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Auf dieser Seite finden Sie mehrere ältere, aber zeitlos aktuelle Informationen.

 

Gurs 22. Oktober 1940

Bezirksverband der Pfalz eröffnet Ausstellung in Speyer

Der Vorsitzende des Bezirkstags, der frühere Oberbürgermeister von Frankenthal Theo Wieder, stellte das Projekt vor und erläuterte dessen heutige Bedeutung.

 

 

„Gurs 1940“, die Ausstellung der Berliner Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, die sich mit der Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden beschäftigt, wird vom Bezirksverband Pfalz bis voraussichtlich 23. Mai im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, Domplatz 4, bei freiem Eintritt gezeigt.

 

Die Eröffnung fand digital am 8. April statt und kann im YouTube-Kanal BVPfalz aufgerufen werden:

 

https://www.youtube.com/watch?v=GhJjtZ8pGIo&t=785s

 

Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz (GHWK) hat die 28 Tafeln umfassende Ausstellung in deutscher und französischer Sprache erarbeitet. Sie entstand im Auftrag und mit Unterstützung der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie der Arbeitsgemeinschaft zu Unterhalt und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs, in der badische Städte und Gemeinden sowie der Bezirksverband Pfalz zusammengeschlossen sind. Das Projekt wird zudem vom Auswärtigen Amt unterstützt.

 

Die Ausstellung zeigt den Ablauf der Deportation und das Verhalten der lokalen Bevölkerung. Sie beschreibt die furchtbaren hygienischen Zustände im Lager Gurs anhand von Berichten, Fotos und Zeichnungen der dort internierten Menschen und beleuchtet die Zusammenarbeit der Vichy-Regierung und der Nationalsozialisten. Weitere Kapitel widmen sich der Erinnerungskultur und der Aufarbeitung. Neun weitere Stellwände gehen auf das Schicksal pfälzischer Jüdinnen und Juden ein. Sie ergänzen zusammen mit Briefen von nach Gurs deportierten Pfälzerinnen und Pfälzern die Schau im Historischen Museum.

 

 

Dr. Nathan Nathan, viele Jahre Lehrer und Studienprofessor am Privaten Reallehrinstitut Trautmann & Wehrle in Frankenthal, wurde von Ludwigshafen aus nach Gurs deportiert. Der 77-Jährige starb bereits am 4. November 1940. Das Foto ist heute weltbekannt.

 

Die Deportation von mehr als 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland ist Thema der umfassenden Ausstellung, die an vielen Orten in Südwestdeutschland sowie in Frankreich gezeigt wird. Im Juli 2022 ist sie im Frankenthaler Rathaus zu sehen.

 

Bei den Transporten am 22. und 23. Oktober 1940 handelt es sich um eine der ersten systematischen Deportationen durch die Nationalsozialisten. Das Ziel der Züge, die in zahlreichen Städten gestartet waren, war das Lager Gurs, das am Fuße der Pyrenäen in Südfrankreich 1939 für Flüchtlinge aus Spanien errichtet worden war.

 

Viele der Deportierten starben dort oder in anderen Lagern Südfrankreichs. Die in Gurs Internierten wurden ab dem Sommer 1942 nach Auschwitz-Birkenau und Sobibor transportiert und ermordet. Nur wenige Menschen überlebten.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie ergänzende Materialien finden sich unter www.gurs1940.de, außerdem www. https://www.bv-pfalz.de/gedenken-erinnern/80-jahre-gurs/.

 

Dort finden sich auch Informationen zum digitalen Begleitprogramm, das der Bezirksverband Pfalz zusammengestellt hat.

 

Die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist – sobald es wieder öffnen kann – dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung des Besuchs ist dann erforderlich, und zwar montags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr telefonisch unter der Nummer 06232 620222.

 

Am Museum werden bei Wiederöffnung zusätzlich dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr Vorausbuchungen am Fenster neben dem Haupteingang entgegengenommen.

 

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland 

Seit 250 Jahren Juden in Frankenthal 

www.1700jahre.de

 

Am 11. Dezember 321 erlässt der römische Kaiser Konstantin ein Edikt, dass jüdische Menschen städtische Ämter in der Kurie, der Stadtver-waltung Kölns, wahrnehmen dürfen und sollen.

 

Dieses Edikt belegt, dass jüdische Gemeinden bereits um 300 wichtiger Bestandteil der deutschen und europäischen Kultur sind.

 

Jüdische Gemeinden, andere Religionsgemeinschaften, gemeinnützige Organisationen, Vereine und Initiativen erinnern bundesweit mit Vorträgen, Führungen, Ausstellungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen an das vielfältige Leben und Leiden der jüdischen Menschen in den vergangenen 1700 Jahren.

 

Internet:

 

www.1700jahre.de

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal organisiert einen Vortrag mit zahlreichen Fotos  zur 250jährigen Geschichte der Juden

in Frankenthal sowie drei Führungen in Kooperation mit der Volkshochschule Frankenthal.

 

 

 

 

Seit 250 Jahren Juden in Frankenthal

Vortrag am Dienstag 13. April 2021 im Internet

LINK nach der Anmeldung bei der VHS

Die Synagoge in der Glockengasse auf einer Postkarte um 1900

 

 

 

Vortrag mit Fotos

Referent: Herbert Baum

 

Dienstag 13. April 2021

19 Uhr

 

Eintritt frei

 

Wegen der Corona-Auflagen wird der Vortrag im Internet in einer Videokonferenz gezeigt.

 

Den LINK zur Konferenz verschickt die VHS nach der Anmeldung.

