Aktuelles aus Frankenthal

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Wir schaffen was

Bereits 168 Anmeldungen

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal beteiligt sich auch in diesem Jahr am Freiwilligentag am 15. September 2018. © MRN GmbH / Tobias Schwerdt

 

Wenn am 15. September in der ganzen Metropolregion Rhein-Neckar wieder viele tausend Wunsch-Erfüller und Glücklich-Macher in blauen T-Shirts ans Werk gehen, dann ist Freiwilligentag. 168 Projekte sind für die sechste Auflage von Deutschlands größtem regionalen Ehrenamtstag bereits gemeldet. Viele weitere sollen in den nächsten Wochen noch hinzukommen: Kindergärten, Schulen, Vereine, Kirchen, Bürgerinitiativen und andere gemeinnützige Einrichtungen sind daher weiterhin dazu aufgerufen, Aktionen zu melden, die sie am dritten September-Samstag mit der Unterstützung von freiwilligen Helfern umsetzen möchten. Zugleich sind alle Menschen zwischen Bad Bergzabern in der Südpfalz, Bensheim in Südhessen und Buchen im Odenwald dazu aufgerufen, am 15. September für einen guten Zweck mit anzupacken.

 

Herbert Baum, Vorsitzender des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal, freut sich, dass die Aktion "Stolpersteine reinigen in Frankenthal" sich bei einer Pressekonferenz der MRN GmbH vorstellen konnte: "Das Thema Gedenken und Erinnern an die NS-Zeit ist zurzeit zwar regelmäßig in den Medien. Vor Ort können wir aber mehr aktive Menschen gebrauchen." 

 

Informationen zum Freiwilligentag, zu den geplanten Aktionen, zur Projektanmeldung und zur Registrierung als Helfer unter: wir-schaffen-was.de.

 

Förderverein vor 25 Jahren gegründet 

Mehrere Veranstaltungen 2018

  

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Bericht in der RHEINPFALZ Frankenthaler Rundschau vom 14. Dezember 1992

 

Bemühen um Gedenkstätte

Zur Erinnerung an jüdische Mitbürger

 

Um ideelle und finanzielle Unterstützung eines Vorhabens zur Schaffung einer "jüdischen Gedenkstätte" bemüht sich Fridolin Hauck. Deshalb lädt er interessierte Mitbürger für morgen, 10. Dezember 1992, 19.30 Uhr, ins Hotel Brauhauskeller, Eisenbahnstraße, zu einer Gründungsversammlung für einen entsprechenden Verein ein. Einladung erging auch an Stadtvorstand, Ratsmitglieder, Geistliche und Frankenthaler Künstler.

 

Initiator Friedolin Hauck verweist auf die seitens der Stadtverwaltung bestehende "löbliche Absicht, in der Glockengasse an der Stelle, an der die Synagoge der früheren jüdischen Kultsgemeinde stand, eine Gedenkstätte zu errichten." Mit einem solchen Bauwerk solle die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, die vom Naziregime in verbrecherischer Weise zunächst vertrieben, dann verschleppt und schließlich ermordet wurden, wachgehalten werden.

 

Friedolin Hauck in seiner Einladung: "Da die derzeitige angespannte finanzielle Lage der Stadt die Verwirklichung dieses Vorhabens in absehbarer Zeit nicht zulässt, möchte ich versuchen, durch die Gründung eines Fördervereins ideell und finanziell mitzuhelfen." Nach Haucks Vorstellungen sollten die Gründungsmitglieder einen Grundbetrag spenden. Über die Höhe eines jährlichen Beitrags und sonstige Aktivitäten sollten die Versammelten befinden, die an der Gründung des „Fördervereins jüdische Gedenkstätte Frankenthal e.V." Interesse zeigen. (rho)

 

Bericht in der RHEINPFALZ vom 9. Dezember 1992

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal besteht im Jahr 2018 seit 25 Jahren. In dieser Zeit haben Vereinsmitglieder zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern zahlreiche Informationen über die rund 250jährige Geschichte der Juden in Frankenthal dokumentiert. Tausende Texte und Fotos sind in einer digitalen Datenbank gespeichert und stehen jedem interessierten Bürger zur Verfügung.

