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Jugendliche alters­ge­recht ansprechen

Gedenkstätten und Initiativen verstärken Bildungsarbeit

Foto: Anke Kristina Schäfer

 

Erklärung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz

 

Die LAG mit ihren 70 Mitgliedsinitiativen beschloss am 30.11.2019 im

„Haus des Erinnerns - für Demokratie und Akzeptanz “ in Mainz eine Erklärung zur aktuellen Situation:

 

Gegen Hass und Terror – für Toleranz, Menschenrechte, Freiheit und Demokratie.

 

Nie waren Judenhass, Antisemitismus und antisemitische Gewalttaten, aber auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ganz verschwunden. Das jüngste Beispiel ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, bei dem zwei Menschen getötet worden sind. Diese Taten haben oft einen rechtsextremistischen Hintergrund.

 

Der rechtsradikalen Anschauung sind nicht nur Menschen mit jüdischem Glauben zum Opfer gefallen, sondern auch andere, die nicht in das menschenverachtende Weltbild rechter Kreise passen: beispielsweise die vom NSU Ermordeten und der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke. Die Amadeu Antonio Stiftung zählt seit der Wieder­vereini­gung im Oktober 1990 insgesamt 198 Opfer dieser rechten Gewalt.

 

Alle diese Verbrechen waren vorbereitet, angekündigt, unterstützt und begleitet durch ein gesell­schaftliches Klima, das nahezu alltäglich geworden zu sein scheint und sich in den sozialen Me­dien des Internets mittels Hetze, Kumpanei und sogar Jubel Gleichgesinnter hervortut – und das vor dem Hintergrund unserer Geschichte, die in nur 12 Jahren des Nationalsozialismus die schlimmsten Verbrechen hervorgebracht hat. Gerade deshalb sind alle Kräfte aufgerufen, diesen Tendenzen entschieden entgegenzutreten!

 

Gefordert sind nicht nur die staatlichen Organe, welche die in Deutschland von rechter Gewalt bedrohten Menschen schützen müssen sowie gegen Hass und Gewalt im Internet vorzugehen haben. Auch in den Schulen ist für ein Klima der Toleranz und der Menschenfreundlichkeit zu sorgen und die politische Bildungsarbeit muss ausgeweitet werden.

 

All das muss die Politik mit vollem Engagement und auf Dauer leisten. Aber sie braucht dafür unbedingt die Unterstützung der Zivilgesellschaft: jede und jeder Einzelne von uns und auch Vereine, Initiativen und Organisationen. Rheinland-Pfalz ist ein Land des ehrenamtlichen Engagements.

Wir als Landesarbeitsgemeinschaft und auch als Repräsentanten von diversen Initiativen wollen uns auch in der Zukunft entschieden in diesen Prozess gegen Rassismus und Antisemitismus und für Toleranz, Frieden und Demokratie einbringen.

 

Verstärkt werden wir uns um die Aufklärung über den Nationalsozialismus und die Verbrechen während der NS-Zeit bemühen sowie über die Opfer dieser menschenverachtenden Politik informieren, und zwar insbesondere vor Ort in den Gemeinden unseres Landes.

 

Dazu wollen wir – im Rahmen unserer Möglichkeiten – mehr und mehr in die Schulen gehen, Jugendliche alters­ge­recht ansprechen, aber auch die MultiplikatorInnen in der politischen Bildungsarbeit unterstützen und in der Erwachsenenbildung präsent sein.  

 

 

(Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal ist Grundungsmitglied der LAG.)

 

Gedenken und Erinnern: "Reichskristallnacht"

Erinnerungen an den Brand der Synagogen und an

die Gewalttaten gegen jüdische Männer, Frauen und 

Kinder am 9. und 10. November 1938

Herbert Baum informierte über Rabbiner und Kantoren in Frankenthal.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal erinnert jedes Jahr am 9. November an die "Reichskristallnacht" in Frankenthal.