 

Eine Kooperation der Volkshochschule Frankenthal und des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal

 

 

In Frankenthal lebten Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Juden. Die jüdische Gemeinde wird 1785 offiziell in einem Brief an die Stadtverwaltung erwähnt. 1791 war die erste Frankenthaler Synagoge fertiggestellt. 1826 wurde der jüdische Friedhof eröffnet. Aus diesem Jahr erinnert der älteste Grabstein noch heute an Sarah Heymann.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Frankenthal 371 Juden unter 16.899 Einwohnern. Dies waren rund zwei Prozent. Viele von ihnen waren angesehene Bürger: Rechtsanwälte, Ärzte, Richter, Lehrer, Bankiers, Geschäftsinhaber, die in das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben der Stadt integriert waren, es in vielen Bereichen maßgeblich prägten und sich in zahlreichen Vereinen und Organisationen engagierten. Aufgrund der Benachteiligung und Ausgrenzung im Nationalsozialismus zogen viele in größere Städte um oder flüchteten in andere Länder. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 39 noch in Frankenthal lebenden jüdischen Männer, Frauen und Kinder in das Internierungslager Gurs in Frankreich deportiert.

 

Seit Anfang der 1990er Jahre leben hier wieder Menschen jüdischen Glaubens. Sie gehören zur Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz mit Sitz in Speyer.

 

Führungen werden verschoben

Sonntag 5. September 2021

Juden in Frankenthal - Führung durch die Innenstadt 

Sonntag 5. September 2021    17 Uhr 

Frankenthal vor der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg

 

Führung durch die Innenstadt

Referent: Herbert Baum

 

Sonntag 5.9.2021

17 Uhr

 

Treffpunkt Gedenkplatz für die Synagoge in der Glockengasse (Spielplatz)

Kostenfrei

 

Eine Kooperation der Volkshochschule Frankenthal und des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal

 

Die Führung beginnt am Gedenkstein für die 1953 abgerissene Synagoge. Zahlreichen Fotos dokumentieren die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Nur wenige Häuser sind erhalten geblieben. Ein Schild in der Schlossergasse erinnert an den Eckbach. Hier befand sich die Mikwe, das jüdische Ritualbad.

 

An der Ecke Bahnhofstraße und Marktplatz stand das größte Kaufhaus der Stadt, Schweitzer und Wertheimer. Der Förderverein arbeitet mit einem Nachfahren der Familie Schweitzer deren komplexe Geschichte auf.

 

Zahlreiche „Stolpersteine“ erinnern vor den letzten Wohnorten an das Schicksal der jüdischen Menschen.

 

Sie wurden ab 1933 ausgegrenzt. Viele verließen ihre Heimat. Am 22. Oktober 1940 wurden die noch in Frankenthal wohnenden 39 jüdischen Männer, Frauen und Kinder in das Internierungslager Gurs in Frankreich deportiert, darunter auch der beliebte Lehrer Nathan Nathan. Er starb wenige Tage nach der Ankunft im Lager.

 

Die Führung endet in der Wormser Straße vor dem ehemaligen Möbelhaus Abraham. Das Schicksal dieser Familie ist ausführlich dokumentiert. Die mörderische Politik der Nationalsozialisten lässt sich ebenso darstellen wie der Widerstand der Betroffenen. Es war meistens Zufall, wenn sie überlebten.

 

87 Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger

Führung am Sonntag 5. September 2021     11 Uhr

Über 70 000 Stolpersteine erinnern in rund 1300 deutschen Städten und Gemeinden an die Opfer des Nationalsozialismus, davon zirka 90 Prozent an jüdische Kinder, Frauen und Männer.

 

 

Führung zu den Stolpersteinen

Referent: Rüdiger Stein

 

Sonntag 5.9.2021

11 Uhr

 

Treffpunkt vor der Zwölf-Apostel-Kirche, Carl-Theodor-Straße

Kostenfrei

 

Eine Kooperation der Volkshochschule Frankenthal und des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal

 

Über 70 000 Stolpersteine erinnern in rund 1300 deutschen Städten und Gemeinden an die Opfer des Nationalsozialismus, davon zirka 90 Prozent an jüdische Kinder, Frauen und Männer. In Frankenthal liegen 87 Stolpersteine.

 

Der Kölner Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) hat im Jahr 2000 die Aktion Stolpersteine gestartet. Vor Häusern, in denen Opfer der NS-Verfolgung gelebt haben, setzt er kleine Betonquader in den Gehweg. Der Begriff Stolperstein ist im übertragenen Sinne gemeint: Menschen sollen auf etwas „gestoßen“, aufmerksam gemacht werden. Ein kurzer Text, der meistens mit den Worten „Hier wohnte ...“ beginnt, ist in eine ebenerdig aufgebrachte, zehn mal zehn Zentimeter kleine Messingplatte eingeschlagen.

 

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig: „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten."

 

In Frankenthal wurden seit 2005 zur Erinnerung an jüdische Frauen, Männer und Kinder 87 Stolpersteine verlegt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Justizbehörden haben dafür Geld gespendet. Mehrere Nachfahren nahmen an der Verlegung teil.

 

Führung über die beiden jüdischen Friedhöfe

Sonntag 5. September 2021    15 Uhr

Der älteste Grabstein von 1826 erinnert an Sarah Heymann

 

Führung über die beiden jüdischen Friedhöfe

Referent: Werner Schäfer

 

Sonntag 5.9.2021

15 Uhr

 

Treffpunkt Trauerhalle Hauptfriedhof in der Wormser Straße

Kostenfrei

 

Bei Dauerregen findet ein Fotovortrag in der Trauerhalle statt

 

Eine Kooperation der Volkshochschule Frankenthal und des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal

 

1806 erwarb die Stadt Frankenthal ein Gelände, das 1821 zum städtischen Friedhof wurde. An seiner Ostseite kaufte die Jüdische Gemeinde 1820 ein Feld für ihren eigenen Friedhof. Der älteste Grabstein von 1826 erinnert an Sarah Heymann.