 

Stadtführung "Juden in Frankenthal" mit einer Klasse des Karolinen-Gymnasiums

  

Am Gedenkplatz für die frühere Synagoge gab Herbert Baum vom Förderverein einen Überblick über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde. Eine Fotomappe illustrierte das Stadtleben in den vergangenen Jahrhunderten.

 

Der Förderverein informierte bei einer Stadtführung für eine Klasse des Karolinen-Gymnasiums am 18. April 2018 über das jüdische Leben in Frankenthal. Rund 25 Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrerin Karin Reißer-Mahla, Leiterin Sekundarstufe I, hörten zwei Stunden lang den Informationen von Herbert Baum und Werner Schäfer konzentriert zu. Mit Fotomappen konnten sie die Situation der vergangenen Jahrhunderte konkret nachvollziehen.

 

Wo heute die beiden Gymnasien stehen, befand sich bis 1945 die Heil- und Pflegeanstalt mit ihren zahlreichen Gebäuden und den Gartenanlagen.

 

In der Karolinenstraße lernten die Schüler mehr über die Geschichte der Karolinenschule bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Im Gehsteig erinnern heute sechs Stolpersteine an jüdische Schülerinnen und eine jüdische Lehrerin. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das frühere Haus der jüdischen Familie Kaufmann, die hier eine Brantwein-Handlung besaßen.

 

Auf dem Rathausplatz erinnerte Herbert Baum an die Zeit des Nationalsozialismus in Frankenthal.

 

Wo heute an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße ein großes Geschäfts- und Wohnhaus steht, lebte bis 1940 die jüdische Familie Schweitzer. Werner Schäfer, der seit einigen Jahren Kontakte zu Nachfahren in New York hält, informierte über das Leben der Familie in Frankenthal.

 

In der Schlossergasse, wo braune Steine im Gehweg den Verlauf des früheren Fuchsbachs anzeigen, erläuterte Herbert Baum die Funktion einer Mikwe, das jüdische Ritualbad vor allem für Frauen. Das Wasser einer Mikwe muss aus fließendem Grundwasser stammen oder aus einem Bach.

 

In der Glockengasse stand bis 1952 die Synagoge. Hier erläutert Herbert Baum die Geschichte der Juden in Frankenthal. Um 1785 gab es bereits eine jüdische Gemeinde mit einem Gemeindevorstand. Zwar hatten SA-Mitglieder in der sogenannten Reichskristallnacht am 10. November 1938 im Innern der Synagoge einen Brand entfacht. Dieser wurde jedoch von der verständigten Feuerwehr gelöscht. Die Synagoge wurde 1943 durch Bomben zerstört.

 

Der alte jüdische Friedhof mit dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1826 gibt einen Einblick in die jüdische Begräbniskultur.

Werner Schäfer informierte auf dem alten jüdischen Friedhof, der seit 1826 besteht, über die jüdische Begräbniskultur. Außerdem erläuterterte er die Herkunft der kleinen Grabsteine, die an gestorbene, in der NS-Zeit nach Frankenthal verschleppte Zwangsarbeiter aus osteuropäischen Ländern erinnern. Auf dem neuen jüdischen Friedhof werden heute wieder Juden beerdigt, die aus der früheren Sowjetunion stammen und seit 1990 in Frankenthal gelebt haben.

 

Stolpersteine reinigen in Frankenthal

Förderverein beteiligt sich am Freiwilligentag "Wir schaffen was" am Samstag  15. September 2018

Der Förderverein beteiligt sich am Freiwilligentag "Wir schaffen was" am Samstag, 15. September 2018.

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal beteiligt sich am Freiwilligentag „Wir schaffen was“ der Metropol- region Rhein-Neckar am Samstag, 15. September 2018. Von 11 bis 14 Uhr werden in der Frankenthaler Innenstadt 78 Stolpersteine gereinigt.