 

Ein solches Ereignis dürfe sich so nie wiederholen, sei die Grundmaxime in der jungen Bundesrepublik gewesen. Derzeit müsse der Blick wieder sorgenvoll in die Gegenwart gerichtet werden, betonte Bürgermeister Bernd Knöppel im Foyer des Dathenushauses vor rund 80 Besuchern. Das Attentat auf ein jüdisches Gebetshaus in Halle habe in erschreckender Weise gezeigt, dass derlei Dinge doch wieder möglich seien. Antisemitismus sei Teil des Alltags und ein europaweites Problem. Es würden teilweise verstörende Botschaften verbreitet – beispielsweise in Rapsongs.

 

Herbert Baum vom Förderverein informierte über Rabbiner und Kantoren, die in Frankenthal gearbeitet haben. Am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in der Glockengasse erinnerte er an die Ereignisse am 10. November 1938.

 

Der Gedenkstein in der Glockengasse erinnert an die Jüdische Gemeinde Frankenthal und an den früheren Standort der Synagoge.

Die Nacht vom 9. auf 10. November 1938 bleibt den Juden weltweit als "Reichskristallnacht" bis heute in Erinnerung. In 48 Stunden wurden in Deutschland mindestens 91 Juden ermordet, mehr als 1400 Synagogen und Beträume verwüstet und etwa 7500 Geschäfte geplündert. Auch in Frankenthal wurde am Morgen des 10. November das Innern der Synagoge in der Glockengasse in Brand gesteckt. Noch während die Feuerwehr die Flammen bekämpfte, zogen Frankenthaler Nationalsozialisten durch die Stadt und verwüsteten zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen. Ihnen folgte wenig später die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die 23 Frankenthaler Juden in „Schutzhaft“ nahm, unter anderem Julius Abraham und Carl Schweitzer. Sie wurden am nächsten Tag in das Konzentrationslager Dachau bei München überführt.

 

Die Frankenthaler jüdische Geschäftswelt bis 1938

Frankenthal um 1933 (Foto: Stadtarchiv)

Über die jüdische Geschäftswelt in Frankenthal bis 1938 und die Geschäftsstraßen in den 1970er Jahren informierte in einem Vortrag der Volkshochschule Werner Schäfer vom Förderverein für jüdisches Gedenken in Frankenthal

    

22 Besucher verfolgten aufmerksam die zahlreichen Fotos und Texte.

 

Aufgrund der Industrialisierung im 19. Jahrhundert nahm auch in Frankenthal die Zahl der Einwohner schnell zu. Viele Juden aus der Pfalz zogen hierher. Sie kamen durch Handel und Gewerbe zu Wohlstand und Ansehen. Von den 70 Geschäften, die das Handels- und Firmen-Adressbuch 1864 für Frankenthal nennt, wurden 17 von Juden geführt. Sie betrieben Handel mit Getreide und Mehl, Wein und Vieh, Manufaktur- und Ellenware, Hopfen- und Brauereipech. Abraham Weil besaß eine Kleiderfabrik und Johann Baptist Levi war als königlich-bayerischer Hypothekenberater tätig.

 

Mitgliederversammlung mit Wahlen am 13. Mai 2019

Bisheriger Vorstand wurde bestätigt

Bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins am 13. Mai 2019 wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt.

 

1. Vorsitzende ist Herbert Baum, 2. Vorsitzender Rüdiger Stein, Werner Schäfer ist wieder Kassierer, Sieglinde Ganz-Walther und Jeanne Petermann wurden in den Beirat gewählt. Als Revisor/in wurden Jutta Popitz und Rudolf Walter bestätigt.

  

Sie waren unsere Nachbarn

Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden 

Neues Buch von Paul Theobald

Der Frankenthaler Heimatforscher Paul Theobald hat ein neues Buch veröffentlicht: "Sie waren unsere Nachbarn - Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden".

