er an den Vorläufer der Realschule Frankenthal (damals Privates Reallehrinstitut Trautmann & Wehrle), aus dem heraus sich das heutige Albert-Einstein-Gymnasium entwickelte.

 

1904 zählte er mit zu den Gründern der Frankenthaler Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins. Er hielt die Rede bei der Einweihung der Pfälzerwaldhütte auf dem Rahnenfels. Im Altertumsverein war er ebenfalls aktives Mitglied.

 

1923 wurde er zum Studienprofessor ernannt, damals ein selten verliehener Titel. Er war bei seinen Schülern sehr beliebt und so hielt er, statt des Schulleiters, bei der 50-Jahr-Feier der Realschule 1928 in der Jahnturnhalle die Festrede. Aus Anlass dieses Jubiläums übergab er als Geschenk einen Pfandbrief über 1000 Goldmark. Die Zinsen sollten zum Ende jedes Schuljahres an besonders würdige und bedürftige Schüler überreicht werden.

 

1939 löschte die nationalsozialistische Schulbehörde seinen Namen aus dem Stiftungsnamen.

 

Er war "ausgestattet mit äußerst reichem Wissen und gutem pädagogischem Geschick und selten ausgeprägtem Pflichtgefühl", schrieb die Frankenthaler Zeitung 1928 zu seiner Pensionierung.

 

Die letzten Lebensjahre verbrachte Nathan Nathan in großer Zurückgezogenheit in seiner Wohnung in der Gabelsbergerstraße 5. Am 22. Oktober 1940 wurde er mit den anderen noch in Frankenthal lebenden Juden nach Gurs deportiert. Aufgrund der Strapazen starb der 77-Jährige dort bereits am 4. November. Sein Grab befindet sich auf dem Lagerfriedhof.

 

 

Mitgliederversammlung mit Wahlen

Am 21. Mai 2015 im Dathenushaus

 

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal findet am Donnerstag, 21. Mai 2015, ab 19 Uhr, im Dathenushaus, Kanalstraße 6, statt.

 

Wichtige Punkte sind der Rechenschaftsbericht für die vergangenen zwei Jahre, Neuwahlen und die Planung der Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2015.

 

Bernd Leidig, 1. Vorsitzender des Altertumsvereins, stellt den Verein und seine Aktivitäten vor.

 

 

Im Labyrinth des Schweigens

Film im LUX-Kino über die Auschwitz-Prozesse ab 1959

Alexander Fehling spielt den jungen Staatsanwalt Johann Radmann.

Am Montag, 23. März 2015, um 17.30 Uhr und um 20 Uhr, zeigen die LUX-Kinos in Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Schulklassen den Film "Im Labyrinth des Schweigens".

 

Für eine Vorführung für Frankenthaler Schulen morgens um 10 Uhr wurden rund 200 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

 

Der Film setzt denjenigen ein Denkmal, die die Auschwitz-Prozesse ins Rollen gebracht haben. Ab 1959 wurde gegen Mitglieder der Lagermannschaft des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz ermittelt.

 

DER SPIEGEL schreibt:

 

Die historische Stunde schlägt spät, sehr spät. Im Frankfurter Römer beginnen im Dezember 1963 die Auschwitzprozesse. Fast 19 Jahre nach der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee. 22 Aufseher, Blockführer, Ärzte werden angeklagt, 360 Zeugen vernommen, im bis heute größten Strafprozess der deutschen Nachkriegszeit.

 

Die Verhandlungen selbst spart der Regisseur und Autor Giulio Ricciarelli in seinem Spielfilmdebüt "Im Labyrinth des Schweigens" aus, ihn interessieren jene fünf Jahre, die dem Prozessauftakt vorangingen. Ricciarellis Film taucht ein in die patriarchale, vordergründig arglos fidele Zeit des Wirtschaftswunders. Vico Torriani flötet Schlager, Frauen tragen Dauerwelle und Petticoat zur Cateye-Brille und gehen nur arbeiten, wenn der Gatte es erlaubt.