 

Vor Häusern, in denen Opfer der NS-Verfolgung gelebt haben, setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) kleine Betonquader in den Gehweg. Der Begriff "Stolperstein" ist im übertragenen Sinne gemeint: Menschen sollen auf etwas "gestoßen", aufmerksam gemacht werden. Ein kurzer Text, der immer mit den Worten "Hier wohnte ..." beginnt, ist in eine ebenerdig aufgebrachte, zehn mal zehn Zentimeter kleine Messingplatte eingeschlagen.  "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig: "Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten."

 

In Frankenthal wurden bisher 78 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Frauen, Männer und Kinder verlegt. Da das Metall mit der Zeit nachdunkelt und die Schrift schwerer lesbar wird, muss die Platte regelmäßig gereinigt werden.

 

Mitglieder des Fördervereins für jüdisches Gedenken Frankenthal informieren an den Verlegeorten mit Fotos über das Schicksal der Juden.

 

Der Förderverein stellt alle notwendigen Reinigungsmittel zur Verfügung. Bitte denken Sie daran, dass Sie sich öfters hinknien müssen. Nutzen Sie deshalb eventuell eine kleine Unterlage.

 

Die Aktion ist für alle Altersgruppen (ab 10 Jahren) geeignet.

 

Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Eingang zum Dathenushaus in der Kanalstraße. In unmittelbarer Nachbarschaft steht eine Tiefgarage Einfahrt Carl-Theodor-Straße zur Verfügung.

 

Nach der Aktion lädt der Förderverein alle Beteiligen zu Eis, Kaffee und Kuchen ein.

 

Informationen und Anmeldung:

 

https://www.wir-schaffen-was.de/mitmachen/helfer

 

Filmveranstaltung "Die Unsichtbaren"

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zeigte der Förderverein auch in diesem Jahr für alle weiterführenden Schulen einen Film.

 

Am Montag, 29. Januar 2018, lief im Lux-Kino in der August-Bebel-Straße der Film DIE UNSICHTBAREN (106 Minuten). Im Rahmen der Filmalternative wird der Film auch um 17.30 und 20 Uhr gezeigt.

 

Zur Schulveranstaltung kamen rund 120 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Der Film kam sehr gut an.

 

Zum Film:

 

Am 18. Februar 1943 schrieb Joseph Goebbels, Hitlers Propaganda-minister, in sein Tagebuch: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt bis Mitte, spätestens Ende März, Berlin gänzlich judenfrei zu machen.“ Dies ist Goebbels bis zu seinem Selbstmord am 1. Mai 1945, eine Woche vor der Kapitulation der Wehrmacht, nicht gelungen.

 

Zwischen 1941 und 1945 haben mehr als 7.000 Jüdinnen und Juden versucht, in der deutschen Hauptstadt im Versteck zu überleben. Nur etwa 1.500 Menschen haben es geschafft, die meisten mit der mutigen Hilfe von Nicht-Juden.

 

Oft ist es pures Glück und jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität.

 

Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku’damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist

da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert. Sie alle kämpfen für ein Leben in Freiheit, ohne wirklich frei zu sein...

 

DIE UNSICHTBAREN ist ein außergewöhnliches Drama, dessen Dreh- buch zum Teil auf Interviews mit Zeitzeugen basiert. Die chronologische Erzählung bleibt spannend bis zur Befreiung der Überlebenden. Viele Helfer werden jedoch ermordet. Zahlreiche Filmszenen zeigen den Alltag der Menschen in Berlin: Die grausamen Täter und die vielen Opfer in der Bevölkerung.

 

In Berlin überlebt:

Walter Abraham aus Frankenthal

Vortrag mit Fotos

Walther, Ruth und Reha wenige Wochen nach der Geburt

Der Förderveein ergänzte den Film mit einem Vortrag im Dathenushaus.

 

Walter Abraham wurde am 5. September1906 als Sohn von Julius und Elsa Abraham in Frankenthal geboren. Er war ebenso wie sein Vater ein erfolgreicher Möbelhändler. Am 14. Februar 1938 zog er nach Berlin, am 15. Januar 1939

heiratete er dort Ruth Fromm.