 

In seinem Vorwort schreibt der Frankenthaler Oberbürger- meister Martin Hebich:

 

"In mühevoller Kleinarbeit wurde die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal recherchiert, wie auch Einzelschicksale beleuchtet wurden. Wo heute in Frankenthal (Pfalz) noch Straßennamen oder Stolpersteine an ehemals historische Begebenheiten erinnern, war vielen Juden um 1933 noch nicht bewusst, welches Schicksal sie ereilen sollte. Das Buch "Sie waren unsere Nachbarn" schafft den Brückenschlag zwischen Historie und Gegenwart und stellt gerade durch die Beschreibung der Einzelschicksale nochmals deutlich das Unrecht dar, das den Juden auch in Frankenthal (Pfalz) widerfahren ist." 

 

Das Buch ist im Verlag DeBehr erschienen und kostet 14.95 Euro. Es kann im Buchhandel oder im Internet gekauft werden.

  • ISBN-13: 9783957535627
  • Bestellnummer: 8849662
  • Umfang: 707 Seiten

Die Sterne der Heimat 

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil 

Neues Buch von Paul Theobald

Die Sterne der Heimat

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil in Frankenthal

 

von Paul Theobald

 

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt", steht im Artikel 1 Abs. 1 des Grundgesetzes.

 

Als das Grundgesetz nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde, war den Menschen bewusst, welche Folgen es hat, wenn die Würde des Menschen angetastet wird. Deshalb wird deren Unantastbarkeit im Grundgesetz herausgestellt.

 

Die Geschichte der jüdischen Familie Aron Weil, die als eine der wenigen Familien drei Generationen in Frankenthal  lebten, zeigt deutlich, welche Folgen die Missachtung der Würde des Menschen hat.

 

Verlag:

Re Di Roma

ISBN:

9783961035403

3961035407

10,95 Euro

 

3D-Animation der Frankenthaler Synagoge

Eine erste 3D-Rekonstruktion der Außenansicht der Frankenthaler Synagoge auf dem Katasterplan von 1837.

 

Bei dem Vortrag über "Rabbiner und Kantoren in Frankenthal" im VHS-Bildungszentrum zeigte Friedemann Seitz seine ersten 3D-Rekonstruktionen der Außenansicht der Frankenthaler Synagoge. Er versucht, soweit es möglich ist, die Maße und Formen anhand von Grundrissen und Stadtplänen sowie Zeichnungen und Fotos heranzuziehen.

 

Friedemann Seitz, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Frankenthal, arbeitet seit einigen Jahren mit dem Programm SketchUp an 3D-Rekonstruktionen wichtiger Gebäude. Bisher hat er unter anderem die zerstörte lutherische Kirche in Frankenthal und das Oggersheimer Schloss dargestellt. In Oggersheim arbeitet er beim Heimatkundlichen Arbeitskreis mit.

 

Die zweite größere Synagoge wurde am 28. August 1885 in der Glockengasse 12 eingeweiht.

Oppenheimer Synagoge als 3D-Animation

Die 1938 zerstörte, letzte Synagoge der Stadt Oppenheim hat der Architekt Heribert Hamann in mühevoller Spurensuche als 3D-Modell rekonstruiert, auch mit Hilfe zweier Zeitzeugen.

Die 1938 zerstörte, letzte Synagoge der Stadt Oppenheim hat der Architekt Prof. Heribert Hamann in mühevoller Spurensuche als 3D-Modell rekonstruiert, auch mit Hilfe zweier Zeitzeugen.

 

 

 

 

 

 

 

https://www.swr.de/landesschau-rp/80-jahre-progromnacht-am-9-oppenheimer-synagoge-als-3d-animation/-/id=122144/did=22748508/nid=122144/f0ud7y/index.html

 

 

Förderverein reinigte Stolpersteine

In Frankenthal wurden seit 2005 78 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Frauen, Männer und Kinder verlegt. Da das Metall mit der Zeit nachdunkelt und die Schrift schwerer lesbar wir, muss es regelmäßig gereinigt werden. Drei Generationen waren aktiv.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal beteiligte sich am Freiwilligentag "Wir schaffen was" der Metropolregion Rhein-Neckar am

15. September 2018. Von 11 bis 13 Uhr wurden in der Frankenthaler Innenstadt Stolpersteine gereinigt. Die jüngste Mitarbeiterin war fast fünf Jahre alt. Von der Ahmadiyya Jugend Frankenthal beteiligten sich fünf Mitglieder. Interessant waren die vielen Gespräche, die sich bei der Reinigungsaktion mit Hausbewohnern und Passanten ergaben. Zum Abschluss gab es Eis und Kaffee in der Bahnhofstraße.