 

In dieser Zeit, dem Jahr 1958, verhandelt der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) am Frankfurter Gericht Verkehrsdelikte. Die Chance auf Meriten bietet sich, als ein "Frankfurter Rundschau"-Journalist (André Szymanski) im Justizgebäude erscheint. Ein Gymnasiallehrer sei als KZ-Aufseher erkannt worden, schmettert er den versammelten Rechtsdienern entgegen. Ob das jemanden interessiere? Kopfschütteln.

 

Nichts will man wissen von den Schatten der Vergangenheit, von Schuld oder Sühne. "Dieses Land will Zuckerguss", stellt ein Überlebender resigniert fest. Kanzler Adenauer propagiert eine "Schlussstrich"-Mentalität. Die spontane Befragung des "FR"-Reporters im Gerichtsgebäude fördert für heutige Ohren Unfassbares zutage. Auschwitz? Nie gehört. Die Alten verdrängen, die Jungen fragen nicht nach. Ein amerikanischer Major rät zum Umdenken, die Sowjets seien der neue Feind. Überall Lügen, überall Schweigen.

 

Nur Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) unterstützt den jungen Kollegen, er beauftragt Radmann mit Ermittlungen. Das Ziel: ein Verfahren gegen die Täter aus der Mitte der Gesellschaft, als Pendant zu den Nürnberger Prozessen. Klar ist: Mörder werden gesucht, alle anderen Verbrechen sind verjährt.

 

Das Ausmaß seines Unterfangens begreift Radmann bald. 8000 SS-Männer in Auschwitz bedeuten 8000 potentielle Täter. Als er die ersten Zeugen vernimmt, Überlebende, offenbart seine Eingangsfrage die eigene, himmelschreiende Ahnungslosigkeit: "Haben Sie Straftaten beobachtet während Ihres Aufenthalts im Lager?"

 

Die Vernehmung der Opfer gehört zu den stärksten Momenten des Films, weil sie reduziert inszeniert ist. Die Aussagen bleiben vom Zuschauer ungehört, er blickt auf sich hastig bewegende Lippen, auf weit aufgerissene Augen, das eifrige Kritzeln der Protokollantin, ihre fassungslosen Blicke. Die Tonspur liefert sakralen Chorgesang. Das Grauen von Auschwitz vermittelt sich hier nur durch das Wissen des Publikums.

 

230 Jahre Jüdische Gemeinde in Frankenthal

Bild-Vortrag am 12. März 2015

Ein Brief der "Frankenthaler Judenschaft" vom 15. Februar 1785 an den Frankenthaler Stadtrat deutet auf die Gründung der Gemeinde zu diesem Zeitpunkt hin.

Am 8. März 2015, 11.30 Uhr, findet im Ludwigshafener Pfalzbau die bundesweite Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit statt. In der Metrolopolregion Rhein-Neckar organisieren die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und andere Organisationen zahlreiche Veranstaltungen.

 

Der Förderverein erinnert mit einem VHS-Vortrag am 12. März 2015, 19 Uhr, an die Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Frankenthal. Mit dem Satz "Herrlich ist es, wenn Menschen sich als Brüder erkennen und lieben", wurde 1885 die zweite Synagoge eingeweiht.

 

Die Jüdische Gemeinde Frankenthal wurde um 1785 gegründet. Sie könnte in diesem Jahr das 230-jährige Jubiläum feiern. Die Synagoge wurde am 28. August 1885 in der Glockengasse 12 eingeweiht, vor 130 Jahren. Beide Jubiläen unterstreichen die Bedeutung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Frankenthal.

 

1818 lebten in Frankenthal 136 Juden, 1858 waren es 229, 1880 etwas mehr als 300 und 1900 schließlich 372. Das waren zirka zwei Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt.

 

Die Einweihung der neuen Synagoge fand unter "reger Anteilnahme der Frankenthaler Bevölkerung" statt, schrieb die damalige Frankenthaler Zeitung am 29. August 1885. In seiner Festpredigt erinnerte der Bezirksrabbiner Dr. Jakob Salvendi aber auch daran, dass die Zeit leider nicht frei sei von betrübenden Merkmalen des Glaubens- und des Rassenhasses. Er beendete seine Rede mit den Worten: "Herrlich ist es, wenn Menschen sich als Brüder erkennen und lieben."