 

„Mein Wunsch und mein Bedürfnis, ein Kind zu bekommen, trieben mich an, gaben mir etwas, wofür es sich zu leben lohnte“, erzählt Ruth Abraham in dem Buch „Ruth und Maria. Eine Freundschaft auf Leben und Tod (Berlin 1942–1945)“.

 

Als sie im Frühjahr 1942 schwanger wurde, beschloss das Paar, lieber unterzutauchen als sich deportieren zu lassen. Im Sommer 1942 begannen beide mit der Planung ihres „Verschwin- dens“. Reha Abraham wurde am 19. Januar 1943 geboren (Foto). Die Familie überlebte die NS-Diktatur.

 

Gedenkveranstaltung "Reichskristallnacht"

In der Synagoge in der Glockengasse wurden am 10. November 1938 morgens im Innern Materialien entzündet. Die Feuerwehr löschte den Brand.

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal erinnerte am 9. November an die "Reichskristallnacht" in Frankenthal. In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Andreas Schwarz, dass Gräueltaten der NS-Diktatur seit 1933 auch in Frankenthal stattgefunden haben. Herbert Baum vom Förderverein informierte über das Leben von Paula Levi, die in Berlin in den 1930er Jahren als Sängerin berühmt wurde. Eugen Orkin, Lehrer (Klarinette) der Städtischen Musikschule, spielte zwei Musikstücke. Am Gedenkstein in der Glockengasse sprach Rüdiger Stein vom Förderverein über das Leid der vielen Opfer.

 

In der Glockengasse erinnern ein Gedenkstein und eine Informationstafel an die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankenthal. An der Ecke der heutigen Glockengasse und Synagogengasse stand seit 1791 eine Synagoge.

Die Nacht vom 9. auf 10. November 1938 bleibt den Juden weltweit als "Reichskristallnacht" bis heute in Erinnerung. In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet oder zerstört sowie etwa 7500 Geschäfte geplündert. Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November das Innern der Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Ihnen folgte wenig später die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die 23 Frankenthaler Juden in "Schutzhaft" nahm, unter anderem Julius Abraham und Carl Schweitzer. Sie wurden am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München transportiert.

Vom 26. bis 28. Juni 1950 fand am Landgericht Frankenthal der Prozess gegen 17 mutmaßliche Teilnehmer der Plünderungen und Zerstörungen in der "Reichskristallnacht" statt. Vier von ihnen wurden wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit verurteilt. Sieben wurden freigesprochen, gegen sechs wurde das Verfahren eingestellt.

 

"Leben? Oder Theater? "

Das Leben der Charlotte Salomon

Selbstportrait von Charlotte Salomon

In einem gut besuchten Vortrag am 9. November 2017 informierte Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken an Charlotte Salomon.

 

Die in Frankenthal geborene bekannte Sängerin Paula Levi-Lindberg heiratet 1930 den Berliner Arzt Albert Salomon. Als Stiefmutter kümmert sie sich auch um dessen Tochter Charlotte. Das 13jährige Mädchen leidet unter den bisherigen Familienverhältnissen. Ihre Mutter und deren Schwester haben sich selbst getötet. In der Jugendphase ist sie den Auswirkungen der NS-Diktatur ausgesetzt. 1939 flüchtet sie zu ihren Großeltern nach Südfrankreich. Dort erlebt sie die Selbsttötung der Großmutter und die Internierung im Lager Gurs. Bevor sie an ihrem Leben verzweifelt, zieht sie sich zurück und malt innerhalb von zwei Jahren rund 1300 Kunstwerke, in denen sie sich mit ihrem bisherigen Leben auseinandersetzt: "Leben? oder Theater?" (Das Foto zeigt ein Selbstporträt von Charlotte Salomon im Jahr 1940). Sie heiratet und wird schwanger. 1943 wird sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Ihr künstlerisches Lebenswerk blieb erhalten.

 

Der Vortrag beschrieb das Leben Charlottes anhand ausgewählter Werke aus ihrem Nachlass. Im Buchhandel gibt es mehrere Darstellungen zum Leben und Werk von Charlotte Salomon.