 

In Frankenthal wurden seit 2005 87 Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Frauen, Männer und Kinder verlegt. Da das Metall mit der Zeit nachdunkelt und die Schrift schwerer lesbar wir, muss es regelmäßig gereinigt werden.

 

Stadtführung "Juden in Frankenthal" mit Schulklassen

  

Am Gedenkplatz für die frühere Synagoge gibt Herbert Baum vom Förderverein einen Überblick über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde. Eine Fotomappe illustriert das Stadtleben in den vergangenen Jahrhunderten.

 

Der Förderverein informierte bei Stadtführungen für Schulklassen über das jüdische Leben in Frankenthal. Mit Fotomappen können sie die Situation der vergangenen Jahrhunderte konkret nachvollziehen.

 

Wo heute die beiden Gymnasien stehen, befand sich bis 1945 die Heil- und Pflegeanstalt mit ihren zahlreichen Gebäuden und den Gartenanlagen.

 

In der Karolinenstraße lernen die Schüler mehr über die Geschichte der Karolinenschule bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Im Gehsteig erinnern heute sechs Stolpersteine an jüdische Schülerinnen und eine jüdische Lehrerin. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das frühere Haus der jüdischen Familie Kaufmann, die hier eine Brantwein-Handlung besaßen.

 

Auf dem Rathausplatz erinnert Herbert Baum an die Zeit des Nationalsozialismus in Frankenthal.

 

Wo heute an der Ecke Rathausplatz und Bahnhofstraße ein großes Geschäfts- und Wohnhaus steht, lebte bis 1940 die jüdische Familie Schweitzer. Werner Schäfer, der seit einigen Jahren Kontakte zu Nachfahren in New York hält, informiert über das Leben der Familie in Frankenthal.

 

In der Schlossergasse, wo braune Steine im Gehweg den Verlauf des früheren Fuchsbachs anzeigen, erläutert Herbert Baum die Funktion einer Mikwe, das jüdische Ritualbad vor allem für Frauen. Das Wasser einer Mikwe muss aus fließendem Grundwasser stammen oder aus einem Bach.

 

In der Glockengasse stand bis 1952 die Synagoge. Hier erläutert Herbert Baum die Geschichte der Juden in Frankenthal. Um 1785 gab es bereits eine jüdische Gemeinde mit einem Gemeindevorstand. Zwar hatten SA-Mitglieder in der sogenannten Reichskristallnacht am 10. November 1938 im Innern der Synagoge einen Brand entfacht. Dieser wurde jedoch von der verständigten Feuerwehr gelöscht. Die Synagoge wurde 1943 durch Bomben zerstört.

 

Der alte jüdische Friedhof mit dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1826 gibt einen Einblick in die jüdische Begräbniskultur.

Werner Schäfer informiert auf dem alten jüdischen Friedhof, der seit 1826 besteht, über die jüdische Begräbniskultur. Außerdem erläutertert er die Herkunft der kleinen Grabsteine, die an gestorbene, in der NS-Zeit nach Frankenthal verschleppte Zwangsarbeiter aus osteuropäischen Ländern erinnern. Auf dem neuen jüdischen Friedhof werden heute wieder Juden beerdigt, die aus der früheren Sowjetunion stammen und seit 1990 in Frankenthal gelebt haben.

 

Für Schulen: Filmveranstaltung "Die Unsichtbaren"

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus zeigte der Förderverein 2019 zum zweiten Mal den Film "Die Unsichtbaren" Film für alle weiterführenden Schulen im Lux-Kino in der August-Bebel-Straße .

 

Zu den Schulveranstaltung kommen zwischen 120 und 250 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. 