 

Ab 1940 wurden auf einem Teil dieses Friedhofs Zwangsarbeiter beerdigt.

 

1915 wurde ein weiterer Jüdischer Friedhof eröffnet. Hier werden seit 1997 gestorbene Juden aus der ehemaligen Sowjetunion beerdigt.

 

 

  

Stolpersteine glänzen fast wie neu

Erfolgreicher Freiwilligentag „Wir schaffen was“

Beim Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar waren wieder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unter dem Motto „Wir schaffen was“ aktiv. Sie reinigten die Metallplatten der 87 Stolpersteine, die bisher in Frankenthal verlegt wurden.

 

„Wir schaffen was“ heißt das Motto des Freiwilligentages, der am Samstag zum siebten Mal in der Metropolregion Rhein-Neckar stattfand: www.wir-schaffen-was.de. Zwischen Pfälzerwald und Odenwald hatten die Veranstalter rund 280 Projekte angemeldet, bei denen notwendige Arbeiten in Vereinen, Kindergärten, Schulen und anderen Organisationen ausgeführt wurden. Coronabedingt gab es in Frankenthal dieses Mal nur zwei Projekte. Die Arbeitsgemeinschaft Mörsch baute mit Freiwilligen einen Lebensturm für Kleintiere, Insekten und Vögel und leistete damit einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. In der Innenstadt waren mehrere Gruppen unterwegs, die mit ihren hübschen blauen T-Shirts vielen Passanten auffielen. Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal beteiligt sich am Freiwilligentag zum dritten Mal mit der Aktion „Stolpersteine reinigen in Frankenthal". Über 70 000 Stolpersteine erinnern in rund 1300 deutschen Städten und Gemeinden an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie müssen, um lesbar zu bleiben, regelmäßig gereinigt werden. In Frankenthal liegen zurzeit 87 Stolpersteine. Der Kölner Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) hatte im Jahr 2000 die Aktion Stolpersteine gestartet. Vor Häusern, in denen Opfer der NS-Verfolgung gelebt haben, setzt Demnig kleine Betonquader in den Gehweg. Ein kurzer Text, der meistens mit den Worten „Hier wohnte ...“ beginnt, ist in eine ebenerdig aufgebrachte, zehn mal zehn Zentimeter kleine Messingplatte eingeschlagen. 

 

Neben Oberbürgermeister Martin Hebich und dem Landtagsabgeordneten Martin Haller kamen 21 Frauen, Männer und Kinder in das Foyer im Dathenushaus, wo Herbert Baum vom Förderverein in das Thema und die Aktion kurz einführte.

 

In Frankenthal haben seit 2005 zur Erinnerung an jüdische Frauen, Männer und Kinder zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Justizbehörden dafür Geld gespendet. Das Interesse zum Mitmachen war am Samstag besonders groß. Neben Oberbürgermeister Martin Hebich und dem Landtagsabgeordneten Martin Haller kamen 21 Frauen, Männer und Kinder in das Foyer im Dathenushaus, wo Herbert Baum vom Förderverein in das Thema und die Aktion kurz einführte. Ausgestattet mit den notwendigen Reinigungsmaterialien verteilten sich die Mitwirkenden auf die zugewiesenen Verlegeorte. Nach der Aktion ludt der Förderverein alle Beteiligten zu Eis und Kaffee ein. Wer zum ersten Mal bei der Aktion mitmachte, freute sich über das gemeinsame Schaffen und die vielen Informationen, die man über die Frankenthaler Opfer des NS-Systems erhielt. Mehrere Passanten blieben stehen und interessierten sich auch für den Freiwilligentag. Da immer wieder die Frage gestellt wurde, wann der nächste Verlegetermin sei, hat der Förderverein beschlossen, im zweiten Halbjahr 2021 einen Termin für weitere Stolperstein-Verlegungen zu bekommen. 

 

Überregionale Anerkennung der Vereinsarbeit

In der Gabelsbergerstraße 5 lebte bis Oktober 1940 der jüdische Lehrer Nathan Nathan.

Aufgrund seiner informativen und gut gegliederten Internet-Seiten erzielt der Förderverein überregionale Aufmerksamkeit. In einem Beitrag im SWR Fernsehen wird die Forschungsarbeit zu dem jüdischen Lehrer Nathan Nathan gewürdigt. Er wurde am 22. Oktober 1940 zusammen mit rund 6500 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus der Pfalz, Baden und dem Saarland nach Gurs in Südwest-Frankreich deportiert. Er starb dort nach wenigen Tagen im Alter von 77 Jahren.

Den Beitrag im SWR Fernsehen kann man hier sehen:

 

https://www.ardmediathek.de/swr/video/swr-aktuell-rheinland-pfalz/das-lager-gurs-der-nationalsozialisten-internetplattform-gegen-das-vergessen/swr-rheinland-pfalz/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyODEyNTA/

 

 

Förderverein für jüdisches Gedenken im SWR Fernsehen

Lob für Forschung über die Gurs-Deportation

Der Frankenthaler Realschullehrer Nathan Nathan wurde am 22. Oktober 1940 in das Lager Gurs interniert. Er starb wenige Tage später mit 77 Jahren.

 

Herbert Baum und Werner Schäfer vom Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal wirken in einem Beitrag des SWR-Fernsehens mit, der in der Sendung „SWR aktuell Rheinland-Pfalz“ am Samstag, 1. August, ab 19.30 Uhr zu sehen war.