 

1933 begann die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung auch in Frankenthal. Viele konnten rechtzeitig flüchten. Die meisten, die in Deutschland blieben, wurden später in den Vernichtungslagern ermordet. Mit der Deportation der 39 noch in Frankenthal lebenden Kinder, Frauen und Männer am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südwestfrankreich endete die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthals. Heute leben wieder Menschen jüdischen Glaubens aus der ehemaligen Sowjetunion in Frankenthal. Sie beteiligen sich am Leben der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz und besuchen die Synagoge in Ludwigshafen.

 

Martin Luther und die Juden

Ein dunkles Kapitel der Reformation

Vortrag am Dienstag 10. März 2015  19 Uhr

Helmut Foth

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit referiert der Pfarrer im Ruhestand Helmut Foth am Dienstag, 10. März, 19 Uhr, im VHS-Bildungszentrum, Frankenthal, Schlossergasse 8 – 10, über das Thema „Martin Luther und die Juden. Ein dunkles Kapitel der Reformation“. Der Eintritt ist frei.

 

Luthers Schrift von 1523 „Dass Jesus Christus ein geborner Jude sei“ setzte sich in nie dagewesener Weise für eine Reform des Zusammenlebens von Juden und Christen ein. Kein anderer Autor des 16. Jahrhunderts ist wirkungsvoller für die Forderungen eingetreten, Juden als Mitmenschen zu dulden und ihnen Rechte einzuräumen.

 

Für Juden in ganz Europa war Luther ein großes Hoffnungszeichen. Doch nur wenige Jahre später wirft er den Juden „Verstocktheit“ und Feindschaft gegen die Christen vor und beschimpft sie, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. In seinen späten Judenschriften entlädt sich dann ein wütender Judenhass, der selbst ihm nahe stehende Freunde erschrickt. Luther fordert die evangelischen Landesherren auf, mit „scharfer Barmherzigkeit“ jüdisches Leben und jüdischen Geist aus ihren Territorien zu vertreiben. Für die Juden war die Reformation eine Katastrophe.

 

Luthers judenfeindliche Unheilsspuren werden für Jahrhunderte die protestantische Theologie und Mentalität prägen. Das Judentum galt bis in unsere Zeit als unterlegene Religion. Die großen Luthertage 1933 zu Luthers 450. Geburtstag wurden auch mit den Nationalsozialisten gefeiert und die lange in Vergessenheit geratenen lutherischen „Judenschriften“ wurden auflagenstark als Sonderausgaben gedruckt.

 

Die Deutschen Christen – und nicht nur sie – sahen in Hitler den Vollender der Reformation und priesen ihn als größten Antisemiten. Dies gehört zu dem schmerzhaften Erbe, dem sich die Evangelische Kirche in der Reformationsdekade stellen muss.

 

Die Woche der Brüderlichkeit wird seit 1952 vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert. Der Koordinierungsrat vertritt als Dachorganisation jene 83 Gesellschaften. Die Aktionswoche wird jährlich in einer anderen Stadt eröffnet, am 8. März 2015 im Pfalzbau in Ludwigshafen.

 

Preisgelder von einem früheren SS-Offizier

Adolf-Metzner-Stiftung unterstützt Musikschule

Die Statue im Metzner-Park erinnert an den erfolgreichen Leichathleten Adolf Metzner.

"Adolf Metzner: Arzt, Leichtathlet, Weltenbummler und Mäzen" war der Titel eines Artikels in einem Frankenthaler Stadtmagazin im Sommer 2009. Die Statue des Läufers mit Staffelholz im Adolf-Metzner-Park erinnere an den Sohn der Stadt, der dieser sein ganzes Leben lang verbunden geblieben sei.

 

Zufällig entdeckte der Förderverein für jüdisches Gedenken einige Wochen später bei der Durchsicht von Dokumenten den Hinweis, dass Adolf Metzner am 1. September 1933 in die Schutzstaffel (SS) der NSDAP eingetreten ist. Nachforschungen des Fördervereins brachten weitere Informationen.

 

Am 4. Juli 1937 beantragte er in Frankenthal die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Er erhielt die Mitgliedsnummer 4929068.

 

Am 7. Oktober 1939 wurde Metzner als SS-Untersturmführer in die Waffen-SS einberufen, am 1. August 1940 zum SS-Obersturmführer und am 9. November 1942 zum SS-Hauptsturmführer befördert.