 

Zum Film:

 

Am 18. Februar 1943 schrieb Joseph Goebbels, Hitlers Propaganda-minister, in sein Tagebuch: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt bis Mitte, spätestens Ende März, Berlin gänzlich judenfrei zu machen.“ Dies ist Goebbels bis zu seinem Selbstmord am 1. Mai 1945, eine Woche vor der Kapitulation der Wehrmacht, nicht gelungen.

 

Zwischen 1941 und 1945 haben mehr als 7.000 Jüdinnen und Juden versucht, in der deutschen Hauptstadt im Versteck zu überleben. Nur etwa 1.500 Menschen haben es geschafft, die meisten mit der mutigen Hilfe von Nicht-Juden.

 

Oft ist es pures Glück und jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität.

 

Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Kurfürstendamm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist

da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert. Sie alle kämpfen für ein Leben in Freiheit, ohne wirklich frei zu sein...

 

DIE UNSICHTBAREN ist ein außergewöhnliches Drama, dessen Drehbuch zum Teil auf Interviews mit Zeitzeugen basiert. Die chronologische Erzählung bleibt spannend bis zur Befreiung der Überlebenden. Viele Helfer werden jedoch ermordet. Zahlreiche Filmszenen zeigen den Alltag der Menschen in Berlin: Die grausamen Täter und die vielen Opfer in der Bevölkerung.

 

"Leben? Oder Theater? "

Das Leben der Charlotte Salomon

Selbstportrait von Charlotte Salomon

In einem gut besuchten Vortrag am 9. November 2017 informierte Herbert Baum vom Förderverein für jüdisches Gedenken an Charlotte Salomon.

 

Die in Frankenthal geborene bekannte Sängerin Paula Levi-Lindberg heiratet 1930 den Berliner Arzt Albert Salomon. Als Stiefmutter kümmert sie sich auch um dessen Tochter Charlotte. Das 13jährige Mädchen leidet unter den bisherigen Familienverhältnissen. Ihre Mutter und deren Schwester haben sich selbst getötet. In der Jugendphase ist sie den Auswirkungen der NS-Diktatur ausgesetzt. 1939 flüchtet sie zu ihren Großeltern nach Südfrankreich. Dort erlebt sie die Selbsttötung der Großmutter und die Internierung im Lager Gurs. Bevor sie an ihrem Leben verzweifelt, zieht sie sich zurück und malt innerhalb von zwei Jahren rund 1300 Kunstwerke, in denen sie sich mit ihrem bisherigen Leben auseinandersetzt: "Leben? oder Theater?" (Das Foto zeigt ein Selbstporträt von Charlotte Salomon im Jahr 1940). Sie heiratet und wird schwanger. 1943 wird sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Ihr künstlerisches Lebenswerk blieb erhalten.

 

Der Vortrag beschrieb das Leben Charlottes anhand ausgewählter Werke aus ihrem Nachlass. Im Buchhandel gibt es mehrere Darstellungen zum Leben und Werk von Charlotte Salomon.

 

Lazarus Levi, Paula Levi-Lindberg und Charlotte Salomon

Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg

Das Grab von Lazarus und Sophie Levi auf dem neuen jüdischen Friedhof Frankenthal

Im Internet kann man bei Wikipedia folgende Informationen nachlesen: "Die berühmte Sängerin Paula Salomon-Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal als Paula Levi geboren. Ihr Vater war der jüdische Religionslehrer und Kantor Lazarus Levi, der als Sänger einen besonderen Ruf weit über Frankenthal hinaus hatte. Er wurde am 16. Juli 1862 in Eckardroth geboren und kam 1896 nach Frankenthal, das damals zu Bayern gehörte. Lazarus Levi starb am 17. November 1919, seine Ehefrau am 26. November 1930, beide in Frankenthal. Das Grab auf dem neuen Judenfriedhof in Frankenthal ist heute noch erhalten." Die Familie wohnte in der Karolinenstraße 7.