 

Lazarus Levi, Paula Levi-Lindberg und Charlotte Salomon

Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg

Das Grab von Lazarus und Sophie Levi auf dem neuen jüdischen Friedhof Frankenthal

Im Internet kann man bei Wikipedia folgende Informationen nachlesen: "Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal als Paula Levi geboren. Ihr Vater war der jüdische Religionslehrer und Kantor Lazarus Levi, der als Sänger einen besonderen Ruf weit über Frankenthal hinaus hatte. Er wurde am 16. Juli 1862 in Eckardroth geboren und kam 1896 nach Frankenthal, das damals zu Bayern gehörte. Lazarus Levi starb am 17. November 1919, seine Ehefrau am 26. November 1930, beide in Frankenthal. Das Grab auf dem neuen Judenfriedhof in Frankenthal ist heute noch erhalten." Die Familie wohnte in der Karolinenstraße 7.

 

Lazarus und Sophie Levi

Anlässlisch des Todes von Lazarus Levi schreibt die Frankenthaler Zeitung am Dienstag, 18. November 1919, über Kantor Levi: "Der Kantor und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Lazarus Levi, ist am Sonntag nach langem Leiden gestorben. Herr Levi hat hier 22 Jahre amtiert und sich die Hochachtung aller Kreise erworben, die seinen Tod aufrichtig beklagen. Er stammte aus Unterfranken, wo er in Eckardroth 1862 geboren war. Seinen Studien oblag er an mehreren bayerischen Lehrerseminaren. 1896 kam er als Religionslehrer und Kantor nach Frankenthal, wo er seitdem wirkte, bis er im vergangenen Jahr wegen Krankheit in den Ruhestand treten mußte. Im Jahr 1897 verheiratete er sich mit Sophie Mayer, der Tochter des Herrn Jakob Mayer. Die israelitische Gemeinde verliert in ihm eines ihrer rührigsten Mitglieder, einen eifrigen Förderer ihres Vereinswesens und Gesanges. Als Sänger genoß Herr Levi besonderen Ruf weit über die Stadt hinaus."

Ein Jugendporträt von Paula Levi

Erst nach dem Tod ihres Vaters konnte Paula Levi ihren Wunsch verwirklichen, Sängerin zu werden.

 

Ihre Ausbildung erhielt Paula hauptsächlich in Mannheim und Berlin durch Julius von Raatz-Brockmann. Sie wurde in den 1920er Jahren unter dem Namen Paula Lindberg bekannt und trat hauptsächlich in Werken der Barockzeit auf, aber auch in moderneren Werken. Zwischen 1930 und 1933 sang sie die Altpartien bei den Aufführungen der Bach-Kantaten in der Leipziger Thomaskirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

Paula Salomon-Lindberg

Am 4. September 1930 heiratete Paula Lindberg mit 32 Jahren in Frankenthal den Chirurgen Albert Salomon (1883–1976) und nannte sich Paula Salomon-Lindberg. Nach Auftrittsverboten 1933 sang sie noch bis 1937 für den Jüdischen Kulturbund Berlin. 1939 floh sie mit ihrem Mann nach Amsterdam, wo beide 1943 im Konzentrationslager Westerbork interniert wurden, später aber flüchten und die Besatzungszeit bis 1944 versteckt überleben konnten.

 

Nach dem Krieg lebte Paula Lindberg-Salomon in den Niederlanden. Sie setzte dort ihre künstlerische Laufbahn mit großem Erfolg fort. Sie starb am 17. April 2000 in Amsterdam.

 

Interview mit Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon für das Pariser Journal 1963. Sie sprechen vor allem über Charlotte Salomon.

 

Wegen ihrer Flucht aus Berlin mussten Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon fast alle privaten Sachen zurücklassen. Was sie noch hatten, verloren sie durch die Internierung im Konzentrationslager Westerbork. Charlotte Salomon nahm drei Schallplatten mit zu ihren Großeltern nach Südfrankreich.

 

Charlotte Salomon mit ihrem Vater Albert Salomon

Charlotte Salomon wurde als Tochter des Chirurgen Professor Albert Salomon (1883–1976) und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald (1890–1926), in eine liberale jüdische Familie geboren. Sie wuchs in einem bürgerlichen Umfeld in Berlin-Charlottenburg auf.