 

(Siehe den Text "SS-Mann Adolf Metzner" im Kapitel "Frankenthal in der NS-Zeit)

 

Adolf Metzner

Der Name Adolf Metzner kommt jedes Jahr in die Öffentlichkeit, wenn die Städtische Musikschule Frankenthal ihren Wettbewerb durchführt. Die Gewinner erhalten Geld aus der Adolf-Metzner-Stiftung.

 

Nachdem der Förderverein ab 2010 die Verbindungen Adolf Metzners zum NS-Staat und dessen unrühmliches Verhalten nach 1945 dokumentiert hatte, gab es bei den Betroffenen der Adolf-Metzner-Stiftung kaum Reaktionen. Auf den Internetseiten www.frankenthal.de wurden die Eintragungen zu Adolf Metzner gelöscht, vermutlich auf Initiative von Oberbürgermeister Theo Wieder.

 

Für die Metzner-Stiftung sprach bei der Preisverleihung 2015 deren Vorsitzender Günter Lätsch. Man wolle mit dem Wettbewerb ein Podium für junge Künstler bieten, den Austausch mit den Partnerstädten fördern. Etwa 10.000 Euro habe man für diesen Wettbewerb zur Verfügung gestellt.

 

Zeitweise gab es dort Überlegungen, künftig von der Familie-Metzner-Stiftung zu sprechen. Ohnehin dürfte der größte Teil der Stiftungsgelder auf das Vermögen der Familie (Grundstücke, Gebäude) zurückzuführen sein, und weniger auf das Universitäts-Gehalt von Adolf Metzner. Auch in den vergangenen Tagen war in der Öffentlichkeit und in der Lokalzeitung wieder von der Adolf-Metzner-Stiftung die Rede. Warum kann man nicht einfach den Begriff Familie-Metzner-Stiftung verwenden. Das wäre eine politische Lösung.

 

Bei den Gebäuden am Metzner-Park (Tagesklinik, Betreutes Wohnen) sollte man vom Metzner-Park sprechen.

 

So könnte man über die Familie-Metzner-Stiftung diskutieren:

 

Namensdebatte: General Sponeck heute umstritten


Germersheim: Die Sponeck-Kaserne soll in Südpfalzkaserne umbenannt werden.

 

Namensgeber General Hans Graf von Sponeck ist mittlerweile umstritten. Deshalb überdenkt der Rat der Stadt jetzt auch dem Umgang mit weiteren nach ihm benannten Orten in der Stadt.

 

General von Sponeck wurde 1944 hingerichtet, weil er sich gegen Kriegsende in aussichtsloser Lage dem Durchhaltebefehl widersetzt hatte. Während des Russland-Feldzugs war er aber auch an der Ermordung von Juden beteiligt. Es zeichnet sich ab, dass die Hans-Graf-Sponeck-Straße in Germersheim, der Gedenkstein im Stadtpark Lamotte und die Vitrine im Stadt-und Festungsmuseum mit entsprechenden Hinweisen auf die zwei Seiten des Grafen und Wehrmachtgenerals versehen werden. Entscheiden will der Germersheimer Stadtrat im April oder Juni.

 

In einem öffentlichen Vortrag vor dem Gremium schrieb der Mannheimer Widerstandsforscher Peter Steinbach denen ins Stammbuch, die den Namen Sponeck aus Germersheim tilgen wollen, dass sie damit auch die Auseinandersetzung mit einem wichtigen Teil der Geschichte ihrer Stadt verhindern. Denen, die den Kriegshelden Sponeck verherrlichen, sagte er, dass dessen Verantwortung für Kriegsverbrechen nicht wegzureden sei. Es gebe nichts zu verherrlichen und nichts zu verdammen.

 

„Warum will sich diese Stadt nicht ethisch und moralisch mindestens einmal im Jahr in einer Veranstaltung mit dem Namen Sponeck und der dazugehörigen Zeitgeschichte auseinandersetzen?“, regte Steinbach an.