 

Lazarus und Sophie Levi

Anlässlisch des Todes von Lazarus Levi schreibt die Frankenthaler Zeitung am Dienstag, 18. November 1919, über Kantor Levi: "Der Kantor und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Lazarus Levi, ist am Sonntag nach langem Leiden gestorben. Herr Levi hat hier 22 Jahre amtiert und sich die Hochachtung aller Kreise erworben, die seinen Tod aufrichtig beklagen. Er stammte aus Unterfranken, wo er in Eckardroth 1862 geboren war. Seinen Studien oblag er an mehreren bayerischen Lehrerseminaren. 1896 kam er als Religionslehrer und Kantor nach Frankenthal, wo er seitdem wirkte, bis er im vergangenen Jahr wegen Krankheit in den Ruhestand treten mußte. Im Jahr 1897 verheiratete er sich mit Sophie Mayer, der Tochter des Herrn Jakob Mayer. Die israelitische Gemeinde verliert in ihm eines ihrer rührigsten Mitglieder, einen eifrigen Förderer ihres Vereinswesens und Gesanges. Als Sänger genoß Herr Levi besonderen Ruf weit über die Stadt hinaus."

Ein Jugendporträt von Paula Levi

Erst nach dem Tod ihres Vaters konnte Paula Levi ihren Wunsch verwirklichen, Sängerin zu werden.

 

Ihre Ausbildung erhielt Paula hauptsächlich in Mannheim und Berlin durch Julius von Raatz-Brockmann. Sie wurde in den 1920er Jahren unter dem Namen Paula Lindberg bekannt und trat hauptsächlich in Werken der Barockzeit auf, aber auch in moderneren Werken. Zwischen 1930 und 1933 sang sie die Altpartien bei den Aufführungen der Bach-Kantaten in der Leipziger Thomaskirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

Paula Salomon-Lindberg

Am 4. September 1930 heiratete Paula Lindberg mit 32 Jahren in Frankenthal den Chirurgen Albert Salomon (1883–1976) und nannte sich Paula Salomon-Lindberg. Nach Auftrittsverboten 1933 sang sie noch bis 1937 für den Jüdischen Kulturbund Berlin. 1939 floh sie mit ihrem Mann nach Amsterdam, wo beide 1943 im Konzentrationslager Westerbork interniert wurden, später aber flüchten und die Besatzungszeit bis 1944 versteckt überleben konnten.

 

Nach dem Krieg lebte Paula Lindberg-Salomon in den Niederlanden. Sie setzte dort ihre künstlerische Laufbahn mit großem Erfolg fort. Sie starb am 17. April 2000 in Amsterdam.

 

Interview mit Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon für das Pariser Journal 1963. Sie sprechen vor allem über Charlotte Salomon.

 

Wegen ihrer Flucht aus Berlin mussten Paula Salomon-Lindberg und Albert Salomon fast alle privaten Sachen zurücklassen. Was sie noch hatten, verloren sie durch die Internierung im Konzentrationslager Westerbork. Charlotte Salomon nahm drei Schallplatten mit zu ihren Großeltern nach Südfrankreich.

 

Charlotte Salomon mit ihrem Vater Albert Salomon

Charlotte Salomon wurde als Tochter des Chirurgen Professor Albert Salomon (1883–1976) und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald (1890–1926), in eine liberale jüdische Familie geboren. Sie wuchs in einem bürgerlichen Umfeld in Berlin-Charlottenburg auf.

 

Nach dem Suizid ihrer Mutter 1926 heiratete ihr Vater 1930 die Konzertsängerin Paula Lindberg.

 

Charlotte verließ das Fürstin-Bismarck-Gymnasium 1933, ein Jahr vor dem Abitur, um den antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, die dort immer mehr zur Tagesordnung gehörten.

 

Ab Wintersemester 1935/36 war sie Studentin an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst. Nachdem ihr bei einem Wettbewerb der Kunsthochschule der erste Platz, der ihr von der Jury zuerkannt werden sollte, wegen ihrer jüdischen Herkunft versagt wurde, verließ sie die Hochschule im Herbst 1937.