 

https://www.ardmediathek.de/swr/video/swr-aktuell-rheinland-pfalz/das-lager-gurs-der-nationalsozialisten-internetplattform-gegen-das-vergessen/swr-rheinland-pfalz/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyODEyNTA/

 

Thema des Films von Barbara Kutsch ist ein geplantes Dokumentationszentrum in Karlsruhe. Dort sollen Informationen über die jüdischen Deutschen aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet gesammelt werden, die von den Nationalsozialisten am 22. Oktober 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert wurden. Einer davon war der Frankenthaler Realschullehrer Nathan Nathan; er starb wenige Tage später mit 77 Jahren. 

 

Die Stadt Frankenthal vergibt seit 2015 einen nach ihm benannten Ehrenamtspreis.

 

Mehr als 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem heutigen Saarland, wurden von den Nationalsozialisten am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert.

Ein Projekt des Generallandesarchivs in Karlsruhe erfasst zentral Daten über die Juden aus Baden, der Pfalz und dem heutigen Saarland, die von den Nationalsozialisten im Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden. Informationen über Herkunft und Deportationswege der mehr als 6500 Verschleppten sollen aus verschiedenen Quellen gebündelt und auf einem Internetportal für die Forschung sowie für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagte Projektleiter Martin Stingl. Das Portal soll insbesondere einen zentralen und übergreifenden Einstieg in vorhandene, aber oft nicht allgemein bekannte Informationsangebote ermöglichen.

 

Im Spätjahr sollen erste Ergebnisse veröffentlicht werden, 2021 soll ein Großteil der Informationen abrufbar sein.

 

Die erste große Massendeportation von Juden m Deutschen Reich jährt sich am 22. Oktober zum 80. Mal. Aus dem Saarland planen Gruppen aus Saarwellingen und vom Saar-Landtag zu den Gedenkfeiern in Gurs zu reisen.

 

Erstmals trage ein dreiköpfiges Projekt-Team des Generallandesarchivs seit vergangenen März Grunddaten über betroffene jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Baden, der Pfalz und dem heutigen Saarland zusammen, sagte Stingl. In dem Internetportal würden ständig neue Informationen, etwa aus kommunalen und staatlichen Archiven, eingepflegt. Auch sollen Fotografien und Quellennachweise zu den betroffenen Menschen dort eingestellt werden.

 

Das Projekt wird durch das Land Baden-Württemberg finanziert und erfolgt in Abstimmung mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.

 

Ziel des Projekts sei es, Historikern, Schulen und Initiativen der Gedenkarbeit für ermordete Juden wie „Stolpersteine“ einen besseren Zugriff auf vorhandene Daten zu geben und sie auch zu vernetzen.

 

In einer ersten Projektphase würden die Daten der deportierten Juden systematisch erfasst, anschließend werden die Biogramme mit Quellennachweisen und weiteren Online-Angeboten verknüpft. Hier würden auch die Forschungen, die in den letzten Jahren in vielen Kommunen erfolgten, eingebunden.

 

Noch immer bestünden zahlreiche Forschungslücken mit Blick auf die deportierten Juden, sagte Stingl. Die Aktion war von den NS-Gauleitern Robert Wagner (Baden) und Josef Bürckel (Saarpfalz) geplant worden. So sei etwa die tatsächliche Zahl der Juden unklar, die in das Gebiet des mit den Nazis kollaborierenden französischen Vichy-Regimes verschleppt wurden. In manchen Fällen dokumentierten die Nazi-Behörden auf ihren Listen falsche Namen oder es kam zu Doppelnennungen. Auch wurden wohl viele Kinder nicht erfasst.

 

Jugendliche alters­ge­recht ansprechen

Gedenkstätten und Initiativen verstärken Bildungsarbeit

Foto: Anke Kristina Schäfer

 

Erklärung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz

 

Die LAG mit ihren 70 Mitgliedsinitiativen beschloss im „Haus des Erinnerns - für Demokratie und Akzeptanz “ in Mainz eine Erklärung zur aktuellen Situation:

 

Gegen Hass und Terror – für Toleranz, Menschenrechte, Freiheit und Demokratie.

 

Nie waren Judenhass, Antisemitismus und antisemitische Gewalttaten, aber auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ganz verschwunden. Das jüngste Beispiel ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, bei dem zwei Menschen getötet worden sind. Diese Taten haben oft einen rechtsextremistischen Hintergrund.

 

Der rechtsradikalen Anschauung sind nicht nur Menschen mit jüdischem Glauben zum Opfer gefallen, sondern auch andere, die nicht in das menschenverachtende Weltbild rechter Kreise passen: beispielsweise die vom NSU Ermordeten und der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke. Die Amadeu Antonio Stiftung zählt seit der Wieder­vereini­gung im Oktober 1990 insgesamt 198 Opfer dieser rechten Gewalt.

 

Alle diese Verbrechen waren vorbereitet, angekündigt, unterstützt und begleitet durch ein gesell­schaftliches Klima, das nahezu alltäglich geworden zu sein scheint und sich in den sozialen Me­dien des Internets mittels Hetze, Kumpanei und sogar Jubel Gleichgesinnter hervortut – und das vor dem Hintergrund unserer Geschichte, die in nur 12 Jahren des Nationalsozialismus die schlimmsten Verbrechen hervorgebracht hat. Gerade deshalb sind alle Kräfte aufgerufen, diesen Tendenzen entschieden entgegenzutreten!

 

Gefordert sind nicht nur die staatlichen Organe, welche die in Deutschland von rechter Gewalt bedrohten Menschen schützen müssen sowie gegen Hass und Gewalt im Internet vorzugehen haben. Auch in den Schulen ist für ein Klima der Toleranz und der Menschenfreundlichkeit zu sorgen und die politische Bildungsarbeit muss ausgeweitet werden.