 

Der im Juli 1944 von den Nazis nach Festungshaft in der Festung Germersheim hingerichtete General Sponeck war als Namensgeber für die Kaserne in Germersheim wegen seines vorbildlichen Verhaltens ausgewählt worden. Der Rückzug der von ihm geleiteten Einheit rettete viele Leben. Dass Sponeck während des Russland-Feldzugs Juden töten ließ, wertet der Militärhistoriker Oberstleutnant Thomas Schmitz als unmilitärisch. Darum sei die Kaserne umzubenennen, urteilte Schmitz bereits im vergangenen April. (tom/gs)

 

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz - Mittelhaardter Rundschau - Nr. 45

Datum Montag, den 23. Februar 2015

Seite 27

 


Dem Ungeist die Stirn bieten

Leitartikel in: DIE RHEINPFALZ vom 23. Februar 2015

Die Synagoge in der Oranienburger Straße 28 in Berlin wurde am jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana im September 1866 geweiht. Sie wurde von dem Berliner Architekten Eduard Knobloch im maurischen Stil entworfen.

Dem Ungeist die Stirn bieten

 

Von Armin Käfer, Berlin

 

Wenn Juden vermehrt Europa verlassen, ist das nichts weniger als eine Kapitulation vor dem Antisemitismus. Unser Kontinent muss den Juden auch in Zukunft eine Heimat bieten. Sie sind Teil seiner Geschichte.

 

Ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt ist der Titel „jüdisches Berlin“ offenbar immer noch ein Reizwort. Deshalb verschickt die Jüdische Gemeinde ihr gleichnamiges Journal jetzt in einem Schutzumschlag. Sie wolle somit „die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen reduzieren“, heißt es. Der Alltag der Juden in Deutschland, so ein Mitglied des Gemeindeparlaments, sei „sehr von Ängsten geprägt“. Manche halten es für klüger, bei Spaziergängen in der Stadt auf die Kippa zu verzichten, um nicht auf offener Straße angepöbelt oder gar verprügelt zu werden. Solche Zustände zeugen von der Allgegenwart antisemitischer Reflexe – und diese von der Unausrottbarkeit historischer Dummheit.

 

Die Verhältnisse in Berlin fügen sich in ein hässliches Bild von Europa: Für Juden ist das Leben hier eine prekäre Normalität – ein Leben in Unsicherheit, das penetranten Anfeindungen ausgesetzt ist. Diese gipfelten jüngst in dem Mord an einem Wachmann vor der Synagoge von Kopenhagen, dem Anschlag auf einen koscheren Supermarkt in Paris und der Schändung eines jüdischen Friedhofs im Elsass. Neben spektakulären Terrorakten gibt es auch einen ganz gewöhnlichen Terror. Jeder vierte Jude in Deutschland wird mindestens einmal im Jahr wegen seiner Religionszugehörigkeit beleidigt. In Frankreich richten sich rassistische Übergriffe überwiegend gegen Juden – obwohl diese nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Mit 3.200 Sitzplätzen war sie die größte Synagoge Deutschlands. Die mehr als 50 Meter hohe vergoldete Kuppel stand für eine starke jüdische Präsenz in Berlin.

Die antijüdische Aggression wurzelt in alten Vorurteilen. Der Sumpf braunen Gedankenguts ist in Deutschland keineswegs ausgetrocknet. Auch andernorts sind viel zu viele anfällig für judenfeindliche Ressentiments. Der tradierte Antisemitismus wird inzwischen überlagert von einem importierten Judenhass. Ihn pflegen die Sprösslinge muslimischer Einwanderer, die ihr Bekenntnis zum Islam mit kriegerischem Fanatismus verwechseln. Zudem müssen die Juden in Europa immer wieder als Sündenböcke für Kritik an der Politik des Staates Israel herhalten. Dabei sind sie für die Engstirnigkeit eines Benjamin Netanyahu so wenig verantwortlich wie friedliebende Muslime für die Gewalt, die weltweit im Namen Allahs verübt wird.

 

Netanyahu hat seine Glaubensgenossen in Europa nun zum wiederholten Male aufgefordert, aus der feindlichen Diaspora nach Israel auszuwandern. Das sind fatale Lockrufe. Netanyahus Ratschlag ist ein Ausfluss zionistischen Denkens, das Israel als Zufluchtsort aller Juden propagiert.