Charlotte mit ihren Großeltern in Südfrankreich

Im Januar 1939 emigrierte Charlotte Salomon nach Frankreich. Dort lebte sie in Villefranche-sur-Mer bei Nizza bei ihren Großeltern.

 

Charlotte Salomon und ihr Großvater (ihre Großmutter hatte sich im März 1940 das Leben genommen) wurden im Lager Gurs interniert, kurze Zeit später jedoch wegen des hohen Alters des Großvaters wieder freigelassen.

 

Der Tod der Großmutter und das Erlebnis der Internierung versetzten Charlotte Salomon in eine tiefe Krise. Um die Ereignisse zu verarbeiten, begann sie auf Anraten eines Arztes wieder zu malen.

Zwischen 1940 und 1942 entstanden binnen 18 Monaten 1325 Gouachen in einem expressionistischen Stil. Etwa 800 Blätter im Format 32,5 x 25 cm hat Charlotte Salomon ausgewählt und nummeriert. Zusammen mit erläuternden Texten und Hinweisen auf Musikstücke erzählen sie unter dem Titel "Leben? Oder Theater?" ihr Leben. Das Werk ist in seinem Aufbau einem Theaterstück mit allen seinen Bestandteilen in Akten und Szenen vergleichbar.

 

Im Juni 1943 heiratete sie den österreichischen Emigranten Alexander Nagler. Nach der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen 1943 wurden Charlotte Salomon und ihr Mann verraten und am 24. September in Nizza verhaftet. Am 27. September wurde das Ehepaar in das Sammellager Drancy bei Paris und am 7. Oktober in das Vernichtungslager Auschwitz  deportiert. Charlotte Salomon, im fünften Monat schwanger, wurde vermutlich sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Ihr Ehemann starb später an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen.

Charlotte Salomons Werk "Leben? Oder Theater? Ein Singspiel" hat die NS-Zeit überlebt. Ihr Vater und ihre Stiefmutter haben die Bilder dem Jüdischen Museum in Amsterdam übergeben. 1961 wurden sie zum ersten Mal öffentlich gezeigt. 1963 erschien der erste Bildband mit einer Auswahl ihrer Gouachen.

 

Eine Auswahl der Bilder wurde bereits mehrmals öffentlich ausgestellt. Das Singspiel diente als Vorlage für die Oper "Charlotte Salomon", die als Auftragswerk der Salzburger Festspiele am 28. Juli 2014 in einer Inszenierung von Luc Bondy aufgeführt wurde.

 

 

 

 

 

Wir schaffen was - auch im September 2018

Reingung der Stolpersteine in Frankenthal

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Stolpersteine nach der Verlegung

Zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus hat der Kölner Künstler Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) im Jahr 2000 die Aktion "Stolpersteine" ins Leben gerufen. Vor Häusern, in denen Opfer der NS-Verfolgung gelebt haben, setzt Demnig kleine Betonquader in den Gehweg. Der Begriff "Stolperstein" ist im übertragenen Sinne gemeint: Menschen sollen auf etwas "gestoßen", aufmerksam gemacht werden. Ein kurzer Text, der in der Regel mit den Worten "Hier wohnte ..." beginnt, ist in eine ebenerdig aufgebrachte, zehn mal zehn Zentimeter kleine Messingplatte eingeschlagen.

 

Nach einiger Zeit verdunkeln sich die Stolpersteine. Die Schrift ist dann nur noch schwer lesbar.

Der Förderverein hat seit 2005 78 Stolpersteine verlegen lassen. Die Spenden, rund 8000 Euro, kamen alle von engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen. Viele setzen sich mit dem Leben der Menschen auseinander. Mehrere Nachfahren nahmen an der Verlegung teil. Im Internet sind im Kapitel "Stolpersteine" alle Aktivitäten dokumentiert.

Da die Metalloberfläche der Steine nach einiger Zeit nachdunkelt, muss diese regelmäßig gereinigt werden, um lesbar zu bleiben. Der Förderverein wird sich auch im September 2018 an der Aktion "Wir schaffen was" der Metropolregion Rhein-Neckar beteiligen.