 

All das muss die Politik mit vollem Engagement und auf Dauer leisten. Aber sie braucht dafür unbedingt die Unterstützung der Zivilgesellschaft: jede und jeder Einzelne von uns und auch Vereine, Initiativen und Organisationen. Rheinland-Pfalz ist ein Land des ehrenamtlichen Engagements.

Wir als Landesarbeitsgemeinschaft und auch als Repräsentanten von diversen Initiativen wollen uns auch in der Zukunft entschieden in diesen Prozess gegen Rassismus und Antisemitismus und für Toleranz, Frieden und Demokratie einbringen.

 

Verstärkt werden wir uns um die Aufklärung über den Nationalsozialismus und die Verbrechen während der NS-Zeit bemühen sowie über die Opfer dieser menschenverachtenden Politik informieren, und zwar insbesondere vor Ort in den Gemeinden unseres Landes.

 

Dazu wollen wir – im Rahmen unserer Möglichkeiten – mehr und mehr in die Schulen gehen, Jugendliche alters­ge­recht ansprechen, aber auch die MultiplikatorInnen in der politischen Bildungsarbeit unterstützen und in der Erwachsenenbildung präsent sein.  

 

 

(Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal ist Grundungsmitglied der LAG.)

 

  

Sie waren unsere Nachbarn

Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden 

Neues Buch von Paul Theobald

Der Frankenthaler Heimatforscher Paul Theobald hat ein neues Buch veröffentlicht: "Sie waren unsere Nachbarn - Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden".

 

In seinem Vorwort schreibt der Frankenthaler Oberbürger- meister Martin Hebich:

 

"In mühevoller Kleinarbeit wurde die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal recherchiert, wie auch Einzelschicksale beleuchtet wurden. Wo heute in Frankenthal (Pfalz) noch Straßennamen oder Stolpersteine an ehemals historische Begebenheiten erinnern, war vielen Juden um 1933 noch nicht bewusst, welches Schicksal sie ereilen sollte. Das Buch "Sie waren unsere Nachbarn" schafft den Brückenschlag zwischen Historie und Gegenwart und stellt gerade durch die Beschreibung der Einzelschicksale nochmals deutlich das Unrecht dar, das den Juden auch in Frankenthal (Pfalz) widerfahren ist." 

 

Das Buch ist im Verlag DeBehr erschienen und kostet 14.95 Euro. Es kann im Buchhandel oder im Internet gekauft werden.

  • ISBN-13: 9783957535627
  • Bestellnummer: 8849662
  • Umfang: 707 Seiten

Die Sterne der Heimat 

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil 

Neues Buch von Paul Theobald

Die Sterne der Heimat

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil in Frankenthal

 

von Paul Theobald

 

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt", steht im Artikel 1 Abs. 1 des Grundgesetzes.

 

Als das Grundgesetz nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde, war den Menschen bewusst, welche Folgen es hat, wenn die Würde des Menschen angetastet wird. Deshalb wird deren Unantastbarkeit im Grundgesetz herausgestellt.

 

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil, die als eine der wenigen Familien drei Generationen in Frankenthal  lebten, zeigt deutlich, welche Folgen die Missachtung der Würde des Menschen hat.

 

Verlag:

Re Di Roma

ISBN:

9783961035403

3961035407

10,95 Euro

 

Neues Buch von Paul Theobald

Rundgang durch das jüdische Frankenthal

DIE RHEINPFALZ 14. April 2020

 

 

In seiner jüngsten Veröffentlichung „Rundgang durch das jüdische Frankenthal" erinnert der Frankenthaler Autor Paul Theobald an das Schicksal der während des Nationalsozialismus in der Stadt lebenden Juden. 

 

3D-Animation der Frankenthaler Synagoge

Eine erste 3D-Rekonstruktion der Außenansicht der Frankenthaler Synagoge auf dem Katasterplan von 1837.

 

Bei dem Vortrag über "Rabbiner und Kantoren in Frankenthal" im VHS-Bildungszentrum zeigte Friedemann Seitz seine ersten 3D-Rekonstruktionen der Außenansicht der Frankenthaler Synagoge. Er versucht, soweit es möglich ist, die Maße und Formen anhand von Grundrissen und Stadtplänen sowie Zeichnungen und Fotos heranzuziehen.

 

Friedemann Seitz, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Frankenthal, arbeitet seit einigen Jahren mit dem Programm SketchUp an 3D-Rekonstruktionen wichtiger Gebäude. Bisher hat er unter anderem die zerstörte lutherische Kirche in Frankenthal und das Oggersheimer Schloss dargestellt. In Oggersheim arbeitet er beim Heimatkundlichen Arbeitskreis mit.

 

Die zweite größere Synagoge wurde am 28. August 1885 in der Glockengasse 12 eingeweiht.

Oppenheimer Synagoge als 3D-Animation

Die 1938 zerstörte, letzte Synagoge der Stadt Oppenheim hat der Architekt Heribert Hamann in mühevoller Spurensuche als 3D-Modell rekonstruiert, auch mit Hilfe zweier Zeitzeugen.

Die 1938 zerstörte, letzte Synagoge der Stadt Oppenheim hat der Architekt Prof. Heribert Hamann in mühevoller Spurensuche als 3D-Modell rekonstruiert, auch mit Hilfe zweier Zeitzeugen.

 

 

 

 

 

 

 

Stadtführung "Juden in Frankenthal" mit Schulklassen

  

Am Gedenkplatz für die frühere Synagoge gibt Herbert Baum vom Förderverein einen Überblick über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde. Eine Fotomappe illustriert das Stadtleben in den vergangenen Jahrhunderten.