 

Angesichts der leidvollen Geschichte ist das nicht zu kritisieren. Doch das Judentum ist seit mehr als 1500 Jahren auch ein Teil Europas. Juden haben die Historie, Kultur und Literatur des alten Kontinents entscheidend mitgeprägt. Ihr Exodus hat leider schon begonnen. Wenn Franzosen, Deutsche oder Dänen jüdischen Glaubens der Einladung Netanyahus in Scharen Folge leisten, wäre das jedoch nichts weniger als eine Kapitulation vor dem Ungeist der Antisemiten. Daran kann den Juden nicht gelegen sein – und Europa schon gar nicht.

 

Das Schicksal der Juden wird zur Nagelprobe für Toleranz und Liberalität in Europa. Juden waren an diesen zivilisatorischen Errungenschaften wesentlich beteiligt. Es ist schlimm genug, dass Synagogen heutzutage vor allem daran zu erkennen sind, dass sie von der Polizei bewacht werden. Wirklichen Schutz genießen sie nur dann, wenn der zivilisierte Teil der Bevölkerung dem Hass die Stirn bietet. Antisemitismus gedeiht ausschließlich dort, wo eine Mehrheit ihn stillschweigend duldet.

 

 

 

Frauen im Widerstand

Schülerinnen gestalten die Gedenkfeier

Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation

 

Auch in diesem Jahr wurde am Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation (PIH) am 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. An diesem Tag wird der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee gedacht, die sich in diesem Jahr zum 70. Mal jährt.

 

Neben Rüdiger Stein vom Bündnis gegen Rechts begrüßte die stellvertretende Schulleiterin Iris Klag auch Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal zu der Veranstaltung. In Ihrer Begrüßungsansprache machte Iris Klag nochmals deutlich, wie wichtig die Arbeit gegen das Vergessen ist. Gerade in den heutigen Tagen zeige es sich wieder, dass es nicht gut sei weg zu schauen oder zu schweigen.

 

Die von den beiden Religionslehrerinnen Monika Adam und Christiane Kämmerer-Maurus, sowie Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule gestaltete Gedenkfeier stand in diesem Jahr unter der Überschrift "Frauen im Widerstand". Anhand der Portraits von Sophie Scholl, Rosa Parks und Malala Yousafzi wurden drei Frauen vorgestellt, die sich in ihrer Zeit gegen Ungerechtigkeiten aufgelehnt und für eine gerechte Sache gekämpft haben. Sie mussten dafür viel Leid ertragen, Sophie Scholl zahlte sogar mit dem Leben dafür.

 

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung konnten die Schüler noch den Film „Und am Ende kamen Touristen" sehen, der vom Förderverein für jüdisches Gedenken zur Verfügung gestellt wurde und im Auschwitz der heutigen Zeit spielt. (ps)

 

Quelle
Ausgabe SÜWE - Wochenblatt Frankenthal - Nr. 15
Datum Mittwoch, den 4. Februar 2015
Seite 20

 

 

Filme und Diskussion über Auschwitz

Nationalen Gedenktag für die

Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2015

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2015 zeigt der Förderverein für jüdisches Gedenken Filme in Schulen und im Dathenushaus. Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit.

 

Im Film "Am Ende kommen Touristen", der bereits 2009 mit großem Erfolg bei einer Schulveranstaltung im LUX-Kino gezeigt wurde, absolviert ein junger Zivildienstleistender seinen Dienst in der heutigen Gedenkstätte KZ Auschwitz. Mit ihm kann sich die heutige Generation besser identifizieren als mit den historischen Dokumentationsfilmen. Der Film wird am 27. Januar 2015 morgens im Karolinen-Gymnasium und im Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation gezeigt. Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert eine Diskussions- veranstaltung über die heutige Situation in der Gedenkstätte: "Am Ende kommen Touristen" - Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau am 70. Jahrestag der Befreiung, Dienstag 27. Januar, 19 Uhr, im Dathenushaus, Kanalstraße 6. Eintritt frei.