 

Mitglieder des Fördervereins informierten an den jeweiligen Verlegeorten über das Leben der jüdischen Männer, Frauen und Kinder.

 

Kostenlose Führungen

Die Bahnhofstraße und Blick auf den Marktplatz um 1930

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert auf Anfrage kostenlose Führungen zu verschiedenen Themen: Geschichte der Juden in Frankenthal, Jüdische Geschäfte in der Innenstadt, Stolpersteine, Jüdische Friedhöfe, NS-Zeit in Frankenthal, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

 

Setzen Sie sich mit dem Förderverein in Verbindung.

 

Neues Buch über Frankenthaler Juden

"Gegen das Vergessen!"

Stolpersteine geben den Menschen ihre Geschichte

Der Förderverein verlegte gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig bisher 61 Stolpersteine für jüdische Männer, Frauen und Kinder. Das Buch "Gegen das Vergessen!" erzählt auf 236 Seiten die Geschichten zu den Stolpersteinen. Es wurde bei der Gedenkveranstaltung zur "Reichskristallnacht" am 9. November 2015 vorgestellt.

 

Das Buch kann zurzeit nur beim Förderverein und im Erkenbert-Museum gekauft werden. Es kostet 12 Euro (Einführungspreis).

 

Schicken sie eine Nachricht per Post oder E-Mail (Adresse siehe links).

 

Das Buch kann auch als digitale Version verschickt werden.

 

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulen

Projekte für politische Erziehung

In der Berufsbildenden Schule erzählte der Holocaust-Überlebende Paul Niedermann 2007 über seine Deportation nach Gurs in Südwestfrankreich und seine Rettung aus dem Lager.

 

Der Förderverein für jüdisches Gedenken organisiert seit über 20 Jahren Veranstaltungen zum Gedenken und Erinnern an die Ermordung der europäischen Juden, aber auch an die fast 2000 Jahre lange Geschichte der Juden in Deutschland.

 

"Nicht schon wieder Nationalsozialismus", klagt mancher Schüler. Der Förderverein kooperiert vor allem mit weiterführendenden Schulen. Neben Vorträgen, Filmen und Ausstellungen gibt es größere Projekte: Stolpersteine in Frankenthal, Baucamp auf den jüdischen Friedhöfen, Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager Struthof im Elsass, Führungen zum jüdischen Leben in Frankenthal.

 

In den vergangenen Tagen hat der Förderverein verschiedene Aktivitäten mit Schulen durchgeführt. Über 50 Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule fuhren in das ehemalige Konzentrationslager in Struthof im Elsass. Jugendliche des Instituts für Hören und Kommunikation (PIH) informierten sich über die Aktion Stolpersteine, über die "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 und über das ehemalige Kriegsgefangenenlager auf dem Schützenplatz zwischen dem Schießgartenweg und der Straße Am Kanal.

 

Vor allem mit diesen aktuellen Aktivitäten bietet der Förderverein den Schulen ein optimales Angebot für das Kennenlernen der lokalen Geschichte.

 


Schülerinnen und Schüler der Schiller-Realschule besuchten am 5. November das ehemalige Konzentrationslager Stuthof im Elsass. Am Ehrenmal für die französichen Opfer legten sie Blumen nieder.

Kooperationen mit Schulen

Eine Menschenkette rund um das Karolinen-Gymnsium soll deutlich machen, dass hier künftig keine Schülerinnen und Lehrerinnen mehr ausgegrenzt werden. Das Gymnasium hat den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Menschenkette, Stolpersteine und Ausstellung

Fotos vom Aktionstag des Karolinen-Gymnasiums

Zeitzeugen in Schulen

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln.

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland 2007 eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Zeitzeugen in Schulen vermittelt. Zeitzeugen gelingt es immer wieder, Interesse für die Zeitgeschichte zu entwickeln. 

 

Auch der Förderverein sucht Zeitzeugen.

 

 

 

Weitere Informationen zum Thema "Jugend in der NZ-Zeit" siehe im Kapitel "Frankenthal in der NS-Zeit".