 

Der Förderverein informierte bei Stadtführungen für Schulklassen über das jüdische Leben in Frankenthal. Mit Fotomappen können sie die Situation der vergangenen Jahrhunderte konkret nachvollziehen.

 

Wo heute die beiden Gymnasien stehen, befand sich bis 1945 die Heil- und Pflegeanstalt mit ihren zahlreichen Gebäuden und den Gartenanlagen.

 

In der Karolinenstraße lernen die Schüler mehr über die Geschichte der Karolinenschule bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Im Gehsteig erinnern heute sechs Stolpersteine an jüdische Schülerinnen und eine jüdische Lehrerin. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das frühere Haus der jüdischen Familie Kaufmann, die hier eine Brantwein-Handlung besaßen.

 

Auf dem Rathausplatz erinnert Herbert Baum an die Zeit des Nationalsozialismus in Frankenthal.

 

Wo heute an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße ein großes Geschäfts- und Wohnhaus steht, lebte bis 1940 die jüdische Familie Schweitzer. Werner Schäfer, der seit einigen Jahren Kontakte zu Nachfahren in New York hält, informiert über das Leben der Familie in Frankenthal.

 

In der Schlossergasse, wo braune Steine im Gehweg den Verlauf des früheren Fuchsbachs anzeigen, erläutert Herbert Baum die Funktion einer Mikwe, das jüdische Ritualbad vor allem für Frauen. Das Wasser einer Mikwe muss aus fließendem Grundwasser stammen oder aus einem Bach.

 

In der Glockengasse stand bis 1952 die Synagoge. Hier erläutert Herbert Baum die Geschichte der Juden in Frankenthal. Um 1785 gab es bereits eine jüdische Gemeinde mit einem Gemeindevorstand. Zwar hatten SA-Mitglieder in der sogenannten Reichskristallnacht am 10. November 1938 im Innern der Synagoge einen Brand entfacht. Dieser wurde jedoch von der verständigten Feuerwehr gelöscht. Die Synagoge wurde 1943 durch Bomben zerstört.

 

Der alte jüdische Friedhof mit dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1826 gibt einen Einblick in die jüdische Begräbniskultur.

Werner Schäfer informiert auf dem alten jüdischen Friedhof, der seit 1826 besteht, über die jüdische Begräbniskultur. Außerdem erläutertert er die Herkunft der kleinen Grabsteine, die an gestorbene, in der NS-Zeit nach Frankenthal verschleppte Zwangsarbeiter aus osteuropäischen Ländern erinnern. Auf dem neuen jüdischen Friedhof werden heute wieder Juden beerdigt, die aus der früheren Sowjetunion stammen und seit 1990 in Frankenthal gelebt haben.

 

Für Schulen: Filmveranstaltung "Die Unsichtbaren"

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zeigte der Förderverein um den 27. Januar herum den Film "Die Unsichtbaren" Film für alle weiterführenden Schulen im Lux-Kino in der August-Bebel-Straße .

 

Zu den Schulveranstaltung kommen zwischen 120 und 250 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. 

 

Zum Film:

 

Am 18. Februar 1943 schrieb Joseph Goebbels, Hitlers Propaganda-minister, in sein Tagebuch: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt bis Mitte, spätestens Ende März, Berlin gänzlich judenfrei zu machen.“ Dies ist Goebbels bis zu seinem Selbstmord am 1. Mai 1945, eine Woche vor der Kapitulation der Wehrmacht, nicht gelungen.

 

Zwischen 1941 und 1945 haben mehr als 7.000 Jüdinnen und Juden versucht, in der deutschen Hauptstadt im Versteck zu überleben. Nur etwa 1.500 Menschen haben es geschafft, die meisten mit der mutigen Hilfe von Nicht-Juden.

 

Oft ist es pures Glück und jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität.

 

Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Kurfürstendamm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist

da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert. Sie alle kämpfen für ein Leben in Freiheit, ohne wirklich frei zu sein...

 

DIE UNSICHTBAREN ist ein außergewöhnliches Drama, dessen Drehbuch zum Teil auf Interviews mit Zeitzeugen basiert. Die chronologische Erzählung bleibt spannend bis zur Befreiung der Überlebenden. Viele Helfer werden jedoch ermordet. Zahlreiche Filmszenen zeigen den Alltag der Menschen in Berlin: Die grausamen Täter und die vielen Opfer in der Bevölkerung.

 

"Leben? Oder Theater? "

Das Leben der Charlotte Salomon

Selbstportrait von Charlotte Salomon

In einem gut besuchten Vortrag am 9. November 2017 informierte Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken an Charlotte Salomon.

 

Die in Frankenthal geborene bekannte Sängerin Paula Levi-Lindberg heiratet 1930 den Berliner Arzt Albert Salomon. Als Stiefmutter kümmert sie sich auch um dessen Tochter Charlotte. Das 13jährige Mädchen leidet unter den bisherigen Familienverhältnissen. Ihre Mutter und deren Schwester haben sich selbst getötet. In der Jugendphase ist sie den Auswirkungen der NS-Diktatur ausgesetzt. 1939 flüchtet sie zu ihren Großeltern nach Südfrankreich. Dort erlebt sie die Selbsttötung der Großmutter und die Internierung im Lager Gurs. Bevor sie an ihrem Leben verzweifelt, zieht sie sich zurück und malt innerhalb von zwei Jahren rund 1300 Kunstwerke, in denen sie sich mit ihrem bisherigen Leben auseinandersetzt: "Leben? oder Theater?" (Das Foto zeigt ein Selbstporträt von Charlotte Salomon im Jahr 1940). Sie heiratet und wird schwanger. 1943 wird sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Ihr künstlerisches Lebenswerk blieb erhalten.