 

Die polnische Stadt Oswiecim hat heute zirka 40.000 Einwohner. Von 1940 bis 1945 bekam sie einen deutschen Namen: Auschwitz. Rund 1,4 Millionen Menschen besuchen zurzeit pro Jahr das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Auch Mitglieder des Fördervereins waren in den vergangenen Jahren in Oswiecim und in der Gedenkstätte. Mit Fotos informieren sie über den Alltag in den beiden Gedenkorten Auschwitz und Birkenau. Außerdem zeigt der Förderverein einige Ausschnitte aus dem Film "Am Ende kommen Touristen".

 

 

Der Film "Im Himmel, unter der Erde" informiert über den jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Der 1880 angelegte Friedhof bietet mit seinen 115 000 Grabstellen eine spannende und doch unterhaltsame aufbereitete Basis für viele Geschichten. Der Förderverein zeigt den Film am Mittwoch 28. Januar, 19 Uhr, im Dathenushaus 6. Eintritt frei. Der Film beleuchtet die Veränderungen des Friedhofs im Wandel der Zeit und im Wandel der jüdischen Gemeinde. Er gibt Einblicke in Traditionen, die mit dem Friedhof verknüpft sind. Im Zentrum stehen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte den Friedhof besuchen und bei ihrer Spurensuche mit der Kamera begleitet werden.

 

Vermutlich am 23. März 2015 zeigt das LUX-Kino den Film "Im Labyrinth des Schweigens".

 

Verdrängen, vergessen, vertuschen - das wollten viele im Nachkriegsdeutschland. Der Film setzt denjenigen ein Denkmal, die den Auschwitz-Prozess ins Rollen gebracht haben.

 

Im Juli 1785 schrieb der Vorstand der Jüdischen Gemeinde an die Stadtverwaltung Frankenthal. Vermutlich ist dies das älteste Dokument zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthal.

Der Förderverein erinnert mit einem VHS-Vortrag am 12. März, 19 Uhr, an die Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Frankenthal. Sie wurde um 1785 gegründet. Sie könnte in diesem Jahr das 230-jährige Jubiläum feiern. Die Synagoge wurde am 28. August 1885 in der Glockengasse 12 eingeweiht, vor 130 Jahren.

 

Beide Jubiläen unterstreichen die Bedeutung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Frankenthal. 1818 lebten in Frankenthal 136 Juden, 1858 waren es 229, 1880 etwas mehr als 300 und 1900 schließlich 372. Das waren zirka zwei Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt.

 

1933 begann die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung auch in Frankenthal. Viele konnten rechtzeitig flüchten. Die meisten, die in Deutschland blieben, wurden später in den Vernichtungslagern ermordet.

 

Mit der Deportation der 39 noch in Frankenthal lebenden Kinder, Frauen und Männer am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südwestfrankreich endete die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthals.

 

Heute leben wieder Menschen jüdischen Glaubens aus der ehemaligen Sowjetunion in Frankenthal. Sie beteiligen sich am Leben der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz und besuchen die Synagoge in Ludwigshafen.

 

"Charlie Akbar - Charlie ist groß"

Auch wir sind Charlie

 

In Frankreich demonstrierten am 11. Januar 2015 über 3 Millionen Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit, Fanatismus, Rassismus, Terror, Ausgrenzung, Intoleranz und sinnlose Gewalt.

 

 

 

In Frankenthal beteiligten sich am 13. Januar 2015 fast 1000 Bürgerinnen und Bürger an einem Schweigemarsch vom Speyerer Tor zum Wormser Tor.

 

"Fremdenfeindlichkeit, Fanatismus, Rassismus, Terror, Ausgrenzung, Intoleranz und sinnlose Gewalt als Mittel gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung haben in Frankenthal keinen Platz", betonte Oberbürgermeister Theo Wieder beim Gedenken für die Opfer des Terrors von Paris. Etliche Teilnehmer zeigten "Je suis Charlie"-Schilder. Schüler verschiedener Klassenstufen des Albert-Einstein-Gymnasiums trugen ein meterlanges "Nous sommes Charlie"-Banner.

 

"Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Hass und Gewalt", forderte Rüdiger Stein vom Frankenthaler Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus, das mit der Stadt zur Teilnahme aufgerufen hatte. Die Morde seien nicht mit dem Islam in Einklang zu bringen, hob Halil Yücebudak stellvertretend für die islamischen Gemeinden Frankenthals hervor.