Stadtführung "Juden in Frankenthal" für eine Klasse des

Karolinen-Gymnasiums

Am Gedenkstein für die Synagoge in der Glockengasse informierte Herbert Baum über das Leben der Juden in Frankenthal.

 

Der Förderverein informierte bei einer Stadtführung für eine Klasse des Karolinen-Gymnasiums am 18. April 2018 über das jüdische Leben in Frankenthal. Rund 25 Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrerin Karin Reißer-Mahla, Leiterin Sekundarstufe I, hörten zwei Stunden lang den Informationen von Herbert Baum und Werner Schäfer konzentriert zu. Mit Fotomappen konnten sie die Situation der vergangenen Jahrhunderte konkret nachvollziehen. Wo heute die beiden Gymnasien stehen, befand sich bis 1945 die Heil- und Pflegeanstalt mit ihren zahlreichen Gebäuden und den Gartenanlagen. In der Karolinenstraße lernten die Schüler mehr über die Geschichte der Karolinenschule bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Im Gehsteig erinnern heute sechs Stolpersteine an jüdische Schülerinnen und eine jüdische Lehrerin. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das frühere Haus der jüdischen Familie Kaufmann, die hier eine Brantwein-Handlung besaßen.

 

Auf dem Rathausplatz erinnerte Herbert Baum an die Zeit des Nationalsozialismus in Frankenthal.

 

Wo heute an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße ein großes Geschäfts- und Wohnhaus steht, lebte bis 1940 die jüdische Familie Schweitzer. Werner Schäfer, der seit einigen Jahren Kontakte zu Nachfahren in New York hält, informierte über das Leben der Familie in Frankenthal.

 

In der Schlossergasse, wo braune Steine im Gehweg den Verlauf des früheren Fuchsbachs anzeigen, erläuterte Herbert Baum die Funktion einer Mikwe, das jüdische Ritualbad vor allem für Frauen. Das Wasser einer Mikwe muss aus fließendem Grundwasser stammen oder aus einem Bach.

 

In der Glockengasse stand bis 1952 die Synagoge. Hier erläutert Herbert Baum die Geschichte der Juden in Frankenthal. Um 1785 gab es bereits eine jüdische Gemeinde mit einem Gemeindevorstand. Zwar hatten SA-Mitglieder in der sogenannten Reichskristallnacht am 10. November 1938 im Innern der Synagoge einen Brand entfacht. Dieser wurde jedoch von der verständigten Feuerwehr gelöscht. Die Synagoge wurde 1943 durch Bomben zerstört.

 

Der alte jüdische Friedhof mit dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1826 gibt einen Einblick in die jüdische Begräbniskultur.

Werner Schäfer informierte auf dem alten jüdischen Friedhof, der seit 1826 besteht, über die jüdische Begräbniskultur. Außerdem erläuterterte er die Herkunft der kleinen Grabsteine, die an gestorbene, in der NS-Zeit nach Frankenthal verschleppte Zwangsarbeiter aus osteuropäischen Ländern erinnern. Auf dem neuen jüdischen Friedhof werden heute wieder Juden beerdigt, die aus der früheren Sowjetunion stammen und seit 1990 in Frankenthal gelebt haben.