 

Der Vortrag beschrieb das Leben Charlottes anhand ausgewählter Werke aus ihrem Nachlass. Im Buchhandel gibt es mehrere Darstellungen zum Leben und Werk von Charlotte Salomon.

 

Lazarus Levi, Paula Levi-Lindberg und Charlotte Salomon

Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg

Das Grab von Lazarus und Sophie Levi auf dem neuen jüdischen Friedhof Frankenthal

Im Internet kann man bei Wikipedia folgende Informationen nachlesen: "Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal als Paula Levi geboren. Ihr Vater war der jüdische Religionslehrer und Kantor Lazarus Levi, der als Sänger einen besonderen Ruf weit über Frankenthal hinaus hatte. Er wurde am 16. Juli 1862 in Eckardroth geboren und kam 1896 nach Frankenthal, das damals zu Bayern gehörte. Lazarus Levi starb am 17. November 1919, seine Ehefrau am 26. November 1930, beide in Frankenthal. Das Grab auf dem neuen Judenfriedhof in Frankenthal ist heute noch erhalten." Die Familie wohnte in der Karolinenstraße 7.

 

Lazarus und Sophie Levi

Anlässlisch des Todes von Lazarus Levi schreibt die Frankenthaler Zeitung am Dienstag, 18. November 1919, über Kantor Levi: "Der Kantor und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Lazarus Levi, ist am Sonntag nach langem Leiden gestorben. Herr Levi hat hier 22 Jahre amtiert und sich die Hochachtung aller Kreise erworben, die seinen Tod aufrichtig beklagen. Er stammte aus Unterfranken, wo er in Eckardroth 1862 geboren war. Seinen Studien oblag er an mehreren bayerischen Lehrerseminaren. 1896 kam er als Religionslehrer und Kantor nach Frankenthal, wo er seitdem wirkte, bis er im vergangenen Jahr wegen Krankheit in den Ruhestand treten mußte. Im Jahr 1897 verheiratete er sich mit Sophie Mayer, der Tochter des Herrn Jakob Mayer. Die israelitische Gemeinde verliert in ihm eines ihrer rührigsten Mitglieder, einen eifrigen Förderer ihres Vereinswesens und Gesanges. Als Sänger genoß Herr Levi besonderen Ruf weit über die Stadt hinaus."

Ein Jugendporträt von Paula Levi

Erst nach dem Tod ihres Vaters konnte Paula Levi ihren Wunsch verwirklichen, Sängerin zu werden.

 

Ihre Ausbildung erhielt Paula hauptsächlich in Mannheim und Berlin durch Julius von Raatz-Brockmann. Sie wurde in den 1920er Jahren unter dem Namen Paula Lindberg bekannt und trat hauptsächlich in Werken der Barockzeit auf, aber auch in moderneren Werken. Zwischen 1930 und 1933 sang sie die Altpartien bei den Aufführungen der Bach-Kantaten in der Leipziger Thomaskirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

Paula Salomon-Lindberg

Am 4. September 1930 heiratete Paula Lindberg mit 32 Jahren in Frankenthal den Chirurgen Albert Salomon (1883–1976) und nannte sich Paula Salomon-Lindberg. Nach Auftrittsverboten 1933 sang sie noch bis 1937 für den Jüdischen Kulturbund Berlin. 1939 floh sie mit ihrem Mann nach Amsterdam, wo beide 1943 im Konzentrationslager Westerbork interniert wurden, später aber flüchten und die Besatzungszeit bis 1944 versteckt überleben konnten.

 

Nach dem Krieg lebte Paula Lindberg-Salomon in den Niederlanden. Sie setzte dort ihre künstlerische Laufbahn mit großem Erfolg fort. Sie starb am 17. April 2000 in Amsterdam.

 

Interview mit Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon für das Pariser Journal 1963. Sie sprechen vor allem über Charlotte Salomon.

 

Wegen ihrer Flucht aus Berlin mussten Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon fast alle privaten Sachen zurücklassen. Was sie noch hatten, verloren sie durch die Internierung im Konzentrationslager Westerbork. Charlotte Salomon nahm drei Schallplatten mit zu ihren Großeltern nach Südfrankreich.

 

Charlotte Salomon mit ihrem Vater Albert Salomon

Charlotte Salomon wurde als Tochter des Chirurgen Professor Albert Salomon (1883–1976) und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald (1890–1926), in eine liberale jüdische Familie geboren. Sie wuchs in einem bürgerlichen Umfeld in Berlin-Charlottenburg auf.

 

Nach dem Suizid ihrer Mutter 1926 heiratete ihr Vater 1930 die Konzertsängerin Paula Lindberg.

 

Charlotte verließ das Fürstin-Bismarck-Gymnasium 1933, ein Jahr vor dem Abitur, um den antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, die dort immer mehr zur Tagesordnung gehörten.

 

Ab Wintersemester 1935/36 war sie Studentin an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst. Nachdem ihr bei einem Wettbewerb der Kunsthochschule der erste Platz, der ihr von der Jury zuerkannt werden sollte, wegen ihrer jüdischen Herkunft versagt wurde, verließ sie die Hochschule im Herbst 1937.

Charlotte mit ihren Großeltern in Südfrankreich

Im Januar 1939 emigrierte Charlotte Salomon nach Frankreich. Dort lebte sie in Villefranche-sur-Mer bei Nizza bei ihren Großeltern.

 

Charlotte Salomon und ihr Großvater (ihre Großmutter hatte sich im März 1940 das Leben genommen) wurden im Lager Gurs interniert, kurze Zeit später jedoch wegen des hohen Alters des Großvaters wieder freigelassen.