 

Nach dem Suizid ihrer Mutter 1926 heiratete ihr Vater 1930 die Konzertsängerin Paula Lindberg.

 

Charlotte verließ das Fürstin-Bismarck-Gymnasium 1933, ein Jahr vor dem Abitur, um den antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, die dort immer mehr zur Tagesordnung gehörten.

 

Ab Wintersemester 1935/36 war sie Studentin an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst. Nachdem ihr bei einem Wettbewerb der Kunsthochschule der erste Platz, der ihr von der Jury zuerkannt werden sollte, wegen ihrer jüdischen Herkunft versagt wurde, verließ sie die Hochschule im Herbst 1937.

Charlotte mit ihren Großeltern in Südfrankreich

Im Januar 1939 emigrierte Charlotte Salomon nach Frankreich. Dort lebte sie in Villefranche-sur-Mer bei Nizza bei ihren Großeltern.

 

Charlotte Salomon und ihr Großvater (ihre Großmutter hatte sich im März 1940 das Leben genommen) wurden im Lager Gurs interniert, kurze Zeit später jedoch wegen des hohen Alters des Großvaters wieder freigelassen.

 

Der Tod der Großmutter und das Erlebnis der Internierung versetzten Charlotte Salomon in eine tiefe Krise. Um die Ereignisse zu verarbeiten, begann sie auf Anraten eines Arztes wieder zu malen.

Zwischen 1940 und 1942 entstanden binnen 18 Monaten 1325 Gouachen in einem expressionistischen Stil. Etwa 800 Blätter im Format 32,5 x 25 cm hat Charlotte Salomon ausgewählt und nummeriert. Zusammen mit erläuternden Texten und Hinweisen auf Musikstücke erzählen sie unter dem Titel "Leben? Oder Theater?" ihr Leben. Das Werk ist in seinem Aufbau einem Theaterstück mit allen seinen Bestandteilen in Akten und Szenen vergleichbar.

 

Im Juni 1943 heiratete sie den österreichischen Emigranten Alexander Nagler. Nach der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen 1943 wurden Charlotte Salomon und ihr Mann verraten und am 24. September in Nizza verhaftet. Am 27. September wurde das Ehepaar in das Sammellager Drancy bei Paris und am 7. Oktober in das Vernichtungslager Auschwitz  deportiert. Charlotte Salomon, im fünften Monat schwanger, wurde vermutlich sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann starb später an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen.

Charlotte Salomons Werk "Leben? Oder Theater? Ein Singspiel" hat die NS-Zeit überlebt. Ihr Vater und ihre Stiefmutter haben die Bilder dem Jüdischen Museum in Amsterdam übergeben. 1961 wurden sie zum ersten Mal öffentlich gezeigt. 1963 erschien der erste Bildband mit einer Auswahl ihrer Gouachen.

 

Eine Auswahl der Bilder wurde bereits mehrmals öffentlich ausgestellt. Das Singspiel diente als Vorlage für die Oper "Charlotte Salomon", die als Auftragswerk der Salzburger Festspiele am 28. Juli 2014 in einer Inszenierung von Luc Bondy aufgeführt wurde.

 

 

 

 

 

Wir schaffen was - auch im September 2018

Reingung der Stolpersteine in Frankenthal

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Stolpersteine nach der Verlegung

Zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus hat der Kölner Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) im Jahr 2000 die Aktion "Stolpersteine" ins Leben gerufen. Vor Häusern, in denen Opfer der NS-Verfolgung gelebt haben, setzt Demnig kleine Betonquader in den Gehweg. Der Begriff "Stolperstein" ist im übertragenen Sinne gemeint: Menschen sollen auf etwas "gestoßen", aufmerksam gemacht werden. Ein kurzer Text, der in der Regel mit den Worten "Hier wohnte ..." beginnt, ist in eine ebenerdig aufgebrachte, zehn mal zehn Zentimeter kleine Messingplatte eingeschlagen.