 

Der Tod der Großmutter und das Erlebnis der Internierung versetzten Charlotte Salomon in eine tiefe Krise. Um die Ereignisse zu verarbeiten, begann sie auf Anraten eines Arztes wieder zu malen.

Zwischen 1940 und 1942 entstanden binnen 18 Monaten 1325 Gouachen in einem expressionistischen Stil. Etwa 800 Blätter im Format 32,5 x 25 cm hat Charlotte Salomon ausgewählt und nummeriert. Zusammen mit erläuternden Texten und Hinweisen auf Musikstücke erzählen sie unter dem Titel "Leben? Oder Theater?" ihr Leben. Das Werk ist in seinem Aufbau einem Theaterstück mit allen seinen Bestandteilen in Akten und Szenen vergleichbar.

 

Im Juni 1943 heiratete sie den österreichischen Emigranten Alexander Nagler. Nach der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen 1943 wurden Charlotte Salomon und ihr Mann verraten und am 24. September in Nizza verhaftet. Am 27. September wurde das Ehepaar in das Sammellager Drancy bei Paris und am 7. Oktober in das Vernichtungslager Auschwitz  deportiert. Charlotte Salomon, im fünften Monat schwanger, wurde vermutlich sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann starb später an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen.

Charlotte Salomons Werk "Leben? Oder Theater? Ein Singspiel" hat die NS-Zeit überlebt. Ihr Vater und ihre Stiefmutter haben die Bilder dem Jüdischen Museum in Amsterdam übergeben. 1961 wurden sie zum ersten Mal öffentlich gezeigt. 1963 erschien der erste Bildband mit einer Auswahl ihrer Gouachen.

 

Eine Auswahl der Bilder wurde bereits mehrmals öffentlich ausgestellt. Das Singspiel diente als Vorlage für die Oper "Charlotte Salomon", die als Auftragswerk der Salzburger Festspiele am 28. Juli 2014 in einer Inszenierung von Luc Bondy aufgeführt wurde.

 

 

 

 

 

Kostenlose Führungen

Die Bahnhofstraße und Blick auf den Marktplatz um 1930

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert auf Anfrage kostenlose Führungen zu verschiedenen Themen: Geschichte der Juden in Frankenthal, Jüdische Geschäfte in der Innenstadt, Stolpersteine, Jüdische Friedhöfe, NS-Zeit in Frankenthal, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

 

Setzen Sie sich mit dem Förderverein in Verbindung.

 

Neues Buch über Frankenthaler Juden

"Gegen das Vergessen!"

Stolpersteine geben den Menschen ihre Geschichte

Der Förderverein verlegte gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig bisher 61 Stolpersteine für jüdische Männer, Frauen und Kinder. Das Buch "Gegen das Vergessen!" erzählt auf 236 Seiten die Geschichten zu den Stolpersteinen. Es wurde bei der Gedenkveranstaltung zur "Reichskristallnacht" am 9. November 2015 vorgestellt.

 

Das Buch kann zurzeit nur beim Förderverein und im Erkenbert-Museum gekauft werden. Es kostet 12 Euro (Einführungspreis).

 

Schicken sie eine Nachricht per Post oder E-Mail (Adresse siehe links).

 

Das Buch kann auch als digitale Version verschickt werden.

 

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulen

Projekte für politische Erziehung

In der Berufsbildenden Schule erzählte der Holocaust-Überlebende Paul Niedermann 2007 über seine Deportation nach Gurs in Südwestfrankreich und seine Rettung aus dem Lager.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert seit über 20 Jahren Veranstaltungen zum Gedenken und Erinnern an die Ermordung der europäischen Juden, aber auch an die fast 2000 Jahre lange Geschichte der Juden in Deutschland.

 

"Nicht schon wieder Nationalsozialismus", klagt mancher Schüler. Der Förderverein kooperiert vor allem mit weiterführendenden Schulen. Neben Vorträgen, Filmen und Ausstellungen gibt es größere Projekte: Stolpersteine in Frankenthal, Baucamp auf den jüdischen Friedhöfen, Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager Struthof im Elsass, Führungen zum jüdischen Leben in Frankenthal.

 

In den vergangenen Tagen hat der Förderverein verschiedene Aktivitäten mit Schulen durchgeführt. Über 50 Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule fuhren in das ehemalige Konzentrationslager in Struthof im Elsass. Jugendliche des Instituts für Hören und Kommunikation (PIH) informierten sich über die Aktion Stolpersteine, über die "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 und über das ehemalige Kriegsgefangenenlager auf dem Schützenplatz zwischen dem Schießgartenweg und der Straße Am Kanal.

 

Vor allem mit diesen aktuellen Aktivitäten bietet der Förderverein den Schulen ein optimales Angebot für das Kennenlernen der lokalen Geschichte.

 


Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule besuchten am 5. November das ehemalige Konzentrationslager Stuthof im Elsass. Am Ehrenmal für die französichen Opfer legten sie Blumen nieder.

Kooperationen mit Schulen

Eine Menschenkette rund um das Karolinen-Gymnsium soll deutlich machen, dass hier künftig keine Schülerinnen und Lehrerinnen mehr ausgegrenzt werden. Das Gymnasium hat den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Menschenkette, Stolpersteine und Ausstellung

Fotos vom Aktionstag des Karolinen-Gymnasiums

Zeitzeugen in Schulen

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln.

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln. 

 

Auch der Förderverein sucht Zeitzeugen.

 

Weitere Informationen zum Thema "Jugend in der NZ-Zeit" siehe im Kapitel "Frankenthal in der NS-Zeit".