 

Nach einiger Zeit verdunkeln sich die Stolpersteine. Die Schrift ist dann nur noch schwer lesbar.

Der Förderverein hat seit 2005 78 Stolpersteine verlegen lassen. Die Spenden, rund 8000 Euro, kamen alle von engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen. Viele setzen sich mit dem Leben der Menschen auseinander. Mehrere Nachfahren nahmen an der Verlegung teil. Im Internet sind im Kapitel "Stolpersteine" alle Aktivitäten dokumentiert.

Da die Metalloberfläche der Steine nach einiger Zeit nachdunkelt, muss diese regelmäßig gereinigt werden, um lesbar zu bleiben. Der Förderverein wird sich auch im September 2018 an der Aktion "Wir schaffen was" der Metropolregion Rhein-Neckar beteiligen.

 

Mitglieder des Fördervereins informierten an den jeweiligen Verlegeorten über das Leben der jüdischen Männer, Frauen und Kinder.

 

Kostenlose Führungen

Die Bahnhofstraße und Blick auf den Marktplatz um 1930

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert auf Anfrage kostenlose Führungen zu verschiedenen Themen: Geschichte der Juden in Frankenthal, Jüdische Geschäfte in der Innenstadt, Stolpersteine, Jüdische Friedhöfe, NS-Zeit in Frankenthal, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

 

Setzen Sie sich mit dem Förderverein in Verbindung.

 

Neues Buch über Frankenthaler Juden

"Gegen das Vergessen!"

Stolpersteine geben den Menschen ihre Geschichte

Der Förderverein verlegte gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig bisher 61 Stolpersteine für jüdische Männer, Frauen und Kinder. Das Buch "Gegen das Vergessen!" erzählt auf 236 Seiten die Geschichten zu den Stolpersteinen. Es wurde bei der Gedenkveranstaltung zur "Reichskristallnacht" am 9. November 2015 vorgestellt.

 

Das Buch kann zurzeit nur beim Förderverein und im Erkenbert-Museum gekauft werden. Es kostet 12 Euro (Einführungspreis).

 

Schicken sie eine Nachricht per Post oder E-Mail (Adresse siehe links).

 

Das Buch kann auch als digitale Version verschickt werden.

 

Jüdische Juristen in Frankenthal

Broschüre von Paul Theobald

Die Rechtsanwälte Richard (links) und Friedrich Mann flohen aus Deutschland nach England.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Frankenthal 371 Juden unter 16.899 Einwohnern. Dies waren rund zwei Prozent.

 

Viele von ihnen waren angesehene Bürger: Rechtsanwälte, Ärzte, Richter, Lehrer, Bankiers, Geschäftsinhaber, die in das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben der Stadt voll integriert waren, es in vielen Bereichen maßgeblich prägten und sich in zahlreichen Vereinen und Organisationen engagierten.

 

Der erste jüdische K.-Advokat und Rechtsanwalt, der sich in Frankenthal niederließ, war Justizrat Cornelius David, geboren 1828 in Speyer, der „zufolge Allerhöchsten Decretes Sr. Maj. des Königs“ vom 26. Juni 1865 berufen wurde.

 

2016 erinnerte das Landgericht Frankenthal an 200 Jahre seines Bestehens. Für Paul Theobald, der zahlreiche Details der Geschichte der Juden in Frankenthal erforscht hat, war dies ein Anlass, sich den Beitrag der jüdischen Juristen zur Stadt- und Justizgeschichte genauer anzuschauen. Das Ergebnis seiner Forschungen liegt nun als 64seitige Broschüre vor.

 

Bei der Stolperstein-Verlegung für ihre Vorfahren Richard und Friedrich Mann waren auch die Nachkommen Richard und Laura Thomas aus England anwesend. Links der Initiator der Stolperstein-Verlegung Gunter Demnig.

Die Familie Mann wohnte über mehrere Generationen in Frankenthal. Richard Mann, 1873 in Frankenthal geboren, studierte Jura an den Universitäten in München, Berlin, Bonn und Erlangen. Am 2. Mai 1899 wurde er als Rechtsanwalt beim Königlichen Landgericht Frankenthal zugelassen.


Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutete das Ende seiner juristischen Karriere. Am 20. März 1936 wurde er aus der Liste der beim Landgericht Frankenthal zugelassenen Rechtsanwälte gestrichen, da er auf seine Zulassung verzichtet hatte.

 

Richard Mann flüchtete 1938 von Frankfurt nach England, wo er 1953 in Oxford starb.

 

Sein Sohn Friedrich Mann, 1907 in Frankenthal geboren, besuchte das Humanistische Gymnasium Frankenthal und studierte in Genf, München und Berlin Rechtswissenschaften. 1934 flüchtete er mit seiner Frau, der Juristin Eleonore Ehrlich (1907–1980), nach London. Er wurde zu einem Juristen von internationalem Ruf und publizierte zahlreiche wichtige juristische Werke. Er starb 1991 in London.

 

Paul Theobald beschreibt das Schicksal vieler Juristen in Frankenthal.

 

Der jüdische Richter Emil Rosenberg, nach dem heute eine Straße am Justizgebäude der Stadt benannt ist, wurde vom NS-Staat bereits 1933 „in den Ruhestand versetzt“. 1938, in der Reichspogromnacht, verwüsteten Nazi-Schläger das Haus der Familie Rosenberg in der Vierlingstraße 13. Im Herbst 1940 wurde das Ehepaar nach Gurs in Südfrankreich deportiert, im August 1942 kamen beide nach Auschwitz und wurden dort ermordet.

 

Paul Theobald:

Die jüdischen Juristen in Frankenthal

Edition Winterwork (Borsdorf) 2017. 64 Seiten. 10,90 Euro.

ISBN 978-3-96014-383-3

 

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulen

Projekte für politische Erziehung

In der Berufsbildenden Schule erzählte der Holocaust-Überlebende Paul Niedermann 2007 über seine Deportation nach Gurs in Südwestfrankreich und seine Rettung aus dem Lager.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert seit über 20 Jahren Veranstaltungen zum Gedenken und Erinnern an die Ermordung der europäischen Juden, aber auch an die fast 2000 Jahre lange Geschichte der Juden in Deutschland.

 

"Nicht schon wieder Nationalsozialismus", klagt mancher Schüler. Der Förderverein kooperiert vor allem mit weiterführendenden Schulen. Neben Vorträgen, Filmen und Ausstellungen gibt es größere Projekte: Stolpersteine in Frankenthal, Baucamp auf den jüdischen Friedhöfen, Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager Struthof im Elsass, Führungen zum jüdischen Leben in Frankenthal.

 

In den vergangenen Tagen hat der Förderverein verschiedene Aktivitäten mit Schulen durchgeführt. Über 50 Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule fuhren in das ehemalige Konzentrationslager in Struthof im Elsass. Jugendliche des Instituts für Hören und Kommunikation (PIH) informierten sich über die Aktion Stolpersteine, über die "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 und über das ehemalige Kriegsgefangenenlager auf dem Schützenplatz zwischen dem Schießgartenweg und der Straße Am Kanal.

 

Vor allem mit diesen aktuellen Aktivitäten bietet der Förderverein den Schulen ein optimales Angebot für das Kennenlernen der lokalen Geschichte.

 


Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule besuchten am 5. November das ehemalige Konzentrationslager Stuthof im Elsass. Am Ehrenmal für die französichen Opfer legten sie Blumen nieder.

Kooperationen mit Schulen

Eine Menschenkette rund um das Karolinen-Gymnsium soll deutlich machen, dass hier künftig keine Schülerinnen und Lehrerinnen mehr ausgegrenzt werden. Das Gymnasium hat den Titel "Schule ohne Rasismus - Schule mit Courage".

Menschenkette, Stolpersteine und Ausstellung

Fotos vom Aktionstag des Karolinen-Gymnasiums

Zeitzeugen in Schulen

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln.

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln. 

 

Auch der Förderverein sucht Zeitzeugen.

 

 

 

Weitere Informationen zum Thema "Jugend in der NZ-Zeit" siehe im Kapitel "Frankenthal in der NS-Zeit".